03.11.2017

Das Martinsjahr 2016 brachte neue Impulse

Neues von Sankt Martin

Der heilige Martin erlebt eine Renaissance: Das Brauchtum rund um den beliebten Heiligen blüht nach dem Gedenkjahr 2016 auf.


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Statue des Heiligen Sankt Martin an der Kathedrale Sankt Peter in Regensburg
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In Frankreich ist das Erbe eines seiner größten Bischöfe über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Selbst in seiner Bischofsstadt Tours wird der durch Religionskriege und Französische Revolution zerrissene Faden gerade erst neu aufgenommen. In den vergangenen Jahren erlebt das Brauchtum um den heiligen Martin (316-397) nun eine gewisse Renaissance. Zu teilen, wie einst Martin seinen Soldatenmantel mit dem Bettler teilte - das soll nach dem Willen von Antoine Selosse, Leiter des Europäischen Kulturzentrums Saint Martin de Tours, wieder ein allgemein bekanntes Handlungsprinzip werden.

Die in Tours ansässige Organisation arbeitet eng mit Martinsinitiativen in anderen europäischen Ländern zusammen, bündelt Aktivitäten und fördert gemeinsame Ziele. Das Festjahr 2016 zum 1.700. Geburtstag des Heiligen habe dafür viele neue Impulse und Dynamiken gebracht, berichtet Selosse.

Eine kleine Geste, aber von hohem symbolischem Wert, ist etwa eine Spendensammlung für den Bau einer Martinsschule auf der Karibikinsel Saint-Martin, die von der jüngsten Hurrikan-Serie zerstört wurde. Beteiligt ist neben der Trommelgruppe Pan'nCo aus Tours auch die Martinssektion aus dem niederländischen Utrecht. Die Antillen-Insel Saint-Martin ist seit 1648 zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilt. Entdeckt wurde sie übrigens am Martinstag 1493 - von Christoph Kolumbus.

Ein Höhepunkt des Martinsjahres 2016 war eine europäische Martinsparade in Tours, ein Umzug internationaler Martinsgruppen mit Teilnehmern aus den elf Sektionen Slowenien, Lombardei, Venetien (beide Italien), Korsika (Frankreich), Kroatien, Ungarn, Niederlande, Deutschland, Belgien/Flandern, Luxemburg und Slowakei. Sie fand so großen Anklang, dass im Juli 2017 schon die zweite Auflage stattfand, mit 350 Teilnehmern. Die Parade 2018 wird dann schon eine Tradition.

 

2020 steht das nächste Großprojekt zum heiligen Martin an

Die französischen Martinswege erfahren 2017 und 2018 einige Erweiterungen, so etwa von Nantes nach Tours entlang der Loire. Auch auf Korsika wurde im Juni ein neuer Zweig eingeweiht; nicht weniger als 110 korsische Orte tragen den Namen des heiligen Martin. Der verrückteste Martinswanderer war wohl der niederländische Musiker Tjerk Ridder, der im Sommer über zwei Monate vom Pariser Martinsviertel bis nach Utrecht marschierte - zusammen mit seinem Esel Lodewijk.

Am Martinstag selbst, dem 11. November, wird in Tours die erste Martinskapelle des 21. Jahrhunderts geweiht. Erzbischof Bernard-Nicolas Aubertin gibt dem Gotteshaus des renommierten Architekten Jean-Marie Duthilleul für bis zu 500 Menschen seinen Segen.

Antoine Selosse, dem Event-Manager vom Martinszentrum in Tours, gehen unterdessen die Ideen nicht aus, um das geistige Erbe des Heiligen weiterzuverbreiten. Allein in Frankreich tragen 220 Städte und Gemeinden den Namen von Sankt Martin. Auf einer "Tour de France" mit dem Elektroauto will Selosse die schönsten und engagiertesten Martinskirchen und -gemeinden des Landes finden, um sie für 2020 als "France nach Tours" einzuladen; um ihnen "ihr Kulturerbe zurückzugeben", aber natürlich auch, um Martinsrezepte und -spezialitäten miteinander zu teilen. Aufladen, einladen, teilen; diese Begriffe fallen immer wieder, wenn Martinsmänner aus Europa miteinander sprechen.

Vor 2020 steht aber noch ein weiteres Großprojekt an. Seit 1918 ist der Martinstag (11. November) in Frankreich staatlicher Feiertag; an diesem Tag um elf Uhr trat der Waffenstillstand des Ersten Weltkriegs in Kraft. Diese Überlagerung war ein Sargnagel für die traditionelle Martinsverehrung - denn fortan standen ganz die Kriegsveteranen im Fokus.

Doch Selosse hat dafür schon einen ziemlich guten Plan. Der 11. November 2018, also der 100. Jahrestag des Waffenstillstands, fällt ausgerechnet auf einen Sonntag. An diesem Tag, so hofft er, sollen die Elf-Uhr-Glocken wieder für den Europäer Martin läuten - und nicht mehr nur für die alten Kameraden. Für diese Initiative träumt Selosse nicht nur von einem Friedenskonzert, das ein europäisches Jugendorchester im EU-Parlament in Straßburg spielen könnte. Er möchte auch elf symbolträchtige Martinsorte für gemeinsame Aktionen zusammenbringen.

Die Martinskathedrale im belgischen Ypern etwa, im Ersten Weltkrieg vollständig zerstört. Oder das französische Chaumont-devant-Damvillers, wo am 11. November 1918 um 10.59 Uhr der letzte Soldat des Krieges starb. Oder der Ardennen-Martinsort Dom-le-Mesnil bei Sedan an der Maas, wo das erste Te Deum nach Läuten des Waffenstillstands gesungen wurde. Die Martinskathedrale in Mainz; oder die Stadt Worms, wo der heilige Martin einst die römische Armee verließ. Die Suche für die elf Orte der "Martinsbotschaft 11. November" ist noch nicht abgeschlossen.

kna