07.12.2017

Neuer Glanz für das laufende Jesuskind

Lange war das silberne Antependium verschwunden. Was einst den Hochaltar des Hildesheimer Doms zierte, fristete sein Dasein in Magazinen des Dommuseums. Ab diesem Wochenende ist es in der Sonderausstellung „Barocke Pracht“ im Hildesheimer Dommuseum zu sehen.

Restaurator Uwe Schuchardt reinigt das silberne
Antependium und bringt es wieder zum
Glänzen. | Foto: Bauerfeld

Hildesheim. Restaurator Uwe Schuchardt legt letzte Hand an. Seit Monaten restauriert er das silberne Antependium für die neue Ausstellung im Dommuseum.

Doch wovon handelt das kostbare Stück? Die Krippe ist passé. Das Jesuskind hat Laufen gelernt. Maria und Josef halten es an den Händen, während es beschwingt voranschreitet. Aus dem Himmel schauen Gottvater und der Heilige Geist in Form einer Taube auf das freundliche Trio herab.

Die Heilige Familie bildet den Mittelpunkt des silbernen Antependiums Das Relief mit diversen dreidimensional dargestellten, frei modellierten biblischen Figuren stammt aus dem Jahr 1700.

Früher schmückte es den Hochaltar des Hildesheimer Doms und entging 1945 der Zerstörung der Bischofskirche. Seitdem fristete es, abgesehen von einer Ausstellung im Jahr 1998, ein weitgehend unbeachtetes Dasein im Magazin des Dommuseums. Doch das soll sich nun ändern.

Vom 9. Dezember 2017 bis zum 4. Februar 2018 ist das Antependium – so Dommuseumsdirektorin Dr. Claudia Höhl – „das Highlight“ der Sonderausstellung „Barocke Pracht – Silber aus dem Hildesheimer Dom“. Vollkommen zu Recht, wie Restaurator Schuchardt betont. „Das Kunstwerk hat schon eine sehr hohe Qualität“, sagt er und zeigt auf die Josef-Figur, auf der sich sogar die Adern der Hände abheben.

Letzte Reinigung war vor 67 Jahren

Er schätzt, dass etwa 40 Kilogramm Silber verwendet wurden, um das nur 0,8 bis 1 Millimeter dicke Kunstwerk herzustellen, das einen Meter hoch ist und in der Breite 3,20 Meter misst. Es entstand in der Werkstatt des Silberschmieds Johannes Dick aus Köln. Stifter war ein Domkapitular, der aus dem Rheinland nach Hildesheim gekommen war.

Das Antependium ist 1950 zuletzt gereinigt worden. Seitdem hat das Relief viel von seinem Glanz verloren. Dunkle Ränder sind entstanden, außerdem haben die damals verwendeten Putzmittel Spuren hinterlassen. Uwe Schuchardt hat rund 200 Stunden benötigt, um dem Exponat seine ursprüngliche Strahlkraft wiederzugeben.

Das Sozialmodell „Heilige Familie“

Der Verein für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim hat die Restaurierung mit einer Spende von 10 000 Euro möglich gemacht. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Claudia Höhl, „so können wir dieses tolle Kunstwerk endlich wieder einmal öffentlich zugänglich machen.“ Die Museumsdirektorin ist fasziniert von der Darstellung des laufenden Jesuskindes auf dem Antependium: „Das ist erst im 17. Jahrhundert zum Thema geworden. Durch die Charakterisierung von Jesus als Kind wird die Familie als ideales Sozialmodell, als Kern der Gesellschaft ins Zentrum gerückt.“

Volker Bauerfeld