Marvin Kaletta liebt das Orgelspiel, Glocken und den Nahverkehr

Musik ist (nur) mein halbes Leben

Hochkonzentriert sitzt Marvin Kaletta an der Orgel in der Hildesheimer St.-Magdalenen-Kirche. Die Seifert-Orgel hier im Gotteshaus ist die Übungsorgel für Domorganisten und Orgelschüler.

Glocken haben es Marvin Kaletta besonders angetan. Beim großen Konzert mit den Domglocken durfte natürlich auch die größte Glocke des Domes nicht fehlen – die Canta Bona. Fotos: Edmund Deppe

Mit sechs Jahren hat Marvin Kaletta begonnen Akkordeon zu spielen. „Musik habe ich schon immer geliebt und zur Freude oder zum Leidwesen meiner Eltern habe ich immer gesungen, egal ob in der Badewanne oder im Einkaufszentrum“, erzählt der 19-Jährige schmunzelnd. Ein Jahr bevor er eingeschult wurde, besuchte er die musikalische Früherziehung. „Schön war, dass man da verschiedene Instrumente ausprobieren konnte. Und bei der Einschulung stand für mich fest: Ich will Akkordeon spielen.“

Mit neun Jahren folgte der Klavierunterricht und mit 12 Jahren ging er zu den Domsingknaben. „Das war für mich, zumindest für meine musikalische Laufbahn, sicherlich ein wichtiger Meilenstein.“ Irgendwann trat der Leiter der Domsingknaben, Domkantor Stefan Mahr, an ihn heran und fragte, ob er nicht Lust hätte, Orgelspielen zu lernen, ob das nicht etwas für ihn wäre?

Marvin Kaletta sagte ja und begann bei Mahr mit dem Orgelunterricht. Schnell stellte er fest, dass die Orgel sein Instrument war. Noch heute weiß er, wann er seinen ersten Gottesdienst in St. Magdalenen begleiten durfte. „Das war am 11.11.2010 im ‚kleinen Ersatzdom‘, wie die Magdalenenkirche genannt wurde, da der eigentliche Dom ja wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen war.“ Viele Anfragen gab es in der kommenden Zeit, ob er nicht einmal hier oder da zur Aushilfe „orgeln“ könne oder er wurde für Hochzeiten als Organist angefragt. „Und natürlich avancierte ich in meiner damaligen Schule im Gymnasium Josephinum in Hildesheim zum Haus- und Hoforganisten.“ Immerhin durfte er bei der Fahrt des Josephinums nach Rom 2014 den Schulgottesdienst an der Orgel im Petersdom mitgestalten. Im gleichen Jahr begleitete er die Mädchenkantorei des Domes auf eine Chorfahrt nach Paris. „Da habe ich die Chororgel in Notre Dame gespielt. 2014 war also schon ein intensives, aber tolles Jahr – inklusive Beginn der 12. Klasse mit Vorbereitung aufs Abitur.“

Ausprobieren und experimentieren

Für Marvin Kaletta ist Orgelspielen keine Last, sondern Freude. „Orgel ist mein Ding“, sagt er. „Da kann ich ausprobieren und experimentieren, wie sich ein und dieselbe Melodie mit unterschiedlicher Registrierung und Gestaltung anhört. Im Gegensatz zu allen anderen mechanischen Instrumenten kann ich bei der Orgel den Klang bis in die kleinsten Nuancen meinen Wünschen anpassen. Es macht mir Spaß, auszuprobieren, wo meine Grenzen sind, diese zu erweitern, mir neue Stücke zu erarbeiten – und dabei nicht immer nur am Notenblatt zu kleben, sondern auch zu improvisieren.“
 

Um zu üben oder sich auf die Gottesdienste im Dom vorzubereiten, sitzt Marvin Kaletta stundenlang an der Orgel in St. Magdalenen.

Inzwischen ist Marvin Kaletta längst aus dem Domsingknabenalter herausgewachsen, sang vier Jahre im Domchor mit und hat die D- und C-Prüfung für Kirchenmusiker abgelegt. „Das heißt, ich bin vollausgebildeter nebenamtlicher Kirchenmusiker und kann neben dem Orgelspiel auch Kirchenchöre leiten“, erklärt der junge Musikus. Doch nach einem eigenen Chor steht ihm nicht der Sinn. „Hier und da stehe ich aber schon mal vor Chören – sei es der Abi-Chor meines damaligen Jahrgangs oder Stimmgruppenproben mit dem Domchor.“

Glocken sind meine große Leidenschaft

Neben der Königin der Instrumente, wie die Orgel auch bezeichnet wird, hat Kaletta die Glocken für sich entdeckt. „Wenn die Orgel die Königin der Instrumente ist, dann ist für mich die Glocke die Kaiserin. Ihre extreme Klangdimension kann nichts toppen!“

Wenn Marvin über Glocken redet, gerät er ins Schwärmen. Gerade geht sein Freiwilliges Soziales Jahr zu Ende, das er ebenfalls in der Dommusik absolviert hat. Da durfte er auch den Glockensachverständigen Andreas Philipp begleiten. „So eine Ausbildung zum Glockensachverständigen möchte ich auf jeden Fall auch machen“, meint der Nachwuchsmusiker, der Anfang August das große Glockenkonzert mit den Domglocken ausgearbeitet und durchgeführt hat. „Beim Glockenkonzert war wichtig, dass ich vorher genau austestete, wie lange es vom Starten des Motors bis zum ersten Anschlagen der Glocke dauert, entsprechend auch vom Ausschalten des Motors bis zum letzten Schlag. Da braucht man fast so etwas wie einen Glockenfahrplan“, erklärt der Glockenexperte und muss unwillkürlich grinsen. Denn Fahrpläne beziehungsweise der öffentliche Nahverkehr sind Marvins zweite Leidenschaft. 

Doch studiert wird Verkehrsbetriebswirtschaft

Und dieses Hobby will er demnächst zu seinem Beruf machen. Ab dem kommenden Wintersemester wird er in Heilbronn Verkehrsbetriebswirtschaft studieren. Aber für Marvin steht fest: „Das Orgelspielen werde ich nicht liegen lassen!“ Wer weiß, vielleicht kann er sich damit auch ein bisschen fürs Studium dazu verdienen.

Edmund Deppe