04.10.2017

Monat der Weltmission

Hilfe bis in jeden Winkel der Erde

Ob im afrikanischen Busch oder im indischen Slum: Die katholische Kirche erreicht mit ihrem Engagement selbst die entlegensten Dörfer. Besonders mit Krankenhäusern und Schulen hilft sie den Menschen da, wo staatliche Strukturen nicht mehr existieren. Aber das wird nicht von allen positiv gesehen.


Foto: missio/Manfred Karremann
Mädchen und Jungen besuchen die Sonntagsschule einer Gemeinde im Ostkongo. Die katholische Kirche bietet ihnen mitten im Bürgerkriegsgebiet Schulunterricht. Foto: missio/Manfred Karremann


Rund um den kleinen Ort Impini, 600 Kilometer von der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa entfernt, gibt es nicht viel: kaum Ärzte oder Gesundheitszentren, kaum Schulen oder Beratungsstellen. Es ist eine Region, die von der Regierung der Demokratischen Republik Kongo scheinbar vergessen worden ist.

Doch die katholische Kirche ist hier aktiv. In Impini gibt es seit gut zehn Jahren eine Kinderklinik und eine Entbindungsstation. Gegründet wurde sie vom katholischen Verein Spes Viva, mittlerweile finanziert das Bistum Idiofa die Verwaltung und das notwendige Personal. Bis zu 60 000 Menschen in der Umgebung profitieren davon.

Diese Klinik ist nur ein Beispiel, das zeigt: Da, wo Staaten versagen, hilft die Kirche aus. In 188 Ländern weltweit ist jede Pfarrei, jedes Bistum der katholischen Kirche über die Nuntiaturen, die diplomatischen Vertreter des Papstes, mit dem Vatikan verbunden. Es ist ein Netzwerk, das seinesgleichen sucht. „Die Kirche ist in der Tat ein Global Player“, sagt Marco Moerschbacher vom Missionswissenschaftlichen Institut missio in Aachen. Spenden und kirchliches Engagement kann die entlegensten Winkel der Erde erreichen.

Ihren Ursprung hat dieses Netzwerk in den Missionsstationen in der Kolonialzeit. Im Kongo etwa sicherten sich belgische Missionare 100 bis 200 Hektar Landbesitz, wenn sie zu jeder Kirche eine Schule und ein Krankenhaus bauten. „Die staatlichen Strukturen haben in Afrika später an das angeknüpft, was die Kirche aufgebaut hat“, sagt Moerschbacher. Daher bieten sie noch heute auf dem Land die einzig erreichbaren Kindergärten, Schulen, Ausbildungszentren oder Gesundheitsstationen. Eine Studie hat ermittelt, dass die katholische Kirche 20 Prozent aller medizinischen Einrichtungen in Süd- und Ostafrika unterhält. In Indien finanziert sie zehn Prozent der Schulen – obwohl weniger als ein Prozent der Bevölkerung katholisch ist.

Die Menschen zollen der Kirche dafür Respekt, zumal die Hilfe auch Muslimen und den Anhängern traditioneller Religionen offensteht. Die Nationalkirchen allein können dieses Angebot aber nicht finanzieren. Der Vatikan, ausländische Bischofskonferenzen, Orden und Hilfswerke springen ein. „Diese internationalen Kontakte können auch belasten“, so Moerschbacher. „Der nationalen Kirche wird manchmal vorgeworfen, sie sei ein Spielball des Westens.“


Staaten befürchten, dass die Kirche die Politik beeinflusst

Auch die Staaten sehen das Engagement kritisch, befürchten eine Einflussnahme auf ihre Politik. Im Kongo sind die katholischen Bischöfe die Gegenspieler von Präsident Joseph Kabila, der, gegen das Volk und die Verfassung, für eine dritte Amtszeit kandidieren will. Immer wieder werden Ordenskongregationen oder Priesterseminare geplündert.

Doch mischt sich die Kirche ganz ohne Hintergedanken ein? „Es gibt eine klare Trennung zwischen dem gesellschaftlichen Engagement und der christlichen Mission, Menschen für unseren Glauben zu gewinnen“, sagt Moerschbacher. „Die Christen sollen durch ihre Arbeit ein Zeugnis ablegen. Das Reich Gottes ist eine Aufforderung, unsere Welt hier und jetzt zu verbessern.“    

Von Kerstin Ostendorf