21.02.2014

Dekanat Goslar-Salzgitter

Über ungehobene Schätze

Eine schwierige Vergangenheit, ein paar Fragezeichen in der Gegenwart, aber viel Hoffnung für die Zukunft: Das spiegelt die Momentaufnahme des Dekanates Goslar-Salzgitter wider.

Wer was nimmt, legt was anderes rein. Eine Tauschbörse in Herzform beim ersten Dekanatstag Goslar-Salzgitter im Kloster Grauhof. Kleine Schätze gab es dabei zu entdecken – wie im gesamten Dekanat. Foto: Marco Koch

Manchmal ist alles eine Sache der Perspektive. Vieles im Dekanat Goslar-Salzgitter kann so oder so gesehen werden: Da sind gleich mehrere Kirchen in kurzer Zeit profaniert worden und abgerissen oder stehen ungenutzt in der Landschaft herum. Im einem Teil, im Ex-Dekanat Goslar, trat unter Protest ein Kirchenvorstand fast geschlossen zurück. 

Und in Salzgitter? Die Wunden durch den jahrelangen Missbrauch eines Pfarrers an drei kleinen Jungen sind auch durch Verhaftung, Prozess und Gefängnisstrafe noch lange nicht verheilt.

„So betrachtet, war die Situation eher demoralisierend“, sagt Dechant Pater Ernst-Willi Paulus. Der Redemptorist hat in den betroffenen Gemeinden gewissermaßen die Scherben aufgelesen: „Es gibt noch viele Verletzungen.“

Durch Synode ausgetretene Kirchenwege verlassen

Aber der Blick auf das Dekanat zeigt auch anderes: Im Pastoralen Raum Nordharz wurden mutig durch eine Synode ausgetretene Kirchenwege verlassen. Eine Pastoralkonferenz wurde gegründet, die Pfarreien und Kirchorte inhaltlich verbinden will – durch zurzeit acht Arbeitskreise: von Kinder über Krankenhausseelsorge bis zu „Missionarisch Kirche sein“. Ein Experiment für das ganze Bistum. Mit Höhen und Tiefen.

Auch in Salzgitter wurde und wird vieles versucht: Vor allem die Kindergärten und die Familiebildungsstätte wirken auch politisch in die Stadt hinein (siehe unten). Dazu Sozialprojekte wie eine Wärmestube für Obdachlose, Glaubenskurse oder eine intensivere Taufvorbereitung.

„So gesehen, ist jetzt endlich eine gute Grundlage gelegt, die Gemeinden weiterzuentwickeln und so auch als Dekanat zusammenzuwachsen“, meint Pater Paulus. Denn einen gewichtigen Unterschied gibt es bei den beiden Blicken auf das Dekanat: Der eher demoralisierende richtet sich in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft.

Ein Beispiel: Vor einem guten halben Jahr sind über 300 Katholikinnen und Katholiken beim ersten Begegnungstag des Dekanates im Kloster Grauhof zusammengekommen: mit Projektvorstellungen im Halbstunden-Takt, besonderen Herausforderungen für Ministranten und einer feierlichen Messe in der ehrwürdigen Stiftskirche St. Georg. „Dieses ehemalige Augustinerkloster könnte für uns das geistliche Zentrum des Dekanates werden“, sagt auch der Pastoralreferent des Dekanates, Torsten Sander.

Ein paar Fragezeichen gibt es in der Gegenwart. „Wir wollen unser Modell des pastoralen Raumes in der Kirche Nordharz mal grundlegend überprüfen“, erläutert Miriam Albers. Sie ist Mitglied der Pastoralkonferenz und Vertreterin des Dekanates im Diözesanrat der Katholiken.

Altes würdigen, Neues entwickeln

Geplant ist ein „Seh-Jahr“. Wieder geht es um Blicke. „Zum einen wollen wir in den Blick nehmen, welche Veranstaltungen und Projekte nach wie vor Bestand haben“, sagt Miriam Albers. Es gehe darum Altes zu würdigen und Neues zu entwickeln. Zum anderen richte sich Blick aber auch auf die, die zwar Kirchensteuer zahlen, aber in der Kirche noch keine Rolle spielen: „Wie können wir mit ihnen den Dialog suchen, welche Sehnsüchte haben sie“, listet Miriam Alber die Leitfragen auf.

Dafür wollen sich die Gemeinden im Teildekanat Goslar ein Jahr lang Zeit nehmen – und möglicherweise auch die Gremienwahlen im Herbst verschieben: „Das würde uns die Luft für eine intensive Diskussion geben.“

Eine weitere Herausforderung: die lokale Kirchenentwicklung. Es gibt sowohl in der Jugendarbeit als auch an einzelnen Kirchorten viele Initiativen“, erläutert Torsten Sander. Zum Beispiel „Find dein Ding“ –  eine Aktion, die sich mit Gottesdiensten, Wallfahrten und Aktionstagen an Jugendliche im Dekanat wendet. Aber die Zerfaserung der Kirchorte in Salzgitter mache es schwierig, gemeinsame Projekte zu stemmen. So schaue man eher auf die Stärken der Kirchorte: „Es gibt da so viele ungehobene Schätze“, sagt Dechant Pater Paulus.  

