25.04.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Stefanie Behnke

vor kurzem bin ich in der Online-Ausgabe eines großen Wochenmagazins über die Schlagzeile „Bremen: Schulleiterin klagt gegen Inklusion“ gestolpert. Unter dem Artikel standen hunderte Kommentare, fast alle mit demselben Tenor: „Recht so! Behinderte haben an einem Gymnasium nichts verloren.“

Die Meldung und die dazugehörigen Kommentare haben mich in zweifacher Hinsicht nachdenklich gemacht. Zum einen: Die UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 sagt: Alle Kinder mit einer Behinderung haben das Recht, eine Regelschule zu besuchen. Deutschland hat diese Konvention ratifiziert. Zum anderen: Woher kommt die stark ablehnende Haltung so vieler Menschen? Ich glaube nicht, dass alle Leser des besagten Artikels aus ihrer persönlichen (schlechten) Erfahrung mit Inklusion heraus zu ihrer Meinung gelangt sind.

Tatsächlich besuchen nur fünf Prozent aller Kinder, die einen inklusiven Unterricht erhalten, ein Gymnasium. Dass es dennoch funktionieren kann, davon durfte ich mich kürzlich überzeugen. Für unser Kirchenradiomagazin habe ich eine Inklusionsklasse der Hildesheimer Marienschule besucht. Das Gymnasium hat dafür einiges investiert: Es gibt speziell ausgebildete Lehrer, der Unterricht erfolgt differenziert, heißt: Die Inklusionskinder lernen ihren Fähigkeiten entsprechend, manchmal auch von der Klasse getrennt. Ohne diesen Extra-Aufwand geht es nicht.

Es geht übrigens gar nicht darum, dass Kinder mit einem besonderen Förderbedarf das Abitur machen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als ihr Recht auf soziale Teilhabe. Oder, wie eine Lehrerin dort zu mir sagte: „Letztendlich entspricht das doch dem christlichen Menschenbild.“

Ihnen eine gute Woche!

Ihre Stefanie Behnke

Stefanie Behnke ist Rundfunkredakteurin bei Bernward Medien.