11.10.2013

KirchenZeitung vor 50 Jahren

Straffere Leitung bringt Ergebnisse

Der zweite Sitzungsabschnitt des Konzils brachte gleich in der ersten Woche Anfang Oktober 1963 greifbare Ergebnisse – wie die KirchenZeitung in ihrer Ausgabe 41 vom 13. Oktober 1963 berichtet. 

Die Vorlage „Über die Kirche“ wurde grundsätzlich gebilligt, so daß die Bischöfe nunmehr in die Diskussion der einzelnen Punkte eintreten konnten. Dieses schnelle Ergebnis hat zwei Ursachen: eine straffere Leitung der Diskussion und eine gründliche Neufassung der Vorlage vor dem Beginn der zweiten Konzilsphase. Die Aussprache der Konzilsväter führte bereits zu lebhaften Auseinandersetzungen. (…)

Die Sitzungen werden jetzt von den vier Moderatoren geleitet, die sich täglich in dieser Aufgabe ablösen. Papst Paul hat in den Kardinälen Agagianian, Lercaro, Suenens und Döpfner vier energische Männer für dieses Amt bestimmt, die das Heft fest in der Hand behalten
Die Sitzungen werden jetzt von vier Moderatoren geleitet,
die sich täglich in dieser Aufgabe ablösen. Papst Paul hat in
den Kardinälen Agagianian, Lercaro, Suenens und Döpfner
vier energische Männer für dieses Amt bestimmt, die das
Heft fest in der Hand behalten. Foto: Archiv

Die Neufassung hat die Mehrheit der Konzilsväter offenbar grundsätzlich zufriedengestellt. Schon am dritten Sitzungstag nahm man das Schema als Diskussionsgrundlage gegen nur wenige Stimmen an. Ein Ergebnis, zu dem man in der vorigen Sitzungsperiode (bei der Liturgie-Vorlage) immerhin einige Wochen gebraucht hat.

Grund für diese rasche Arbeit ist zunächst eine wesentliche Verbesserung der Geschäftsordnung. Die Sitzungen werden jetzt von den vier Moderatoren geleitet, die sich täglich in dieser Aufgabe ablösen. Papst Paul hat in den Kardinälen Agagianian, Lercaro, Suenens und Döpfner vier energische Männer für dieses Amt bestimmt, die das Heft fest in der Hand behalten.(…) Der zwölfköpfige Konzilsvorstand tritt ihnen gegenüber in seiner Bedeutung zurück. (…)

Auch die Konzilsväter selbst haben zur Beschleunigung des Verfahrens beigetragen. Das Beispiel von Kardinal Frings, der gleich als erster Redner „im Namen von 66 Bischöfen“ sprach, hat Schule gemacht.

Das Thema, um das es bisher ging, ist zunächst wissen­schaft­lich-theo­lo­­gisch. Es soll das Wesen der Kirche näher bestimmt werden. Während man die Kirche bisher oft nur recht oberflächlich als Organisation betrachtete, die den Menschen zur ewigen Seligkeit führen soll, möchte man nun ihr inneres Wesen deutlicher machen, damit ihre verborgene Schönheit auch den Nichtkatholiken deutlicher wird. So ringt man jetzt um Begriffe wie „Reich Gottes“, „Familie der Kinder Gottes“, „geheimnisvoller Leib Christi“, „Volk Gottes“. Man spricht von der Kirche als dem „Ursakrament“, dem heilswirksamen Zeichen Gottes unter den Menschen, der Wurzel der gnadenspendenden sieben Sakramente. Gegen diese, hauptsächlich von  der neueren französischen und deutschen Theologie entwickelten Gedanken erhob sich von konservativen Kräften reger Widerspruch.

Ähnliche Fronten bildeten sich, als über das Verhältnis von Papst und Bischö­fen gesprochen wurde.
Eine lebhafte Ausssprache gab es auch über die Frage, ob es in Zukunft verheiratete Diakone als eigenen Stand neben den Pries­tern geben sollte. Viele Sprecher wandten sich jedoch gegen ein erneuertes selbstständiges Diakonat.