21.01.2013

Malteser-Schulsanitätsdienst: Ein Teenager wird zum Lebensretter / Ehrung durch Bundesverband

Kräftig drücken. Immer wieder

Ein Held? „Nein, das bin ich nicht“, sagt Marius Timmler. Auch wenn der 15-Jährige ein Leben in seinen Händen hielt – im wahrsten Sinne des Wortes. Als es ernst wurde, war der Schulsanitäter des Malteser Hilfsdienstes zur Stelle.

15 Jahre alt und ein Lebensretter: Marius Timmler aus Sickte. Der Schulsanitäter hat Erste Hilfe bei den Maltesern gelernt – und bewahrte geistesgegenwärtig eine Mitschülerin vor dem Tod. Foto: Wala

Haupt- und Realschule Sickte, 4. Oktober. Dritte Stunde, Turnhalle, Sportunterricht der Klasse 8B. Die Stunde hat gerade begonnen. Warmlaufen. Auch die 14-jährige Lena dreht ihre Runden. Plötzlich bricht sie zusammen – und atmet nicht mehr. Geis­tesgegenwärtig greifen Sportlehrer Matthias Petzold und Lenas Mitschüler Marius Timmler ein. Auch die Leiterin des Malteser Schulsanitätsdienstes, Cora Kruse, wird umgehend alarmiert. Gemeinsam reanimieren sie die 14-Jährige, die an einem angeborenen Herzfehler leidet.

Über zehn Minuten am Leben gehalten

Marius drückt auf den Brustkorb seiner Mitschülerin und massiert so ihr Herz. Mindestens fünf Zentimeter tief, 100-mal in der Minute. Kräftig und unaufhörlich. Denn immer wieder hört Lena auf zu atmen. Petzold und Kruse leis­ten Mund-zu-Mund-Beatmung. Zehn Minuten lang halten die drei Retter Lena am Leben, bis Notarzt und Rettungssanitäter eintreffen. Lena wird mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht.

Einen einzigen Gedanken habe Marius gehabt, als er eingriff: „Ich wollte helfen. Nichts tun bringt doch nichts.“ An weitere Einzelheiten kann er sich kaum erinnern: „Ich weiß noch, dass ich danach aus der Halle gelaufen bin und später nach Hause gebracht wurde.“

Innerlich war er völlig ruhig: „Ich wusste, was zu tun ist. Das habe ich ja auch lange geübt.“ Seit drei Jahren engagiert sich der Realschüler beim Schulsanitätsdienst. „Den Grundkurs habe ich bei Frau Kruse während einer Projektwoche gemacht“, erzählt Marius. Zwischendurch hat er sein Wissen immer wieder aufgefrischt – praktisch wie theoretisch. Bisher kümmerte er sich als Ersthelfer eher um kleinere Blessuren: zum Beispiel um Verstauchungen und Prellungen. Folgen von Schulhofgerangel.

Helfen – das will Marius auch jenseits von Schulhof und Turnhalle. Er engagiert sich bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und bei der Jugendfeuerwehr. Er übt, wie man Ertrinkende rettet oder wie welches Feuer gelöscht wird. ‚Helfen wollen’ scheint in der Familie zu liegen. Auch sein Zwillingsbruder und sein älterer Bruder engagieren sich dort.

Die Rettung von Lena ist nun durch den Malteser Hilfsdienst gewürdigt worden. Der Schüler wurde gemeinsam mit Sportlehrer Matthias Petzold und Schulsanitäterin Cora Kruse mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet. Damit wollen die Malteser vor allem eine Haltung bestärken: „Ich bin nicht nur für mich zuständig, sondern auch für die anderen verantwortlich. Diese Einstellung möchte ich hier besonders ehren“, betont die  Vizepräsidentin des Malteser-Hilfsdienstes in Deutschland, Vinciane Gräfin von Westphalen, bei einer Feierstunde in der Haupt- und Realschule Sickte.

Zivilcourage und Mut bewiesen

Vor allem, weil der Schulsanitätsdienst alles andere als eine Angelegenheit mit langem Atem ist: „Schüler und Lehrer müssen sich intensiv weiterbilden.“ Petzold, Kruse und Marius Timmler hätten eines bewiesen: Mut und Zivilcourage. Mehr noch, findet Vinciane Gräfin von Westphalen: „Das war die Kraft des Herzens.“

Das Verhältnis zu Lena sei jetzt wieder ganz normal, sagt Marius: „Wie halt unter Mitschülern.“ Das gefällt ihm. Lena selbst geht es wieder gut. Als Marius die Medaille übereicht wird, spendet sie laut Applaus. Aber über die Ereignisse reden möchte Lena noch nicht. „Das kann ich gut verstehen“, meint Marius – und geht nach Ende der Feierstunde wieder in den Unterricht. Als wäre nichts gewesen ...

Rüdiger Wala