20.05.2014

Terminfragen: Palmsonntag und Christi Himmelfahrt

Woher weiß man, an welchen genauen Terminen Palmsonntag und die Himmelfahrt Christi waren? W. S., Dresden

Die genauen Termine wissen wir nicht. Zudem handelt es sich um zwei Ereignisse sehr unterschiedlicher Art: Der Einzug Jesu nach Jerusalem hat historisch stattgefunden. Die sogenannte Himmelfahrt Christi ist ein Ereignis, das sich historisch kaum fassen lässt. Sie gibt eine Glaubenserfahrung mit dem auferstandenen Christus wieder.

Jesus muss zusammen mit vielen anderen Pilgern nach Jerusalem gekommen sein, also in den Tagen vor dem Pessachfest. Das waren nach unserem heutigen Kalender vermutlich die letzten März- oder ersten Apriltage des Jahres 30. Als Jesus nach Jerusalem kam, richteten Menschen große Erwartungen an ihn. Andererseits wollte er selbst seine Botschaft und die Bedeutung seiner Person noch einmal verdeutlichen: Deshalb zog er von Osten in die Stadt; von dort wurde der Messias erwartet.

Dass er ein Transporttier requirieren lässt, zudem eines, auf dem noch niemand gesessen hat, entspricht dem Recht antiker Könige. Dass er aber einen Esel nimmt, erinnert an den Propheten Sacharja, der einen einfachen, friedliebenden Herrscher prophezeite. Trotzdem wird Jesus missverstanden und endet am Kreuz.

Die Himmelfahrt Jesu hingegen, von der Lukas am Ende seines Evangeliums und zu Beginn seiner Apostelgeschichte erzählt, besagen vor allem zweierlei: 1. Die Erscheinungen des Auferstandenen hörten irgendwann auf. 2. Indem Gott ihn auferweckt hat, hat er ihn vollends zu sich genommen und ihm die gleiche Macht gegeben.

Dass wir diese endgültige Erhöhung Jesu 40 Tage nach Ostern feiern, geht auf die Bemerkung des Lukas in der Apostelgeschichte zurück. „Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen …“ (Apg 1,3); doch ist diese Zeitangabe symbolisch zu verstehen. Sie steht für Zeiten der Prüfung, Bewährung und Vollendung: 40 Tage für Einzelpersonen wie Jesus in der Wüste oder eben vor der Himmelfahrt, 40 Jahre für Vöker wie Israel in der Wüste, bevor sie das „Gelobte Land“ in Besitz nahmen.

Von Roland Juchem