03.08.2012

Bolivien: Einblick in das Partnerland

Reichtum wächst, Armut auch

Hildesheim/Cochabamba. Bolivien, das Partnerland des Bistums Hildesheim, ist eine Reise wert. Gleich zwei Delegationen sind zurzeit dort unterwegs. Der Anlass ist der gleiche: das Partnerschaftsjubiläum.

Zwischen Tradition und Moderne: Kaum ein Staat in Lateinamerika  hat sich in den vergangenen Jahren so sehr gewandelt wie Bolivien.  Foto: Wala
 

Seit 25 Jahren sind die Kirche von Bolivien und das Bistum Hildesheim verbunden. Vor allem direkte Kontakte zwischen Gemeinden, Verbänden, Schulen und Kindergärten sowie der Einsatz von jungen Leuten als Freiwillige im sozialen Dienst prägen die Partnerschaft.
Doch Partnerschaft heißt „sich füreinander zu interessieren, den anderen teilhaben an der eigenen Welt, sich mit ihm zu freuen und leiden“, wie im Gründungsjahr der damalige Hildesheimer Bischof Dr. Josef Homeyer herausstellte. So sind denn Begegnungsreisen von und nach Bolivien ein wesentlicher Bestandteil der Partnerschaft.

Zwei Delegationen in Bolivien unterwegs

32 Teilnehmer zählt eine Delegation aus dem Bistum Hildesheim, die bereits am 21. Juli ins Partnerland geflogen ist. Noch bis zum 11. August reisen sie durch Bolivien, besuchen Gemeinden und Einrichtungen – um die Lebensverhältnisse in Bolivien besser zu verstehen. Mit einer kleineren Delegation ist auch Bischof  Norbert Trelle unterwegs: Zu Gesprächen mit bolivianischen Bischöfen und auch zur Feier des 50-jährigen Priesterjubiläums von Kardinal Julio Terrazas. Der Vorsitzende der bolivianischen Bischofskonferenz ist auch einer der Gründerväter der Partnerschaft. Beide Delegationen treffen sich an diesem Wochenende, 4. und 5. August, in Cochabamba, um das silberne Jubiläum der Partnerschaft zu feiern.
Kaum ein Land in Lateinamerika hat sich in den letzten Jahren so grundlegend gewandelt. Das durchschnittliche jährliche Einkommen ist auf fast 2000 Dollar gestiegen, aber die soziale Spaltung ist nach wie vor groß. Vor allem zwischen Stadt und Land verbreitert sich die Kluft. Der Reichtum des Staates wächst. Nur ein Beispiel: Nach Berechnungen der katholischen Stiftung „Jubileo“ lagerten 2011 drei Milliarden US-Dollar auf den Konten der bolivianischen Bundesländer und der politischen Gemeinden.
Die Staatseinnahmen stammen vor allem aus dem Verkauf von Gas. Das Land verfügt über Südamerikas zweitgrößten Reserven der begehrten Ressource. Im Mai 2006 hat Staatspräsident Evo Morales die Erdgasindustrie verstaatlicht – mit dem Versprechen, dass der wichtigste Rohstoff des Landes dem bolivianischen Volk zugute kommen müsse.
Gleichzeitig leidet Bolivien wie kein anderes Land in Lateinamerika unter den Folgen des weltweiten Klimawandels. Die Anden-Gletscher schmelzen, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist gefährdet, regelmäßige Überschwemmungen zerstören die Ernten und machen Zehntausende heimatlos. Die Armut wächst.
Hinzu kommen die politischen Umwälzungen, seit 2005 mit Evo Morales erstmals ein indigener Präsident gewählt wurde. Er und seine mit absoluter Mehrheit regierende Partei „Movimiento al Socialismo“ (MAS – „Bewegung zum Sozialismus“) machten aus Bolivien durch eine neue Verfassung „einen plurinationalen, säkularen Staat“. Den indigenen Völkern wurden besondere Rechte eingeräumt, Schlüsselindus­trien verstaatlicht.

Konflikte zwischen Regierung und Kirche

Das führt wiederholt zu Konflikten – mit den Bundesländern, in denen beispielsweise Gas gefördert wird. 2008 wurde im Bundesland Pando sogar der Ausnahmezustand verhängt.
Auch das Verhältnis zwischen Regierung und Kirche verschärft sich zusehends. Vizepräsident Alvaro Garcia wirft den Bischöfen vor, die Bildung einer Oppositionsbewegung gegen Morales zu unterstützen: Als geistliche Institution solle sie sich parteipolitisch zurückhalten. Die Bischöfe rufen dagegen zu einem Weg des Dialogs auf – auch über die gerechte Verteilung der Staatseinnahmen.

 

Zur Sache: 25 Jahre Partnerschaft mit Bolivien

20. September 1987: Ein Handschlag zwischen Bischof Dr. Josef Homeyer und dem heutigen Kardinal Julio Terrazas besiegelt den Beginn der Partnerschaft zwischen der Kirche von Bolivien und dem Bistum Hildesheim. Das Ziel: Ohne einen Unterschied zwischen der Kultur, der Sprache oder den Völkern zu machen, einen gemeinsamen Weg als Schwestern und Brüder in Jesus Christus gehen. Das wird gefeiert – jetzt am 4. und 5. August in Bolivien und am 29. September in Hildesheim. In der Bischofsstadt wird der Tag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Basilika St. Godehard eröffnet. Anschließend führt eine Prozession ins Schulzentrum nach Ochtersum. Dort erwartet die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, zahlreiche Aktionen für Kinder und eine „Fiesta Boliviana“.

Rüdiger Wala