03.04.2012

Projekt

KirchenZeitung in der Schule

„Der Natur auf der Spur“: Das ist der Leitgedanke von „KirchenZeitung in der Schule“. Schüler der Klassen drei bis sechs werden jeweils eine Seite der KirchenZeitung zu einem Naturthema gestalten. Doch zuerst waren ihre Lehrer dran. Normalerweise sind sie es, die Aufgaben verteilen. Bei einem Einführungsseminar bekamen sie selbst eine: „Gestalten Sie eine KirchenZeitungsseite zu den Veränderungen auf zwei Osnabrücker Stadtfriedhöfen.“

Aufrecht, doch den Blick gesenkt als Zeichen des Mitgefühls. „Die Trauernde“ auf dem Johannisfriedhof. Foto: privat

 

 

 

 

 

 

Grabmale – Geschichte in Stein
Eine Entdeckungsreise auf dem Hase- und dem Johannisfriedhof in Osnabrück

Osnabrück. Die Zeiten, in denen Kühe auf Grabstätten grasten, sind lange her. Damals war der Kirchhof nämlich noch ein Ort des Lebens. Wie auf dem Hase- und dem Johannisfriedhof in Osnabrück. Sie sind geschichtliche Zeugnisse.

Vor mehr als 200 Jahren wurden die Verstorbenen kreisförmig um die Kirche bestattet. Je angesehener die Toten zu Lebzeiten waren, umso näher lagen sie an der Kirche. Die, die am Rand der Gesellschaft standen, ruhten auch im Tod am Rand der Kirchhofsmauer. Das änderte sich mit Napoleon Bonaparte. Er verordnete, dass die Toten vor den Toren der Städte bestattet werden mussten. Aus dem Kirchhof wird der Friedhof.

So wurden 1808 im westfälischen Osnabrück unter napoleonischer Herrschaft neue Friedhöfe am Hasetor und Johannistor angelegt. Die beiden Friedhöfe wurden in einem schachbrettartigen Wegesystem angelegt, mit einer Mauer umgeben und in den Folgejahren ständig erweitert. „Im Gegensatz zu früher waren die Wahlgräber an der Mauer die teuersten. In den Reihengräbern in der Mitte lagen die Armen“; sagt Ernst Kosche vom „Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof“.

2015 werden die Friedhöfe aufgehoben

Heute stehen beide Friedhöfe kurz davor, ihren Status als Friedhof zu verlieren. Nach einem Beschluss des Osnabrücker Stadtrats finden schon seit einigen Jahren keine Beisetzungen mehr statt. 2015 sollen sie schließlich entwidmet werden. Beide historische Friedhöfe stehen jedoch nicht nur unter Denkmalschutz, sie sind auch der Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Wie Grabmäler und die Natur geschützt werden können, ist das Anliegen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützten Projekts. „Heute ist der Zustand des Friedhofs so gut wie noch nie“, meint Matthias Rinn, Vorsitzender des Förderkreises. So sind zum Beispiel im Erdreich versunkene Grabmäler wiederentdeckt und gehoben worden. Wie das Grabmal von Eberhard Schopmeyer auf dem Hasefriedhof.

1945 wurde Schopmeyer, der Sekretär der katholischen Arbeitnehmerbewegung und Gegner der Nationalsozialisten, im Bürgerpark erschossen aufgefunden. Der Künstler Ludwig Nolde gestaltete für seinen ermordeten Freund ein auch heute noch außergewöhnliches Grabmal. Kreisrund, aus Kalksandstein, stellt es Jesus Christus als einzig wahren Weltherrscher dar. Der Grabstein ist nicht allein wegen Religiosität und der politischen Stellungnahme des Künstlers bedeutsam. Schopmeyer und Nolde waren auch Vertreter der Friedhofsreformbewegung. Den prachtvollen Grabmälern aus teuren Materialien wollte man schlichte, zeitgemäße Formen aus günstigeren, in der Region abgebauten Steinen entgegensetzen.

Flugzeuge, Figuren oder ohne Grabstein

Auch auf dem Johannesfriedhof lassen sich besondere Zeugnisse der Grabkultur finden – mit Figuren, Flugzeugen oder ohne Grabstein. So zum Beispiel bei der Grabanlage des Industriellen Herrmann Hammersen. In den 1920er-Jahren war sein Textilbetrieb der bedeutendste in Deutschland. Nach seinem Tode wurde seine Grabstätte so auf dem Johannisfriedhof angelegt, dass er auch von dort seine nahe Fabrik hätte sehen können. Anders als bei den meisten anderen reichen Kaufleuten besitzt die Hammersen-Grabanlage keinen Stein. Seine norwegische Frau soll in Hinblick auf ihre skandinavische Begräbnistradition darauf verzichtet haben. Nur die verschlungenen Initialen am Tor der Mauerumgrenzung weisen noch auf den Unternehmer hin, berichtet Ernst Kosche.

Ein Flugzeug ziert das Grabmahl eines wagemutigen Sohnes der Stadt: Gustav Tweer war Kunstflieger und starb 1916 beim Einfliegen eines neuen Flugzeugtyps im 1. Weltkrieg.

Aufrecht, doch den Blick gesenkt zeigt sich die Figur „Die Trauernde“ auf der Grabstätte der Familie Wüste-Thorbecke. „Diese Haltung drückt Mitgefühl und Anteilnahme aus“, findet Ernst Kosch. Und er berichtet weiter: „Aus der Familie Thorbecke und die mit ihr verbundene Familie Wüste gingen  bedeutende Osnabrücker Bürger hervor. Sogar ein Bürgermeister der Stadt gehört zu ihrer Geschichte.“ Für ihn sind die zahlreichen Grabmäler der beiden Friedhöfe Stein gewordene Geschichte.

 

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Zur Information:

Kooperationspartner ist das Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP). Gefördert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesstifung Umwelt. Informationen zum Projekt gibt es unter www.kiz-schule.de