11.04.2017

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

es war ein Dienstagnachmittag, der Redaktionsschluss der KirchenZeitung lag gerade hinter mir, ich fuhr im Auto, als mein Handy klingelte. Am anderen Ende der Leitung eine Kollegin aus der Redaktion. Sie bedeutete mir, ich möge auf der Stelle umkehren und zurück ins Büro kommen. Sie hatte im Fernsehen die Papstwahl verfolgt. Und was sie gesehen hatte, war weißer Rauch. Ich machte mich aber dennoch auf den Weg, ein richtiger Entschluss: Kaum angekommen, wurde der Name des neuen Papstes verkündet: Joseph Kardinal Ratzinger, der erste Deutsche seit Jahrhunderten auf dem Stuhl Petri.

Eilig sammelten wir Stimmen zur Wahl und recherchierten nach Bezügen des neuen Oberhirten ins Bistum Hildesheim. Am Abend stand eine neue Ausgabe.

Am Ostersonntag wird eben  dieser Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., 90 Jahre alt. Mit Gästen aus seiner Bayrischen Heimat und aus Rom feiert er seinen Geburtstag. Ich sage von hier aus: herzlichen Glückwunsch!

Als Präfekt der Glaubenskongregation stand Ratzinger häufig in der Kritik, als Papst überraschte er manchen. Wie sein Pontifikat zu bewerten ist, wird erst die Geschichte zeigen. Eines wird jenseits aller theologischen Weichenstellungen im Gedächtnis bleiben: sein Rücktritt. Es war ein einmaliger Schritt in der jüngeren Kirchengeschichte. Als Benedikt XVI. erkannte, dass er der Aufgabe nicht mehr gewachsen war, machte er seinen Platz frei.

Das ist vorbildhaft, nicht nur für kommende Päpste, sondern für so manchen aus Kirche und Gesellschaft, der an seinem Stuhl klebt. Jeder sollte dann gehen, wenn sein Abschied Bedauern auslöst und nicht erst, wenn es heißt: „endlich“.

Dass Joseph Ratzinger in dieser Hinsicht einmal ein Zeichen setzen würde, daran haben wir am Nachmittag seiner Wahl nicht im Entferntesten gedacht.
Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Ihr Matthias Bode
Redaktionsleiter