21.09.2017

Kreuzwallfahrt nach Ottbergen

Vor einer Woche hatte die Kreuzwoche im Bistum Hildesheim mit Gedenkwallfahrt und Gottesdienst auf dem Gelände des ehemaligen KZ Bergen-Belsen begonnen. Den Abschluss bildete am vergangenen Sonntag die Wallfahrt zur Kapelle auf dem Kreuzberg in Ottbergen. 

Über 500 Gläubige zogen zusammen mit Weihbischof
Dr. Nikolaus Schwerdtfeger vom Kloster Ottbergen
hinauf zum Kreuzberg. | Foto: Hans-Theo Wiechens

Ottbergen. Hochbetrieb herrschte am Wochenende in der Ortschaft Ottbergen. Dort hatten sich über 500 Gläubige zur alljährlichen Bistumswallfahrt mit einer Prozession zur weithin sichtbaren Kreuzkapelle auf dem Kreuzberg eingefunden.

Auf dem Prozessionsweg von der Klosterkirche aus wurde die Kreuzreliquie in Begleitung des Musikvereins Ottbergen von der Klosterkirche bis zur Wallfahrtskapelle auf den Kreuzberg hinaufgetragen. Dort wurde ein feierliches Pontifikalamt mit Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger gefeiert, der als Diözesanadminis­trator bis zur Einführung eines neuen Diözesanbischofs das Bistum Hildesheim leitet.

Schwerdtfeger erzählte, dass er schon als sechsjähriger Junge an einer Wallfahrt in Ottbergen teilgenommen habe. Er erinnere sich noch heute daran, dass damals die Menschen bis fast zum Fuß des Berges gestanden hätten. Die Zeiten aber hätten sich geändert.

Toleranz gegenüber anderen Religionen

In seiner Predigt stellte Schwerdtfeger das Kreuz in den Mittelpunkt, welches nicht nur ein Kulturgut sei. In der heutigen Religionsfreiheit nach dem Grundgesetz sollte das Kreuz aber nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Raum einen würdigen Platz finden. Tolerant im christlichen Sinne sollte man aber auch anderen Religionen gegenüber sein.
 

Seit über 300 Jahren kommen Pilger zur Kapelle auf
den Kreuzberg, um das Fest Kreuzerhöhung zu feiern.

Zwischendurch gab Petrus den Gläubigen für kurze Zeit seinen „feuchten Segen“ von oben. Dafür konnte man über Ottbergen anschließend einen farbigen Regenbogen bewundern.

Für die Kinder hatten die Verantwortlichen der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus Ottbergen in der naheliegenden Sporthalle parallel dazu einen Kindergottesdienst organisiert, wo die Kinder ein hölzernes Kreuz gefertigt hatten und mit zur Kapelle brachten. Dazu sangen sie das Lied „Gottes Liebe ist so wunderbar“.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde den Wallfahrern von Jugendlichen Kaffee und Kuchen am Fuße des Kapellenberges und auch im Pfarrheim angeboten. Die Feuerwehr versorgte die Teilnehmer auf dem Parkplatz mit Grillspezialitäten und kühlen Getränken.

 

Weihbischof Dr. Nikolaus
Schwerdtfeger mit der
Kreuzreliquie.

Wallfahrtstradition älter als 300 Jahre

Bereits am Freitagabend hatten sich zahlreiche Gläubige zu einer  Lichterprozession von der Klosterkirche aus zu einer Marienfeier mit Taizegesängen in der etwas unterhalb des Kreuzberges liegende und 100 Jahre alten Lourdes-Grotte auf den Weg gemacht.

Schon seit über 300 Jahren ist der Kreuzberg mit der Kapelle das Ziel von Wallfahrern. Am Rand der Lindenallee und um die Kapelle herum stehen die vierzehn Stationen des Kreuzweges. Über den Bau der aus Sandstein bestehenden Stationsstelen liegen Kirchenrechnungen aus dem Jahr 1761 vor. Die heute noch vorhandenen Kreuzwegbilder wurden von der Osnabrücker Künstlerin Ruth Landmann gestaltet und 1962 in die Sandsteinstelen eingesetzt.

Für den immer größeren Zuspruch der Wallfahrer aus den 28 umliegenden Stiftsdörfern war die im Jahr 1726 erbaute Kapelle damals zu klein geworden. Den Bau einer großen Wallfahrtskirche konnte sich die nach dem Kulturkampf verarmte Gemeinde aber nicht leisten. Deshalb wurde sie erst im Jahr 1905 um eine fünf Meter tiefe neuromanische Vorhalle mit Dreiecksgiebel und Drillingsarkade aus Sandstein, eine Kanzel auf der linken Seite und einen 25 Meter hohen Turm auf der rechten Seite erweitert.

Hans-Theo Wiechens