22.08.2016

KiZ-Serie - Unterwegs im Bistum: Bleckede

Noch immer ein Grenzfluss

Von Schnakenburg im Südosten bis nach Cuxhaven bildet die Elbe die Grenze des Bistums Hildesheim. Getrennt hat sie die Menschen schon immer, nicht erst, als sie deutsch-deutsche Grenze wurde. Wie leben katholische Christen heute in den Randgebieten?

Viel Himmel, viel Grün. Die Uferlandschaft entlang der Elbe ist intakte Natur. Fotos: Stefan Branahl

Träge zieht der Fluss Richtung Norden. Auf dem Deich kämpfen sich Radfahrer gegen den Wind. Störche stelzen durch die Wiesen auf der Jagd nach Fröschen. Ein paar Kühe kauen vor sich hin, ein Trecker zieht seine Kreise. Das pralle Leben spielt sich woanders ab, jedenfalls nicht hier, in den Städtchen am Elbeufer, ob sie nun Hitzacker heißen oder Bleckede auf der linken oder Lauenburg oder Boizenburg oder gar Neuhaus auf der rechten Seite. Getrennt hat die Elbe hier schon immer, nicht erst nach dem Krieg, als sie die deutsch-deutsche Grenze markierte. Ein paar Fähren verbinden die Ufer, sehr selten gibt es eine Brücke.

„Gott segnet den Frommen“, hat der Erbauer dieses alten Hauses in Bleckede vor vielen Jahrzehnten in den Balken schnitzen lassen.

Bald legt sich wieder Melancholie über das Land

Bis zum Herbst ist es nicht mehr lang. Dann gibt es noch ein paar bunte Blätter und wenn die von den Bäumen gefallen sind, legt sich für lange Zeit eine Melancholie über das Land. „Die kann ich nur schwer ertragen“, sagt Lukas Jockel. Vor über 20 Jahren ist er von Hamburg nach Bleckede gezogen, hat als Allgemeinarzt eine Praxis übernommen und kennt nicht nur von daher die Menschen besser, als ihnen manchmal lieb ist. Im Detail verliert er darüber kein Wort. Aber dass mancher nicht nur in den langen Wintermonaten öfter zur Bierflasche greift, als seiner Leber guttut, weiß er sehr genau.

Natur pur entlang der Elbe – das heißt für den Alltag: Entweder arrangiere ich mich mit der Abgeschiedenheit oder nehme lange Wege in Kauf: nach Lüneburg oder bis nach Hamburg, stelle mich frühmorgens in den Stau und komme spät wieder nach Hause.

In Bleckede gibt es eine Handvoll Supermärkte und einen Baumarkt. Wo früher im Zentrum kleine Fachgeschäfte den Alltagsbedarf deckten, herrscht heute Leerstand. Ein paar Handwerksbetriebe konnten sich halten. Für Abwechslung sorgt das jährliche Schützenfest, immerhin das größte in Niedersachsen nach Hannover. Natürlich gibt es Arbeitslosigkeit. „Aber wer pfiffig ist, lebt hier immer noch besser als  in den Hochhaus-Siedlungen von Lüneburg-Kaltenmoor“, sagt Dr. Jockel.

Gemeinsam mit Reinhard Frömming (links) und Gisela Kotz blättert Dr. Lukas Jockel die neue Ausgabe des Pfarrbriefs durch. Die Gemeinde in Bleckede ist klein, aber recht aktiv.

„Der Zusammenhalt ist gut“

Er beobachtet und macht mit, auch in der kleinen Kirchengemeinde, nachdem er als durch und durch protestantisch geprägter Hamburger das katholische Leben hier kennengelernt und die Konfession gewechselt hat. „Der Zusammenhalt ist gut“, sagt er. Mit dem Fahrrad und dem Arztkoffer ist er unterwegs durch den Ort, macht Station an der Kirche in der Siedlung am Ortsrand, trifft die Frau des verstorbenen Küsters und den ehrenamtlichen Gartenhelfer, der das Kirchengelände pflegt. Zeit für eine Tasse Kaffee und einen kurzen Informationsaustausch ist immer. „Wenn wir in unserer Gemeinde etwas erreichen wollen, müssen wir selbst
aktiv werden“, sagen die drei. Und da passiert mehr als in mancher Stadtpfarrei  – vom Gemeindetreff nach dem Sonntagsgottesdienst bis hin zum kleinen, aber sehr aktiven Bolivienkreis, der bald die Kartoffeln aus dem Partnerland ernten kann. Schade nur, dass es nicht ein paar mehr junge katholische Familien gibt, wird bedauert. „Dann könnten wir noch ein bisschen mehr auf die Beine stellen.“

Stefan Branahl