Debatte um die Kinderschutzkommission

Klärung gewünscht

Nach ihrem Rücktritt aus der päpstlichen Kinderschutzkommission verlangt Marie Collins nun ein paar Antworten von Kurienkardinal Müller.

Marie Collins
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Das irische Missbrauchsopfer Marie Collins hat Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller zur Klärung einiger Fragen zum Kinderschutz im Vatikan aufgefordert. In einem Offenen Brief (englischsprachig), den der "National Catholic Reporter" veröffentlichte, macht das frühere Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission den deutschen Kardinal auf mögliche Unstimmigkeiten in seinen Aussagen aufmerksam. Sie halte es für nötig, auf diese Weise zu einem Interview Müllers in der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (5. März) Stellung zu nehmen. Müller ist Präfekt der Glaubenskongregation, die im Vatikan für die Ahndung sexuellen Missbrauchs durch Priester zuständig ist.

Collins hatte ihren Rückzug aus der Kinderschutzkommission mit mangelnder Kooperationsbereitschaft an der römischen Kurie, vor allem der Glaubenskongregation, begründet. In ihrem Offenen Brief bezieht sie sich konkret auf sieben Aussagen Müllers, die sie nicht nachvollziehen könne. Generell fordert sie auf Kritik wie die ihre "angemessene Antworten" sowie "Transparenz, Ehrlichkeit und Deutlichkeit". "Wenn es Probleme gibt, erreicht man nichts dadurch, dass man so tut, als sei alles gut." - Collins war im Alter von 13 Jahren von einem Priester sexuell missbraucht worden.

Die Irin kritisiert etwa, dass eine 2015 angekündigte juristische Abteilung zum Umgang von Bischöfen mit Missbrauchsfällen innerhalb der Glaubenskongregation bislang nicht eingerichtet worden sei. Dies sei weitaus mehr als ein "Projekt", wie der Präfekt in dem Interview gesagt habe. Müller hatte erklärt, die Einrichtung sei nicht erfolgt, da die Bischofskongregation bereits alle nötigen Kompetenzen habe. Collins vermutet dahinter jedoch möglicherweise "mangelnden Willen".

kna