21.06.2017

Caritasverband feierte 100. Geburtstag

Jazz, Torte, neuer Direktor

Der Caritasverband für die Diözese Hildesheim hat seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ohne übermäßig große Worte. Dafür mit Jazz, einer Torte und einem besonderen Geschenk: mit Achim Eng als neuem Caritasdirektor.

Amtlich: Bischof Norbert Trelle verliest die Ernennungsurkunde von Achim Eng als Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim.
Amtlich: Bischof Norbert Trelle verliest die Ernennungsurkunde
von Achim Eng als Direktor des Caritasverbandes für die
Diözese Hildesheim.  | Foto: Wala

Wie war das? Wer etwas zu sagen hat, macht wenig Worte? Ein Satz auf der Jubiläumsfeier hat genügt. Für spontanen Applaus ebenso wie für eine deutliche Duftmarke in Richtung Politik: „In Sachen Sozialpolitik ist Niedersachsen etwas hinterher.“ 

Gesagt hat ihn Achim Eng, der neue Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim – und damit eine Erfahrung auf den Punkt gebracht, den viele Caritas-Mitarbeiter täglich machen: Das Land, egal in welchen Farben es regiert wird, und die Wohlfahrtsverbände könnten mehr tun für bedürftige Menschen – gemeinsam. Ein klarer Satz am Ende des Jubiläumsgottesdienstes, den Bischof Norbert Trelle und der Präsident des Deutschen  Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, gefeiert haben.

Im Anschluss ging es auf die Wiese, zum Jazz. Ein Fest zum Geburtstag. Kein Festakt. Keine großen Reden. Der wichtigste Satz war ja schon gesagt: Niedersachsen kann mehr.

Von Fulda nach Hildesheim

Zum Beispiel in Sachen Pflege, dem Bereich, den Eng ganz genau kennt. Vor seiner Ernennung zum Caritasdirektor (genau genommen schon am 1. Mai)  war der noch 57-Jährige Ressortleiter für die Bereiche Alten- und Jugendhilfe beim Caritasverband für die Diözese Fulda. Ein Fachmann, erfahren in den Nuancen der Pflegepolitik: Regional sehr unterschiedliche Pflegesätze und „Pflegeschlüssel“ mit einer enor­men Spreizung: „Sie können in Niedersachsen in einer Einrichtung landen, die 20 Prozent weniger oder 20 Prozent mehr Pflegekräfte hat.“ Das wirke sich dann auch auf den Preis aus – oder den Profit.

Für Eng hat die Pflegeversicherung einen Webfehler: „Die Politik wollte 1995 einen Markt für die Pflege mit privaten Anbietern.“ Mittlerweile stellen die privat geführten Altenheime die Mehrheit. „Dann müssen wir auch über Qualität in der Pflege reden und über die, die Qualität verhindern, – das sind die privaten Anbieter.“ Denn es seien die privaten Anbieter, die mehr Personal in den vollstationären Einrichtungen und die gemeinsame Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern verhindert haben. Andere Bereiche – wie Jugend- oder Behindertenhilfe – seien bewusst von diesen Marktmechanismen ausgenommen: „Aus guten Gründen, die auch für die Altenhilfe gelten.“

Die Stimme erheben für Arme, Arbeitslose, Benachteiligte oder auch Kinder – das will Eng als Caritasdirektor weiter fortsetzen: „Anders können wir doch gar nicht sozialpolitisch wirken.“ Fachlichkeit sei das eine, Anwaltschaft das andere. „Die Caritas gibt es nur im Doppelpack“, betont Eng.

Dabei sucht er die Zusammenarbeit. Zum einen – mit dem Bistum und den Pfarreien. Beispiel Kindertagesstätten, die mehr und mehr zu Familienzentren werden: „Sie sind für mich pastorale Orte.“ Kirche und Caritas sind für ihn keine getrennten Veranstaltungen: „Wir müssen Seelsorge und Beratung enger verzahnen.“

Eng blickt zurück in seine Lebensgeschichte. Groß geworden ist er in  Kassel, aufgewachsen in der Gemeinde St. Andreas. Diaspora, nur wenige Katholiken in der Nachbarschaft. Die kleine Gemeinde gründet erst einen Kindergarten, dann wird eine Kirche gebaut. Eng verzahnt.

Zum Geburtstag gibt es eine Torte – ein Geschenk
der Jugendwerkstatt Theresienküche der Caritas Peine.

„Kirche und Caritas gehören zusammen“

Zum anderen: die Allgemeine Lebens- und Sozialberatung, das Kernstück von Caritas vor Ort. Sie steht allen Ratsuchenden offen, als erste Adresse bei allen erdenklichen Problemen. Die Caritas hat hier eine Aufstockung der nötigen Mittel durch Kirchensteuern beantragt, da das Beratungsangebot nicht staatlich refinanziert wird. Auch hier sieht Eng eine wichtige Verknüpfung von Caritas und Kirchengemeinde vor Ort, die um die Probleme in ihrer Nachbarschaft weiß.

Wieder betont Eng: „Kirche und Caritas gehören zusammen.“ Aus seiner beruflichen Biografie kennt er beide Seiten. Nach dem Studium war der heutige Vater zweier  erwachsener Kinder viele Jahre in der Jugendpastoral im Erzbistum Freiburg tätig, bevor er zur Caritas wechselte.

Was Gemeinden und Caritas gemeinsam stemmen könne, zeigt für Eng in beeindruckender Weise das Engagement für Flüchtlinge. Und es zeigt für ihn noch etwas anders: „Was wären wir als Caritas ohne unsere Ehrenamtlichen?“ Gut 2000 sind es, die sich nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für andere Hilfesuchende einsetzen – in Suppenküchen und Kleiderkammern, in der Nachhilfe oder bei Besuchsdiensten.

Hätte Eng einen Wunsch frei – wahlweise zum Geburtstag des Caritasverbandes oder zu seiner Einführung – wäre das ein Leichtes: „Eine Spende für den Bernward Hilfsfonds, denn so können wir Menschen direkt helfen, die unerwartet in Not geraten.“

Stichwort Geburtstag: Was wäre ein rundes Wiegenfest ohne Kuchen? Eine Torte steuert die Jugendwerkstatt Theresienküche des Caritasverbandes Peine bei – mit Rosen und dem Flammenherz des Wohlfahrtsverbandes. Eng schnitt sie an – zusammen mit zweien, die am gleichen Tag Geburtstag hatten: mit Ulrich Reinecke, Leiter des CaritasNetzwerk Salzgitter und mit Katharina Schmitz, Sozialpädagogin und Projektleiterin der Jugendwerkstatt Peine.  Caritas verbindet. Manchmal mit Zuckerguss.

Von Rüdiger Wala

 

Das Buch zum Jubiläum
„Die großen Linien“: So ist die Festschrift zum Jubiläum des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim überschrieben. Auf fast 160 Seiten wird ein Bogen von der Anfängen der Caritasarbeit im Bistum über den Ausbau der Dienste gerade nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den heutigen Herausforderungen geschlagen – immer wieder unterbrochen durch Interviews mit „Caritätern.“ Denn hinter allen großen Linien und Geschichten stecken immer Menschen, die sich anderen Menschen zuwenden.

Bezug: Caritasverband für die Diözese Hildesheim,
Friederike Wiesner, Moritzberger Weg 1, 31339 Hildesheim,
Telefon: 05121 / 938 120, E-Mail: wiesner@caritas-dicvhildesheim.de