23.03.2017

Appelle gegen die Angst

Trauer um die Opfer von London

Mindestens vier Menschen getötet und 40 weitere verletzt: Nach dem Anschlag in London bekunden Religionsvertreter wie Papst Franziskus ihre Trauer.


Der Anschlag geschah im Regierungsviertel der englischen Hauptstadt, Westminster. Foto: kna

 

Religionsvertreter haben ihre Trauer um die Opfer des Terroranschlags im Londoner Regierungsviertel bekundet. Papst Franziskus zeigte sich in einem am Donnerstag veröffentlichten Telegramm an den Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, tief betrübt über die Toten und Verletzten. Er bete für sie und ihre Familien, schreibt der Papst. Nichols ist Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales. Der Papst stehe der Nation in seinen Gebeten bei und bitte um göttliche Stärkung und Frieden für die trauernden Familien, so das von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnete Schreiben. Kardinal Nichols und die Bischofskonferenz von England und Wales riefen zum Gebet für die Opfer auf.

Bei dem Anschlag am Mittwochnachmittag wurden laut Medienberichten mindestens vier Menschen getötet und rund 40 Personen verletzt, darunter ein Deutscher. Der Attentäter wurde während des Polizeieinsatzes erschossen. Die Ermittler gehen den Berichten zufolge von einem islamistischen Terrorakt aus. Bisher sollen acht Verdächtige festgenommen worden sein.

"Keep calm and carry on" – Ruhig bleiben und weiter machen

Der Londoner katholische Diakon Stephan Arnold warb unterdessen dafür, sich von Terroristen nicht unterkriegen zu lassen. «Ich werde auch weiterhin in die Stadt fahren und sicherlich auch demnächst wieder über die Westminster Bridge gehen und auf Big Ben zulaufen», sagte der Diakon der deutschsprachigen Gemeinde Sankt Bonifatius dem Kölner domradio. «Ich glaube, man muss einfach versuchen, das Leben so weiter zu leben wie immer. Sonst haben die Terroristen schon gewonnen.» Ähnlich äußerte sich der Angstforscher Borwin Bandelow. Die Einstellung der Briten «Keep calm and carry on» (dt. Bleib ruhig und mach weiter) sei «genau die richtige Strategie», sagte er im SWR. «Man muss sich natürlich vor Augen halten, dass das zwar ein schrecklicher Anschlag war, aber dass die Gefahr für jeden Einzelnen von uns, Opfer eines Anschlags zu werden, relativ gering ist.» Der Psychiater riet dazu, sich weiter «mit einem gewissen Fatalismus auf belebten Plätzen aufzuhalten ». Dies hätten die Bewohner von Städten wie London oder Paris, in denen immer wieder Anschläge passierten, als die langfristig beste Strategie erkannt.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, erklärte, derartige Taten erinnerten an die Verletzlichkeit der offenen Gesellschaft. «Aber sie versetzen uns nicht in Angst, nicht in Verunsicherung und schon gar nicht in Starre», sagte sie in München. Vielmehr rücke die Gesellschaft enger zusammen, so die Beauftragte für Holocaust-Gedenken des World Jewish Congress.

(kna)