Ganz stark im Dekanat sind auch die beiden Caritasverbände – nicht nur in den klassischen Beratungsabgeboten. Sie rücken die in den Mittelpunkt, die sonst eher am Rande stehen. In Salzgitter beispielsweise mit einem Zent­rum in einem sozialen Brennpunkt und zwei Fairkaufhäusern.

Die Caritas Goslar hat sich zusammen mit den Gemeinden der Frage „Armut auf dem Lande“ angenommen. Dabei geht es nicht nur um fehlendes Geld, sondern auch um den Mangel an sozialen und kulturellen Möglichkeiten. Hier kann ehrenamtlich viel bewirkt werden.

Rüdiger Wala

 

Größe

Seit gut sieben Jahren besteht formal das Dekanat Goslar-Salzgitter. Zum einen umfasst es die nördlichen Teile des Landkreises Goslar einschließlich der Stadt. Zum anderen gehört die Stadt Salzgitter dazu, die scherzhaft als eine der größten Städte Deutschlands gilt – nicht von der Einwohnerzahl, sondern von der Fläche her. Salzgitter verteilt sich auf 31 Stadtteile. Der Kirchort St. Clemens in Schladen gehört zum Landkreis Wolfenbüttel. Das Dekanat ist so gut 1000 Quadratkilometer groß – in etwa wie die Insel Rügen.

Gemeinden

Insgesamt leben im Dekanat Goslar-Salzgitter 30039 Katholikinnen und Katholiken. Sie verteilen sich auf sieben Pfarreien mit insgesamt 23 Kirchorten:

Bad Harzburg, Liebfrauen (mit Vienenburg, Hl. Familie, Wiedelah, Mariä Himmelfahrt, Wöltingerode, Mariä Himmelfahrt und Bündheim, St. Gregor VII.): 3198 Katholiken.
Goslar, St. Jakobus der Ältere (mit Goslar-Jürgenohl, St. Benno, Goslar-Grauhof, St. Georg und Goslar-Oker, St. Konrad): 5494 Katholiken.
Liebenburg, St. Mariä Verkündigung (mit Langelsheim, Herz Mariä, Hornburg, St. Clemens, Othfresen, St. Joseph und Schladen, St. Marien): 2425 Katholiken.
Salzgitter-Lebenstedt, St. Joseph (mit Salzgitter-Lebenstedt, St. Michael): 5762 Katholiken.
Salzgitter-Lebenstedt, St. Maximilian M. Kolbe: 3292 Katholiken.
Salzgitter-Thiede, St. Bernward (mit Salzgitter-Hallendorf, Heilig Geist): 2702 Katholiken.
Salzgitter-Bad, St. Marien (mit Salzgitter-Bad, Christ König, Salzgitter-Ringelheim, St. Abdon und Sennen und Salzgitter-Gebhardshagen, St. Gabriel): 7166 Katholiken
(Stand Februar 2014)
 

 

Einrichtungen

Kindertagesstätten – insgesamt gibt es elf Kitas:  St. Josef (Wiedelah), St. Jakobi und St. Michael (beide Goslar), St. Hedwig, St. Elisabeth, St. Joseph und Pusteblume (alle Salzgitter-Lebenstedt), St. Bernward (Salzgitter-Thiede), Christ König (Salzgitter-Bad) und St. Gabriel (Salzgitter-Gebhardshagen). Alle Kitas sind in Trägerschaft der jeweiligen Pfarrgemeinde. Als 11. Einrichtung kommt der sonderpädagogische Kindergarten Arche Noah dazu (Salzgitter-Gehardshagen, Träger ist die Caritas Salzgitter).

Mit St. Michael (Salzgitter-Lebenstedt) und der Worthschule (Goslar) gibt es zwei Angebotsschulen für katholische Schülerinnen und Schüler im Dekanat.

Für die Caritas sind gleich zwei Ortsverbände zuständig:
der Caritasverband für die Stadt Salzgitter, zu dem auch eine Sozialstation gehört.
und das Caritasbüro für Stadt und Landkreis Goslar (zuständig für Braunlage).

Auch die Katholische Erwachsenenbildung hat noch zwei Bildungswerke: eines für das Alt-Dekanat Salzgitter und eines für das Alt-Dekanat Goslar.

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung hat gerade eine Außenstelle in Goslar eröffnet.

Das Elisabeth-Krankenhaus in Salzgitter-Lebenstedt verfügt über 123 Betten mit den Fachabteilungen Innere Medizin, Allgemein-, Gefäß- und Unfallchirurgie, Orthopädie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie einer Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin.

45 Plätze für alte Menschen bietet das Alten- und Pflegeheim Maria im Tann in Salzgitter-Gebhardshagen.

 

Besonderes

Die Katholische Familienbildungsstätte Salzgitter ist mit Außenstellen und Angeboten im gesamten Dekanat vertreten.

Die Akademie des Bistums Hildeshein, das St. Jakobushaus, hat ihren Sitz in Goslar.

Das Judith-Heim in Salzgitter-Ringelheim bietet ver­schiedene Betreuungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen an.

Im gesamten Dekanat, aber auch darüber hinaus sind die fünf Patres des Redemptoristenklosters in Salzgitter-Thiede tätig.

Mehr Infos zum Dekanat gibt es auf www.dekanat-goslar-salzgitter.de und www.katholische-kirche-nordharz.de