Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

kann ich noch beruhigt zum Saisonauftakt von Eintracht Braunschweig gehen? Sollte ich noch das hannoversche Maschseefest besuchen? Droht mir schon bei der Sonntagsmesse Gefahr? Die Verunsicherung greift um sich. Nach den Anschlägen von Nizza, Ansbach, Würzburg und München und dem Mord an einem 85-jährigen französischen Priester scheint nichts mehr, wie es war. Zu allem Überfluss auch noch die Lage in der Türkei und womöglich bald ein unberechenbarer US-Präsident. Gerät die Welt aus den Fugen?

Zunächst eine Beruhigung: Die Welt versinkt nicht im Chaos, auch wenn zeitweise dieser Eindruck entsteht. Unsere Befindlichkeit hat unter anderem damit zu tun, dass uns die Medien nur eine sehr ausschnitthafte Wirklichkeit vermitteln. Und diese mediale Wirklichkeit fällt viel negativer aus als die tatsächliche. Probleme, Gewalttaten, Exzesse, Aufstände – diese Themen nehmen in den Nachrichten einen breiten Raum ein, der Alltag wird weitgehend ausgeblendet, was in der Natur der Sache liegt. Wer möchte schon tagtäglich hören, wie Millionen Menschen gut zur Arbeit gekommen sind, ihren Geschäften oder Hobbys nachgehen. Was zählt ist das Außergewöhnliche, das Besondere - und das ist häufig negativ.

Tatsächlich leben wir auch heute noch in Deutschland und weiten Teilen Europas in großer Sicherheit. Die Wahrscheinlichkeit, persönlich Opfer eines Terroranschlages zu werden, ist minimal. Rund 3500 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Bleiben wir deshalb in unseren Wohnungen? Nein! Und so sollten wir auch die Terrorgefahr realistisch einschätzen.

Soweit die Beruhigung. Nicht zu bestreiten ist, dass die Welt in den letzten Jahren und speziell in den letzten Wochen und Monaten tatsächlich nicht sicherer geworden ist. Die Bedrohungen sind real und Sorgen berechtigt. Glaubten wir nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall von Diktaturen im Nahen Osten und in Nordafrika, der Weltfrieden sei zum Greifen nah, werden wir jetzt eines Besseren belehrt. Alles ist in Bewegung geraten und das trägt nicht zur Stabilität bei. Vielleicht haben wir uns aber auch allzu lange einer Illusion hingegeben: Absolute Sicherheit gibt es in dieser Welt nicht und hat es nie gegeben. Wir müssen mit den Fährnissen des Lebens zurechtkommen, seien sie weltpolitscher oder ganz persönlicher Art. Das ist es, was uns jetzt wieder ins Bewusstsein kommt.

In anderem Zusammenhang hat der Pastor und langjährige KiZ-Redakteur Winfried Henze einen Satz geprägt, der uns in diesen unruhigen Zeiten helfen kann: „Wer glaubt, zittert nicht“.

In diesem Sinn Ihnen eine gute Woche.

Ihr Matthias Bode