27.09.2017

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

über die Bundestagswahl, sind schon so viele Seiten Zeitungspapier beschrieben worden, dass ich Sie eigentlich nicht auch noch damit belästigen wollte. Eigentlich.

Wenn ich es dennoch tue, dann deswegen, weil wir Lehren aus dem Verlauf der Wahl und vor allem des Wahlkampfs ziehen sollten – nicht nur in der Politik, sondern auch in der Kirche. An einem hat es in den vergangenen Wochen gemangelt: Probleme offen anzusprechen, und zwar ohne Schaum vorm Mund. Und ohne An­dersdenkende gleich in eine bestimmte Ecke zu stellen. Erst als die Wahl gelaufen war, brachen die Konflikte offen aus, so heftig, wie zuvor nicht erwartet.

An guter Streitkultur und dem Mut, auch unangenehme Dinge offen auszusprechen, mangelt es auch häufig in der Kirche. Wer, wie wir KiZ-Redakteure, viel im Bistum herumkommt, kann davon ein Lied singen. Der Satz „Darüber wollen Sie doch wohl nicht etwa schreiben“, begegnet einem immer wieder.

Dabei geht es auch anders: Papst Franziskus scheut sich nicht, ein Konfliktthema nach dem nächsten auf den Tisch zu legen, weil er es für wichtig erachtet, die Prob­leme anzugehen, die die Menschen bewegen.

Ein schönes Beispiel für gelungene Streitkultur findet sich auch hierzulande: Als vor wenigen Monaten der konservative Kardinal Meisner zu Grabe getragen wurde, wurde bekannt, dass er einen regen Austausch mit der streitbaren Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gepflegt hat. Die beiden lagen wohl nur selten auf einer Linie. Aber sie hatten eine Ebene gefunden, sich offen und respektvoll die Meinung zu sagen. Diesen Mut wünsche ich Ihnen, der Kirche und der Politik.

Ihr Matthias Bode
Redaktionsleiter