13.04.2017

Papst Benedikt XVI. wird 90 Jahre alt

Lesen, beten und Musik hören

Er lebt zurückgezogen, empfängt aber immer wieder auch Besucher, liest und hört Musik: Am Ostersonntag wird Papst Benedikt XVI. 90 Jahre alt.


Foto: kna
Noch heute liest er viel, nur das Gehen fällt ihm zunehmend schwer: Am Ostersonntag wird Papst Benedikt XVI. 90 Jahre alt.
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Hoch oben auf der Kuppel des Petersdoms richten Besucher bisweilen neugierige Blicke nach unten auf ein Haus im Grünen. Sie halten Ausschau nach einem weißen Punkt: Was macht Benedikt XVI.? Hier, in den vatikanischen Gärten im ehemaligen Kloster "Mater Ecclesiae" (Mutter der Kirche), lebt er seit Anfang Mai 2013 ein zurückgezogenes Leben. Gut zwei Monate zuvor war er als erster Papst der Neuzeit freiwillig zurückgetreten. Am Ostersonntag feiert Benedikt XVI. nun als erster emeritierter Papst im Vatikan seinen 90. Geburtstag.

"Papst Benedikt ist guter Dinge", sagte sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein jüngst in einem Interview. Er sei "ganz klar im Kopf" und nehme Anteil an allem. Er lese, bete und höre Musik. Sorge bereiteten ihm nur die Füße; er habe Schwierigkeiten mit dem Gehen. Doch mit dem Rollator funktioniere es ganz gut, so Gänswein. Ein "kleiner Spaziergang mit Rosenkranz" stehe weiter jeden Tag auf dem Programm.

Zeit zum Faulenzen gönnt sich Benedikt XVI. auch jetzt nicht. Sein Tagesablauf ist nach wie vor von geradezu klösterlicher Präzision: von der Frühmesse bis hin zu den Abendnachrichten des italienischen Fernsehens. Den Haushalt führen ihm vier Frauen der katholischen Gemeinschaft "Memores Domini", so wie früher im Apostolischen Palast.

 

Kaum öffentliche Auftritte oder Äußerungen

Seit seinem Rücktritt ist Benedikt XVI. nur gut ein Dutzend Mal öffentlich aufgetreten, zuletzt im Juni 2016. Anlass war sein 65. Priesterjubiläum. Damals beglückwünschte ihn Franziskus vor dem versammelten Kardinalskollegium im Apostolischen Palast. Am Gottesdienst mit den neu ernannten Kardinälen nahm Benedikt XVI. im November 2016, anders als in den Vorjahren, nicht mehr teil. Stattdessen machte Franziskus seinem Vorgänger zusammen mit den neuen Kardinälen seine Aufwartung in den vatikanischen Gärten. Für längere Veranstaltungen reichten seine Kräfte nicht mehr, ist aus dem Vatikan zu hören.

TV- oder Radiointerviews hat Benedikt XVI. seit seinem Rücktritt nicht gegeben. 2016 erschien jedoch ein Interviewbuch, das in Gesprächen mit dem Journalisten Peter Seewald entstand. In der Öffentlichkeit gesprochen hat Benedikt XVI. überhaupt nur einmal in den vergangenen vier Jahren: im Juli 2015 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, als ihm die Ehrendoktorwürden der katholischen Universität und des Konservatoriums von Krakau verliehen wurden. Damals sprach er über die klassische Musik und den Glauben.

Halböffentliche Reden hielt er allerdings vor seinem Ruhesitz mehrfach vor bayerischen Gästen, die ihn zu Geburtstagen oder seinem Priesterjubiläum besuchten. Schriftlich hat sich Benedikt XVI. häufiger zu Wort gemeldet. Seit seinem Rücktritt wurden vor allem seine Grußworte publik, etwa für theologische Tagungen oder zur Benennung eines Hörsaals nach seinem Namen. Für alle schriftlichen Äußerungen holt sich Benedikt XVI. vorher die Genehmigung seines Nachfolgers ein; öffentlich tritt er nur auf dessen Einladung auf.

 

Ein zurückgezogenes Leben, aber kein Eremiten-Dasein

Benedikt XVI. lebt zurückgezogen, aber er führt kein Eremiten-Dasein. Bis heute empfängt er regelmäßig Besucher in seinem Ruhesitz in den Vatikanischen Gärten, nicht nur aus Bayern. Doch anders als früher, als er noch im Amt war, teilt das vatikanische Presseamt seine Gäste nicht mehr mit. Bekannt werden die Begegnungen daher nur, wenn die Besucher selbst darüber berichten. Bisweilen tauchen im Internet Fotos mit Benedikt XVI. auf, zuletzt Ende März von einem Besuch von Redakteuren des katholischen Fernsehsenders EWTN. Zu den regelmäßigen Gästen des Papstes zählen auch deutsche Bischöfe, die im Vatikan zu tun haben.

Offenbar gab es nach dem Rücktritt auch unliebsame Gäste, die sich bei Benedikt XVI. über Franziskus beschweren wollten. Doch die wurden, wie Franziskus selbst einmal erzählte, von seinem Vorgänger unverzüglich vom Hof gejagt; "auf bayerische Art", wie er hinzufügte.

Was denkt Benedikt XVI. wohl über seinen Nachfolger? Ist er einverstanden mit seinem Kurs? Grübelt er manchmal vielleicht darüber nach, warum er selbst sich so schwertat mit den Medien, die seinen Nachfolger nun bejubeln? Das bleibt wohl sein Geheimnis. Seinen Amtsverzicht jedenfalls hat er nach eigener Aussage bis jetzt noch an keinem Tag bereut.

kna