25.04.2016

Anfrage

Papst, Angelusgebet und "Ehre sei dem Vater"

Beim Angelus-Gebet aus dem Vatikan und anderen Gelegenheiten ist mir aufgefallen: Papst Franziskus betet das „Ehre sei dem Vater“ immer dreimal hintereinander. Hat das eine besondere Bedeutung? Hängt das mit der Dreifaltigkeit Gottes zusammen? A. K., 26871 Papenburg

Es gibt einige Gebete und Gebetsformen in der Kirche, die leben von der Wiederholung: Indem man ein Gebet immer wieder spricht, meditiert man es geradezu, vertieft es und kommt zur Ruhe. Das Rosenkranzgebet ist so ein Gebet.

Auch beim „Angelus“ – auf Deutsch beginnt es mit den Worten: „Der Engel (angelus) des Herrn brachte Maria die Botschaft“ –, das früher ein sehr verbreitetes Mittagsgebet war, ist die Wiederholung wichtig. Vorläufer des Gebets, das in seiner heutigen Form seit 1571 bekannt ist, war der tägliche „Gruß an Maria“. Papst Johannes XXII. ordnete 1318 an, dass beim Abendläuten die Gottesmutter kniend durch drei Ave Maria zu grüßen sei. Papst Calixt III. führte 1456 das tägliche Mittagsläuten ein, bei dem sich alle Christen im Gebet vereinen und mit drei Ave Maria und Vaterunser Gottes Schutz herabrufen sollten. Der heilige Ignatius bat im Jahr 1545, „dass man dreimal zum Ave Maria läute, nämlich am Morgen, am Mittag und am Abend“. Und in der jetzigen Form des „Angelus“ betet man innerhalb des Gebets auch dreimal ein „Gegrüßet seist du, Maria.“

Sicher ist Ihnen aufgefallen: Das „Dreimal“ kommt jedesmal vor. Drei: die Zahl der Vollkommenheit. „Aller guten Dinge sind drei“, sagt der Volksmund, und: „Da schlag ich drei Kreuze drüber.“ Im Märchen hat man drei Wünsche frei oder drei Prüfungen zu bestehen. In der griechischen Mythologie teilen sich die drei Götter Zeus, Poseidon und Hades die Herrschaft. Und im Christentum gibt es die Dreieinigkeit.

Papst Franzikus beendet das öffentliche Angelusgebet mit dem „Ehre sei dem Vater“. Das müsste nicht sein, denn es gehört nicht zwingend dazu, aber mit dem Lobpreis ein Gebet zu beenden, ist durchaus üblich. Dass Papst Franziskus es sogar dreimal betet, folgt keiner liturgischen Vorschrift und keiner theologischen Einsicht, sondern lehnt sich einfach an die geschilderte Tradition des „Dreimal-Betens“ an.

Von Susanne Haverkamp