09.06.2017

Keine Scheu vor Verantwortung

Drei Theologinnen des Bistums haben am bundesweiten Modellprojekt „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ teilgenommen. Das Ziel: den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Ende Juni endet das Programm. 

äDie Teilnehmerinnen am Projekt „Kirche im Mentoring –
Frauen steigen auf“ und ihre Mentoren: (v. l.) Hans-Georg Ruhe,
Christiane Müßig, Anne Korte-Polier, Ines Klepka,
Annette Stechmann – es fehlt Bettina Syldatk-Kern – 
und Manuela Weinhardt-Franz, die Gleichstellungs-
beauftragte des Bistums Hildesheim. | Fotos: Stefanie Behnke

Hildesheim (sb) – Oft sind es die Frauen selbst, die sich zu wenig Führungskompetenz zutrauen. Außerdem verzichten Frauen zu Gunsten ihrer Familie gern auf eine Leitungsposition. Mit Klischees wie diesen kann Ines Klepka herzlich wenig anfangen. „Ich bin überzeugt, dass ich Führung kann“, sagt die Referentin für religiöse Bildung und Ministrantenpastoral im Hildesheimer Generalvikariat. „Und ich wollte dieses Jahr nutzen, um meine Kompetenzen weiterzuentwickeln.“

Sätze, die auch Annette Stechmann, Pastoralreferentin am Universitätsklinikum Göttingen, und Christiane Müßig, zuständig für die Lokale Kirchenentwicklung in der Hauptabteilung Pastoral, unterschreiben. Die drei Frauen wurden vor über einem Jahr in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt, am Modellprojekt „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ teilzunehmen. Das bundesweite Projekt wird vom Hildegardis-Verein durchgeführt und von der Deutschen Bischofskonferenz unterstützt und begleitet. Neben dem Bistum Hildesheim haben sich acht weitere Diözesen in Deutschland an dem Modellprojekt beteiligt. Ziel des Mentorings ist es, den Anteil von Frauen in Führungspositionen und herausgehobenen Fachpositionen deutlich zu erhöhen.

Begleitet von erfahrenen Frauen und Männern
 

Christiane Müßig.

Ein zentrales Element des Programms: Alle drei Theologinnen hatten für die Zeit des Mentorings erfahrene Frauen und Männer an ihrer Seite, die bereits in einer leitenden Position arbeiten: Bettina Syldatk-Kern, Justiziarin des Bistums und Leiterin der Stabsstelle Recht, und Anne Korte-Polier, Leiterin der katholischen Familienbildungsstätte Hannover, waren die Mentorinnen von Annette Stechmann und Ines Klepka; Hans-Georg Ruhe, der ehemalige Leiter der Hauptabteilung Personal und Verwaltung, der Mentor von Christiane Müßig.  „Aus meiner Sicht waren diese Mentoring-Gespräche das Wichtigste an der ganzen Geschichte“, so Annette Stechmann. „Es war immer eine wertschätzende, freundliche, aufbauende und auch Mut machende Begleitung.“

Kompetenzen weiterentwickeln, die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten unter die Lupe nehmen, sich vernetzen mit Mitarbeitern, die schon in einer Leitungsposition tätig sind, dazu praktische Trainingseinheiten und die Arbeit an einem selbst gewählten Langzeitprojekt: So sah das vergangene Jahr der drei Theo­loginnen aus – zusätzlich zu ihrem Berufsalltag. „Das war schon eine hohe Arbeitsbelastung“, so Christiane Müßig. Wie Lokale Kirchenentwicklung auf einer Internetseite dargestellt werden kann, hatte sie sich als zentrale Frage für ihr Projekt vorgenommen. Annette Stechmann hat einen Workshop mit Frauen organisiert, die ihr Kind während oder kurz nach der Schwangerschaft verloren haben. Die Ergebnisse – bewegende Bilder – hat sie in einer Ausstellung präsentiert. Und Ines Klepka hat eine Projektskizze zur Qualifizierung von erwachsenen Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit entwickelt.
 

Ines Klepka

Projekte und Gespräche, die die Frauen befähigen sollen, in führender Position tätig zu sein. Dass sie das Rüstzeug dazu mitbringen, davon sind alle drei überzeugt. Für Annette Stechmann ist das Mentoring auch aus einem politischen Grund bedeutsam: „Ich glaube, dass die Strukturen von Kirche es nicht unbedingt hergeben, dass Frauen aufsteigen. Damit Frauen aufsteigen können, muss sich im System Kirche was bewegen. Und deshalb finde ich dieses Mentoring-Programm genial, weil die Bischofskonferenz hier gesagt hat: Es tut uns gut, wenn Frauen eine Leitungsposition haben.“

Dieser Überzeugung ist auch Manuela Weinhardt-Franz, Gleichstellungsbeauftragte im Bistum Hildesheim. „In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es in der katholischen Kirche gar keine Frauen in Führungspositionen.“ In den vergangenen Jahren jedoch habe sich im Bistum Hildesheim einiges bewegt. So sei der Anteil von Frauen, die Abteilungen leiten, von 2012 bis 2016 von 13 auf 40 Prozent gewachsen. Und in jeder zweiten katholischen Einrichtung im Bistum stehe eine Frau an der Spitze. „Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Wir brauchen Nachwuchs.“ Den zu finden, dazu sei das Mentoring-Programm ein geeignetes Instrument.

 

Annette Stechmann

Die Abschlusszertifikate gibt‘s in München

Am 21. und 22. Juni fahren Ines Klepka, Christiane Müßig und Annette Stechmann gemeinsam mit ihren Mentoren nach München. Dort werden sie die Tandems aus den anderen Diözesen des Mentoring-Programms treffen und in Anwesenheit von Reinhard Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, und dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ihre Abschlusszertifikate erhalten. Und für Klepka beginnt nur wenige Tage später ein neuer beruflicher Abschnitt: Zum 1. Juli wird sie die Leitung der katholischen Hochschulgemeinde in Hannover übernehmen. „Das ist natürlich der perfekte Abschluss für dieses Programm“, findet sie.