13.12.2017

Könige sind reisefertig

Die Sternsinger-Aktion liegt in St. Martinus in Emmerke in jungen Händen. Während anderenorts Eltern das Engagement organisieren, begleiten in Emmerke 18-jährige Schüler 30 Kinder bei der Verwandlung als Sternsinger, um den Segen Christi in die Häuser zu bringen.

Anprobe bei den Sternsingern in Emmerke.

Routiniert binden Paulas Finger eine Schleife in die goldene Kordel, fertig ist der Kopfschmuck eines neuen Sternsingers. „Was man seit drei Jahren macht, das sitzt“, sagt Paula. Die 18-Jährige organisiert zusammen mit sieben anderen Jugendlichen die Sternsinger-Aktion in St. Martinus in Emmerke bei Hildesheim.

Heute ist sie mit einer Gruppe von sechs Kindern zur Anprobe der Gewänder in der Kirche. Alles passt, nur die Kronen der Sternsinger sind unauffindbar. „Die sind zur Reparatur“, weiß Roland, der ebenfalls zur Vorbereitungsgruppe gehört. Am 26. Dezember muss alles fertig sein: Dann ist der große Aussendungsgottesdienst für 30 Mädchen und Jungen, die als Sternsinger durch die Straßen des Dorfes ziehen.

Paula, Roland und die anderen Jugendliche sind in der Zeit vom 26. Dezember bis zum Rückkehrgottesdienst am 1. Januar im Dauereinsatz. „Wir haben das Pfarrheim für anderthalb Wochen komplett reserviert und machen es uns mit Essen und Filmen gemütlich“, erzählt Paula. Aber natürlich steht nicht das Faulenzen im Vordergrund. Roland, Paula und ihre Mitstreiter kümmern sich um die gesamte Organisation der Sternsinger-Aktion. Von der Vorbereitung der freiwilligen Kinder über die Anprobe der Gewänder und die Einteilung der Gruppen bis hin zur Abrechnung der gesammelten Spenden.

Die Nachfolger werden schon angelernt

Die Hilfe eines Erwachsenen brauchen sie dabei nur selten. „Wir haben die Aufgabe von Jugendlichen übernommen, die zum Studieren weggezogen sind. Jetzt sind wir selbst dabei, drei Schüler aus der zehnten Klasse anzulernen“, berichtet Paula. Im kommenden Sommer macht sie, genau wie Roland, das Abitur.
 

Roland (links) und Paula (rechts) bereiten die
Mädchen und Jungen in Emmerke auf ihren Einsatz
als Sternsinger vor. | Fotos: Karina Scholz

Mit ihrem Altersdurchschnitt sind die Emmerker eher eine Ausnahme unter den Sternsinger-Vorbereitungsteams in der Diözese Hildesheim. Bistumsweit sind um die 4000 Kinder (und auch Jugendliche) in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest unterwegs. In Emmerke ist Pfarrer Uwe Schäfers besonders stolz auf die Motivation der Jugendlichen, die die Kinder dabei begleiten. „Man sieht ihnen an, dass sie Freude haben“, sagt er. Und: die Sternsinger-Aktion läuft reibungslos.

„Schön, wenn man etwas zurückgeben kann“

Für Roland und Paula ist es selbstverständlich, die Spendenaktion zu unterstützen. „Die Frage ist eher, warum sollten wir das nicht machen? Wir sind ja auch bei den Messdienern und den Pfadfindern, da kennen wir uns mit Gruppenarbeit und Kirche schon aus“, sagt Roland.

Besonders bewegt hat die beiden in diesem Jahr der Film zur Aktion Dreikönigssingen. Der bekannte TV-Reporter Willi Weitzel berichtet darin über Kinder in Indien, die für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten müssen, anstatt zur Schule gehen zu dürfen. „Ich denke oft darüber nach, wie gut es uns geht“, sagt Paula. Schon ein Blick auf die Einkaufsliste für die Aktionstage mache ihr das klar. „Deshalb ist es schön, wenn man etwas zurückgeben kann“, ergänzt Roland.

Im letzten Jahr konnten die Emmerker Sternsinger einen vierstelligen Betrag an Spenden einsammeln. Das wollen sie in diesem Jahr wieder erreichen.

Karina Scholz