11.04.2017

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer die kirchlichen Debatten der letzten Jahrzehnte verfolgt hat, muss feststellen, dass es einige Themen gibt, die von Zeit zu Zeit immer mal wieder aufploppen, sich kurzzeitig beruhigen, um wenig später erneut in die Diskussion zu kommen. Dazu zählt ohne Zweifel der Zölibat.

Es scheint, als ob sich das Thema nun langsam einer Lösung – oder zumindest einer Weiterentwicklung – nähern würde. Jüngst haben nicht nur deutsche Bischöfe die Problematik aufgegriffen, sondern auch Papst Franiskus hat angedeutet, dass es möglicherweise Spielraum in dieser Frage gibt. Dabei wird es kaum um eine generelle Abschaffung gehen, sondern zunächst um die Weihe von bewährten verheirateten Männern.

Wer den zunehmenden Priestermangel sieht, aber auch miterlebt, wie mancher Priester unter der Ehelosigkeit leidet, wird daher aufatmen.

Dennoch stört mich etwas: Mit der Abschaffung oder Modifizierung des Zölibates werden geradezu Heilserwartungen verbunden. Doch darin besteht ein großer Irrtum. Am Pfingstmontag haben wir an diversen Orten des Bistums ökumenische Gottesdienste gefeiert. Die lutherischen und reformierten Kirchen haben verheiratete Priester (und Frauen) am Altar – und doch stehen sie im Wesentlichen vor den gleichen Problemen wie die katholische Kirche: zurückgehende Kirchenbindung, unbesetzte Pfarrstellen, schwindende gesellschaftliche Bedeutung.

Man darf das Thema Priestertum immer wieder diskutieren. Aber man sollte nicht meinen, damit alle Probleme zu lösen. Der Heilige Geist, der dürfte uns noch andere Wege aufzeigen.

Eine gute Woche!

Ihr Matthias Bode
Redaktionsleiter