Neues geistliches Lied ist nicht auf wenige Lieder im neuen Gotteslob beschränkt

Ohne Mappen geht es nicht

Mit ihnen zogen Schlagzeug und E-Gitarren in die Kirchen ein: Die „neuen geistlichen Lieder“ (NGL) veränderten die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten erheblich. Doch von neu kann eigentlich nicht mehr die Rede sein.

Große Jugendmessen wie die Chrisammesse im Dom sind für Bands nach wie vor eine gute Gelegenheit, um neuere  geistliche Lieder zu spielen. Fotos: Deppe 

Sie leben von der Stimmung, die sie erzeugen. Egal ob „Meine engen Grenzen“, „Dass du mich einstimmen lässt in deinen Jubel“ oder „Laudate omnes gentes“ – die neuen geistlichen Lieder motivieren zum Mitsingen. Sie sind meist geprägt von eingängigen Melodien mit Wiederholungen und wenig Text.

Doch wie lässt sich „NGL“ definieren? „Früher waren das die Lieder, die nicht im Gotteslob standen“, erklärt Johann Jonissek, der mit der Band „4 heaven’s sake“ unzählige Gottesdienste musikalisch mit diesen Liedern gestaltet hat. Mit der Einführung des neuen Gotteslobes ist es nicht mehr ganz so einfach, denn darin befinden sich auch Lieder, die dem „NGL“ zugerechnet werden. Charakteristisch für das neue geistliche Lied ist, dass sie einen religiösen Text beinhalten,  für den Gebrauch im Gottesdienst bestimmt und stilistisch durch die Popmusik – vom Jazz bis  Rock – beinflusst sind. Ausgelegt sind sie daher vor allem für Bands mit unterschiedlichen Instrumenten von Schlagzeug über Gitarre bis hin zum Keyboard.

In den 1970er und 80er Jahren waren es Komponisten wie Peter Janssens und Ludger Edelkötter, die mit ihren Liedern für einen kirchenmusikalischen Aufbruch sorgten. Gerade durch Akteure aus dem katholischen Bereich ist das NGL zu einer großen Bewegung geworden. Doch heute: „Im katholischen Bereich gibt es nicht viel Neues. Das meiste kommt mittlerweile aus den freikirchlichen Bereich“, sagt Jonissek. 

Dabei hat es lange gedauert, bis sich neue geistliche Lieder in den Gemeinden durchgesetzt haben. Zunächst wurden sie nur in Jugend- oder Familiengottesdiensten gespielt. Dazu wurden in vielen Gemeinden eigene Bands gegründet, die dann bei solchen Gottesdiensten zum Einsatz kamen. Die Lieder wurden für die jeweiligen Gottesdienste auf Liederzettel kopiert, später entstanden in den Gemeinden eigene Liedermappen.
 

Johann Jonissek hat auch selbst Lieder geschrieben.

Die immer stärkere Akzeptanz dieser Lieder hat sich ausgewirkt – unter anderem mit der Aufnahme in das neue Gotteslob. „Das ist allerdings nur eine beschränkte Auswahl“, sagt Jonissek. Und nicht die neueste, denn einige Lieder davon gab es schon vor 1975, als das vorherige Gotteslob neu erschien.

„Für das neue geistliche Lied war das nicht notwendig“, meint Jonissek und sieht auch Schwierigkeiten für die zukünftige Liedauswahl – wenn sich Gemeinden auf die im Gotteslob stehenden Lieder beschränken. Die Entwicklung aber ist weitergegangen.

Für andere Lieder aber ist im normalen Gemeindegottesdienst nur wenig Platz, befürchtet der engagierte Musiker. Die müssten eigens eingeübt werden – was von den Aktiven und einer entsprechenden Unterstützung abhängt. „Die Musik muss in der Gemeinde mitgetragen werden, sonst entsteht nichts Neues“, sagt Jonissek. 
Für neues geistliches Lied sind darum auch weiterhin besondere Aktionen und Gottesdienste von großer Bedeutung. Hier können Bands und Chöre auch andere Lieder einbringen und so das musikalische Leben weiter bereichern.  Jonissek ist sicher:  „Ohne Mappen oder Liederzettel werden Gemeinden auch in Zukunft nicht auskommen.“

Thomas Pohlmann