24.01.2014

Fussballfan sammelt per Fahrrad Spenden für Braunschweiger Familienzentrum

Schnapsidee für den guten Zweck

Ob er sich über diese ,Schnapsidee’ geärgert hat? „Jedesmal“, sagt Christian Schlums. Trotzdem schwingt er sich auf das Fahrrad. Für insgesamt 5800 Kilometer. Für Eintracht Braunschweig und für den guten Zweck.

Auftakt vor dem Familienzentrum St. Bernward: Christian Schlums macht sich auf den Weg nach Dortmund. Per Fahrrad. Die erste von 17 Touren. Foto: privat

Der Wetterbericht verspricht für die Region Bremen an diesem Sonntag, 26. Januar, nichts Gutes: Temperaturen um den Gefrierpunkt, leichter Schneefall. Zumindest mit 50-prozentigem Risiko. Nicht ideal fürs Fahrradfahren. Aber Christian Schlumps wird trotzdem auf dem Drahtesel unterwegs sein. 190 Kilometer von Salzgitter nach Bremen. Als Tagestour für ein Fussballspiel. Und um Spenden für das katholische Familienzentrum St. Bernward in Salzgitter zu sammeln.

Hannover und Wolfsburg: Zu kurz für das Fahrrad

Der 50-Jährige ist eingeschworener Fan des Bundesligisten Eintracht Braunschweig. Und wie das so ist: Im Fanblock entstehen Ideen. Zum Beispiel in der letzten Saison, als der Verein noch in Liga Zwo spielte. „Es war beim Spiel Braunschweig gegen Duisburg“, erinnert sich der Umweltingenieur, der im Bundesamt für Strahlenschutz arbeitet. Zur Halbzeitpause stand sein Verein auf Platz 1. Für einen Fan ein tolles Gefühl – und Anlass für Überschwang. „Steigt Braunschweig auf, dann fahre ich zu jedem Auswärtsspiel mit dem Fahrrad“, versprach er seinen Kumpels. Nur die Strecken nach Hannover und Wolfsburg seien zu kurz. Da wolle er laufen.

Ein Scherz – mit Folgen: Nach dem Aufstieg gab es kein Zurück. Schließlich ist der zweifache Familienvater ein leidenschaftlicher Triathlet – und dazu gehört neben Schwimmen auch Laufen und Radfahren.

Aber nur für den Spaß – oder den Muskelkater – sollten die Fahrten mit einer Einzellänge von bis zu 620 Kilometern (Freiburg) nicht sein. Sondern auch für einen guten Zweck. Da kam ihm sein Sohn Lennard zu Hilfe. Der Sechsjährige besucht den Hort des Familienzentrums St. Bernward in Schlumps Heimatort Salzgitter-Thiede. „Er war vorher auch dort im Kindergarten, von daher weiß ich, welche hervorragende Arbeit dort geleistet wird.“

Aber Schlums weiß auch um manchen Finanzierungsengpass: „Ich habe da schon mitgekriegt, dass es oftmals heißt: Gute Idee, aber wie kriegen wir das bezahlt?“ Der Regelbetrieb läuft zwar über öffentliche wie kirchliche Gelder und Elternbeiträge. Aber alles, was darüber hinausgeht, muss über Spenden laufen.

Pizza und Cola gegen Entkräftung

Christian Schlums rechnete aus: 17 Auswärtsspiele macht insgesamt gut 5800 Kilometer. Pro Kilometer einen Euro – damit könne das Familienzentrum schon etwas anfangen. So suchte  Schlums Kilometerpaten: „Und ich suche immer noch Spender!“

Acht Touren hat er bereits hinter sich – darunter zweimal über 500 Kilometer nach München und nach Augsburg. Drei Tage war er jeweils unterwegs. Gleitzeit im Bundesamt und Urlaub machen es möglich. Mit Pannen, mit Regen („Immer – sogar im August“) und Hunger: Auf der ersten Tour nach Dortmund stieg der erfahrene Radfahrer (unter anderem Touren in den Anden) nach knapp 100 Kilometern entkräftet ab. „Übermotiviert“, sagt Schlums. Eine Pizza und ein Liter Cola im einem Restaurant an der Strecke halfen.

Und was sagt Ehefrau Carola zu der Aktion? „Wir haben verhandelt“, berichtet Schlums. Ergebnis: kein Besuch der Heimspiele. Bitter für Schlums. Aber keine Regel ohne Ausnahme: Ein Heimspiel konnte er besuchen. Gut für die Fan-Seele.

Übrigens: Sollte der Schneefall erst nach dem Spiel Werder Bremen gegen Eintracht Braunschweig (Anpfiff Sonntag, 15.30 Uhr) einsetzen, hat Schlums Glück: Zurück kommt er per Fanbus oder Sonderzug.

Rüdiger Wala

 

E-Mail-Kontakt für Spenden: Mit-dem-Fahrrad-durch-die-Liga@freenet.de