08.05.2017

Anfrage

"Heilige und ehrwürdige Hände"

Schon lange wollte ich gerne wissen, warum der Priester bei der Wandlung nicht mehr die Worte spricht: „Da nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände.“ Ich finde das schade. H. B., 52249 Eschweiler


Dass Priester das gar nicht mehr sagen, stimmt nicht. Sie sagen diese Wendung aber nur, wenn sie das erste Hochgebet verwenden. Denn nur im ersten Hochgebet der Eucharistiefeier heißt es im sogenannten Einsetzungsbericht: „… nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände …“ Im römischen Messbuch von 1970 gibt es aber vier Hochgebete. Deren Einsetzungsberichte – wenn gesagt wird, was Jesus beim Letzten Abendmahl tat und sagte – lauten unterschiedlich.

1. Hochgebet – dieses Gebet orientiert sich weitgehend am einzigen Hochgebet der früheren tridentinischen Messe: „Am Abend vor seinem Leiden nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen zum Himmel, zu dir, seinem Vater, dem allmächtigen Gott, sagte dir Lob und Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

2. Hochgebet: „Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet …“ (Gotteslob 588). Dieses ist das meistverwendete Hochgebet.

3. Hochgebet: „Denn in der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: …“

4. Hochgebet: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. Und als die Stunde kam, da er von dir verherrlicht werden sollte, nahm er beim Mahl das Brot und sagte Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach …“

Welches der vier Hochgebete er auswählt, ist jedem Priester selbst überlassen. Und auch ohne, dass es dazu Statistiken gibt, wird man sagen können: Das traditionelle und sprachlich besonders feierliche erste Hochgebet dürfte am seltensten gewählt werden.

Von Roland Juchem