03.01.2013

KirchenZeitung vor 50 Jahren

Rückblick auf Beginn und 1. Sitzungsperiode des Konzils

In der Doppelausgabe der KirchenZeitung Weihnachten 1962/Neujahr 1963 fasst Pastor Winfried Henze, Redakteur der KirchenZeitung, den Beginn und die 1. Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils zusammen.

 

 

 

 

Norddeutsches Treffen am Rande des Konzils: (v. l.) der Hildesheimer Weihbischof Heinrich Pachowiak, der Osnabrücker Bischof Dr. Hermann Wittler und der Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen. Foto: Archiv
Norddeutsches Treffen am Rande des Konzils: (v. l.) der
Hildesheimer Weihbischof Heinrich Pachowiak, der
Osnabrücker Bischof Dr. Hermann Wittler und der
Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen. Foto: Archiv

Für uns Katholiken wurde das Thema des Jahres am Weihnachtsfest 1961 intoniert: Papst Johannes XXIII. erließ die Einberufungsbulle zum II. Vatikanischen Konzil.  Blättert man den Jahrgang 1962 der KirchenZeitung durch, so findet man das Thema immer wieder. Es steigert sich, es gewinnt neue Formen und Kombinationen hinzu, es wird zu einer großen Symphonie, nicht ohne Paukenschläge.

Im Januar regte Pater Lombardi einige Reformen in der Kirche an. Nicht einmal den Vatikan nahm er von seinen Ideen aus. Es gab einigen Wirbel darum, Aufregung, Ärger. Würde das jetzt – ein Jahr später – auch noch so sein? Die Antwort auf diese Frage macht uns die Strecke Weges sichtbar, die die Kirche seitdem zurückgelegt hat. Eine beträchtliche Strecke, wie wir meinen. Niemand findet heute (auch weitgehende) Reformvorschläge mehr schockierend. Der Papst selber forderte sie mehr als einmal heraus. Er lieferte auch Beispiele dafür, dass man alte Zöpfe abschneiden kann (Reform der suburbikarischen Bis­tümer, April 962).

Folgerichtig lief die Konzilsvorbereitung ab. Im Mai trat der vorbereitende Hauptausschuss zu seiner sechsten Sitzungsperiode zusammen. Im Juni konnte konstatiert werden: Das Konzil ist vorbereitet. Alle Entwürfe liegen für die Beratung bereit. Im September ernannte der Papst den Konzilsvorstand, bald darauf die Konzilstheologen. Die Satzung der Kirchenversammlung wurde verkündet. Am 11. Oktober erlebte die Welt das einmalige Schauspiel der Eröffnung. Eine bange Hoffnung erfüllte sich: Auch Bischöfe der Ostblockländer (vor allem Polens) waren zugegen.

Nichtkatholische Kirchen aus aller Welt entsandten ihre Beob­achter zum Konzil. Die Evangelische Kirche Deutschlands beauftragte mit diesem Amt den Heidelberger Professor Dr. Schlink (März 1962). Eine große Hoffnung Kardinal Beas hat sich bis zur Stunde noch nicht erfüllt: Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel ist noch nicht durch Beobachter auf dem Konzil vertreten. Die Russen aber kamen.

Die Theologie der Kirche ist weltweit geworden. Sie greift Gedanken auf, die außerhalb der katholischen Kirche gewachsen sind und stellt sich der Gegenwart. Sie gewinnt an Tiefe. Auch Theologen, die von manchen als allzu fortschrittliche Außenseiter angesehen wurden, werden als Konzilssachverständige berufen: De Lubac, Congar, Rahner, Küng. Der Papst selbst beendet durch seine Reise nach Loreto und Assisi die Epoche des „Gefangenen im Vatikan“ (Oktober 1962, kurz vor der Konzilseröffnung).