02.10.2017

Anfrage

Warum heißt der Rosenkranz Rosenkranz?

Ich als Nichtkatholik wüsste gern mehr über den Rosenkranz: Wieso heißt er so? Weshalb betet man ihn? Wie ist er entstanden? Warum trägt man ihn bei sich? H. J. J., Berlin


Der Rosenkranz verdankt seinen Namen dem lateinischen Begriff für Rosengarten, „rosarium“. Seit dem Hochmittelalter bezeichnet man so Sammlungen poetischer Texte oder Gebete. Außerdem bezeichnet „rosarium“ den Rosenkranz im Wortsinn, also eine Krone aus Blüten, mit dem Gläubige Marienstatuen geschmückt haben. Die Rose gilt traditionell als Blume Mariens.

Ab dem 13. Jahrhundert wächst im Volk die Marienverehrung. Es entstehen gereimte Grußgebete, deren Strophen oft mit Ave beginnen; das „Gegrüßet seist du, Maria“ wird zum bekanntesten Gebet. Gleichzeitig überträgt man den aus dem frühen Mönchtum stammenden Brauch, ein Gebet oft meditativ zu wiederholen, auf das Mariengebet. Die als Zählgerät verwendete Perlenschnur – im Islam, Buddhismus und Hinduismus längst verbreitet – wird als Rosenkranz bezeichnet.

Erstmals verbindlich regelt Papst Pius V. im Jahre 1569 die Form des Rosenkranzgebets. Dafür berief er sich auf die Modelle deutscher Geistlicher. Das Rosenkranzfest am 7. Oktober erinnert an den Sieg über die Türken in der Schlacht von Lepanto 1571; damals beten Bruderschaften ihn erfolgreich während des Kampfes.

Anfangs umfasste das Gebet 150 Ave-Maria und 15 Christus-Geheimnisse; heute gibt es vier Fünfergruppen von freudenreichen, glorreichen, lichtreichen und schmerzhaften Geheimnissen. Damit verbindet der Rosenkranz als marianische Leben-Jesu-Meditation Marienverehrung und Christusfrömmigkeit, was ihn bis heute so beliebt macht.

Mitgeführt wurde der Rosenkranz in früheren Zeiten nicht nur, um überall und jederzeit beten zu können, sondern auch zum Schutz gegen Unheil. Daher geriet er im 18. Jahrhundert in die Kritik, weil die Kirche eine magieverdächtige Volksreligiosität witterte. Das Gebet kam in die Krise. Erst mit den Marienerscheinungen in Lourdes und Fatima, wo die Gottesmutter zum Rosenkranzgebet aufgerufen haben soll, gewann die Tradition wieder an ihrer bis heute ungebrochenen Popularität.

Von Philipp Adolphs