21.09.2015

Themenwoche Familie "Liebe leben"

Liebe lernen, Liebe leben

Die Kirche steht vor einem heißen Herbst. In zwei Wochen startet die Bischofssynode zur Familie. Grund genug, die Familie zum Inhalt einer Themenwoche zu machen.

Das Ideal, das sich viele Menschen wünschen: Liebe, Partnerschaft, Eheglück 
Foto: fotolia

Kaum etwas prägt einen Menschen wie die eigene Familie: Im besten Fall bekommt man durch sie einen guten Start ins Leben, lernt Grundvertrauen, Geborgenheit – Liebe. Im schlechten Fall nimmt man Kränkungen, Unsicherheiten, Ängste mit. Kirchlich – und in weiten Teilen gesellschaftlich – ist unumstritten: Eine glückliche Ehe mit Kindern ist das Ideal. Glücklich, wer so leben kann.

Trennung und Scheidung, Patchworkfamilien, alleinerziehende Elternteile: All das geht nicht ohne Schmerz und Konflikt. Dennoch: Für viele Menschen ist die Trennung von einem Partner eine Erlösung, ein Ende von Streit, vielleicht sogar von Betrug und Lüge. Das darf man nicht verschweigen. 

Unzählige Familienmodelle gibt es weltweit. Das ist die Realität. Eine Realität, mit der die Kirche sich schwertut. Auch deswegen hat Papst Franziskus zur Familiensynode nach Rom eingeladen. Im Vorfeld begleiten katholische Medien in Deutschland die Synode mit einer Themenwoche Familie. „Liebe leben“ heißt das Leitwort der Aktion vom 20. bis zum 27. September. „Die Familie ist ein Lernort des Lebens und der Liebe. Die Wunder und die Wunden, die dort geschehen oder geschlagen werden, sind Teil unseres Lebens, auch als Kirche“, sagt Ulrich Peters, Vorsitzender des Katholischen Medienverbandes. Aus diesem Anlass widmen wir uns in dieser Zeitung in dieser und der kommenden Woche besonders intensiv der Familiensynode und ihren Themen.

Die Synode selbst wird spannend: Die Fronten scheinen verhärtet. Deutsche Bischöfe bemühen sich, im Vorfeld die Erwartungen an das Bischofstreffen zu senken. Kardinal Reinhard Marx etwa verweist im Interview mit dieser Zeitung darauf, dass die Synode kein Beschlussgremium sei. Ähnlich argumentiert auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“. Bode, der ebenfalls an der Synode teilnehmen wird, drängt aber auf Ergebnisse: „Die Zustände liegen offen. Und die theologischen Aussagen liegen auch auf dem Tisch – in voller Breite. Da müsste man doch jetzt zu gewissen Entscheidungen kommen können.“

Und der Papst? Er entscheidet und wirft neue Rätsel auf. Per Erlass vereinfachte er die kirchliche Gerichtsverfahren, in denen Ehen für ungültig erklärt werden können. Und greift so der Synode vor. Will er das Thema erledigen, um mehr Zeit für andere Debatten zu haben? Oder ist das ein Wink, dass der Papst mehr Barmherzigkeit will? Eine Antwort gibt es nicht. Der Herbst wird spannend.

Von Ulrich Waschki