06.04.2017

Franziskus erkennt Eheschließungen an

Piusbrüder danken Papst

Papst Franziskus kommt der von Rom getrennten Piusbruderschaft einen weiteren Schritt entgegen: Ortsbischöfe dürfen der traditionalistischen Gemeinschaft künftig Eheschließungsfeiern erlauben, die dann auch von der katholischen Kirche als legal anerkannt werden.


kna
Piusbrüder in Berlin feiern die Heilige Messe nach vorkonziliarem Ritus. Foto: kna

 

Wie schon bei der früher erteilten Beichtvollmacht gehe es um "das Ziel, die Priesterbruderschaft des heiligen Pius X. in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückzuführen", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben von Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller an die Bischofskonferenzen weltweit. Trotz der "derzeit objektiv andauernden kirchenrechtlichen Illegitimität der Piusbruderschaft" wolle Franziskus den Anhängern dieser Gemeinschaft in ihren Gewissensnöten entgegenkommen, so der Präfekt der Glaubenskongregation. Zugleich könne dies "manche Unsicherheiten in Bezug auf die Gültigkeit des Ehesakramentes" beseitigen und "zur vollen institutionellen Einigung beitragen".

Die Piusbrüder dankten Papst Franziskus für die Maßnahme. In einer Erklärung des Mutterhauses der Bruderschaft im schweizerischen Menzingen, ihre Priester wollten die Brautpaare auch künftig sorgfältig auf den die "Unauflöslichkeit ihrer Verbindung" im Stand der Ehe vorbereiten.

Piusbruder darf Ehewillen des Paares befragen

Die vatikanische Regelung sieht vor, dass "wann immer möglich" ein Diözesanpriester oder regulärer Priester den Ehewillen des Paares erfragt. Dieser Akt findet nach der alten Ordnung der Liturgie am Anfang der Messe statt. Die Brautmesse selbst wird dann von einem Priester der Bruderschaft zelebriert. Ausnahmsweise kann der zuständige Bischof die sogenannte Konsenserfragung auch dem Geistlichen der Piusbruderschaft erlauben. Dabei ist sicherzustellen, dass dieser die Trauungsdokumente zeitnah der Diözesankurie übermittelt.

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde 1969 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründet. Sie lehnt viele Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Die Konzilslehren hätten die Tradition der Kirche zerstört, so Lefebvre, der selbst als Ordensoberer am Konzil teilnahm. Die Piusbruderschaft sieht sich als Bewahrerin der Tradition der "Heiligen Römischen Kirche".

kna