15.10.2013

Konzilsdokumente (8): Mission, Erziehung und Medien

Warum wir uns einmischen müssen

Viele mögen es nicht hören wollen, aber die Kirche muss missionieren: demütig und beharrlich die Botschaft von Gottes Liebe weitergeben. Mit diesem Ziel setzt sie sich auch für das Grundrecht auf Erziehung und Bildung ein. Und sie wirbt für verantwortete Mediennutzung.

Eine Szene für Mission, Erziehung und Medien? Katholische Christen (Manfred Lütz und Pater Klaus Mertes, links,
sowie Lisi Maier vom BDKJ, rechts) diskutieren Mitte Februar 2013 in der Talkshow von Moderatorin Maybrit Illner (Mitte)
mit der Journalistin Eva Müller (3.v.r.) und dem Politiker Volker Beck über die Bedeutung der Kirche für die Gesellschaft. Foto: dpa

 

Mit dem Dekret „Ad gentes“ (AD) über ihre Missionstätigkeit wollte das Konzil die erneuerte Lehre von der Kirche für die Mission konkretisieren. Allerdings ist nicht ganz klar, wen sie dabei vor Augen hat. Vielfach schwebt im Hintergrund das Bild klassischer Mission in noch nicht christlich geprägten Gebieten; Mission in nicht mehr christlich geprägten Gebieten ist nur als Ahnung eines möglichen Auftrags spürbar.

Einleitung: Weil die Kirche die Botschaft von Christus allen Menschen vermitteln soll, gehört Mission zu ihrem Wesen und ist jeder Christ damit beauftragt (Nr. 1).

Erstes Kapitel: Die Mission der Kirche setzt in gewisser Weise Gottes Menschwerdung und den Auftrag Christi fort. Menschen erfahren von Gottes Angebot durch die Kirche, die ihnen dieses erläutert und erschließt. Was Christus getan und verkündet hat, muss weitergegeben werden, bis er wiederkommt (Nr. 2–3).

Die Kirche hat die Pflicht zu missionieren. Dies tut sie wie Christus: arm, gehorsam, dienend. Die konkreten Umstände der Mission variieren je nach Zeit, Kultur und Zielgruppe. Traditionell bedeutet Mission, die Kirche unter Menschen quasi einzupflanzen, die noch nicht von Christus gehört haben. Meist geschieht dies durch direkte Verkündigung; wo diese nicht möglich ist, sollen Missionare „geduldig, klug und mit Vertrauen Zeugnis ablegen für die Liebe und Güte Christi“. Kirchenspaltung schadet der Verkündigung (Nr. 6).

Mission ist nötig, weil Gott will, dass alle Menschen zu ihm kommen. Deshalb sollen sie sich bekehren und möglichst getauft werden. Wenn die Kirche, was ihr Recht ist, Christus verkündigt, offenbart sie dem Menschen seine ursprüngliche Wahrheit und volle Berufung. Christus und die Kirche überschreiten Rassen und Nationen; so dass sie nirgends wirklich fremd sind. Das Evangelium war immer ein „Ferment der Freiheit und des Fortschritts“. Was es an Gutem in den Menschen und ihren Kulturen gibt, wird durch Mission nicht abgelehnt, sondern vervollkommnet (Nr. 7–9).

Zweites Kapitel: Die Kirche pflanzt sich allen Völkern und Kulturen ein, indem die Christen, wo immer sie leben, durch ihr Lebensbeispiel und ihr Wort sich so als neue Menschen erweisen, dass ihr Umfeld nach Gott fragt. Dazu sollen sie gute Mitbürger sein, informiert, gebildet, gütig, gedul- dig und freigebig. Ihre Liebe soll keine Unterschiede machen bei Rasse, Status oder Religion; sie erwartet weder Gewinn noch Dankbarkeit (Nr. 11–12).

Christ wird man durch längeres Lernen und Einüben. Nie darf der Glaube durch Druck oder Manipulation vermittelt werden, Motive eines Bekehrten sind zu prüfen (Nr. 13–14). Neue Gemeinschaften von Gläubigen sollen bald für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen, ökumenisch gesinnt und in Land und Kultur verwurzelt sein. Rassismus und „übersteigerter Nationalismus“ sind zu meiden (Nr. 15). In der Mission haben Laien, Katechisten, Pries-ter und Ordensleute verschiedene Aufgaben (Nr. 16–18).

Drittes Kapitel: Die Gründung der Kirche in eine bestimmte Gesellschaft ist vorerst abgeschlossen, wenn ein Bistum gegründet ist. Dann muss christliches Leben dort reifen und wachsen, verbunden mit der Gesamtkirche. Möglichst soll sich ein einheimischer Klerus bilden und geschult werden. Ohne christlich reife Laien ist eine Ortskirche nicht vollständig. Christliche Botschaft und kirchliches Leben müssen sich inkulturieren (Nr. 19–22).

Viertes Kapitel: Missionare benötigen besondere Begabungen: initiativ, ausdauernd, geduldig, aufgeschlossen, team- und anpas- sungsfähig. Missionare müssen angemessen ausgebildet werden; wer zu anderen Völkern geht, soll deren Erbe, Sprache und Brauchtum achten (Nr. 23–27).

Fünftes Kapitel: Bischöfe vor Ort sollen den Einsatz von Missionsgemeinschaften koordinieren, spontane Initiativen aber erhalten und fördern. Für die weltweite Koordination wird die vatikanische Kongregation reformiert (Nr. 28–34). Sechstes Kapitel: Mission verlangt innere Erneuerung aller Christen, die sich ihrer Verantwortung für die Weltkirche bewusst sein müssen. Dazu regt das Konzil internationale Partnerschaften zwischen Pfarreien und Diözesen an (Nr. 35–38).

 

Zunächst sollte das Konzil nur etwas über katholische Schulen sagen. Entstanden sind mit der Erklärung „Gravissimum educationis“ (GE) aber einige grundlegende Richtlinien christlicher Erziehung. Demnach werden Erziehung und Erwachsenenbildung in der modernen, komplexen Welt leichter, aber auch dringlicher. Menschen sind sich ihrer Würde bewusst, wollen sich informieren und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Alle Menschen, egal wer und wo und wie alt, haben das Recht auf eine Erziehung, die ihrem Lebensziel, ihrer Begabung, ihrem Geschlecht sowie Kultur und Tradition entspricht.

Dabei sollen pädagogisch-psychologische Fortschritte berücksichtigt werden. Auf diese Weise sollen junge Menschen körperlich, sittlich und geistig so gefördert werden, dass sie Verantwortung übernehmen können für das eigene Leben wie für ihr Umfeld. Getaufte haben zudem ein Recht, als Christ erzogen und gebildet zu werden (Nr. 1–2).

Eltern haben die Pflicht und das erste Recht, ihre Kinder zu erziehen, auch bei der religiösen Erziehung. Andere Institutionen sollen sie dabei unterstützen (Nr. 3). Die Kirche erfüllt ihre Erziehungsaufgabe mit der Katechese, mit Medien, Jugendverbänden und vor allem Schulen (Nr. 4).

Schulen sind besonders wichtig: Sie bilden geistige Fähigkeiten heran, schärfen das Urteilsvermögen, führen ins kulturelle Erbe ein, erschließen Werte und bereiten auf den Beruf vor. Zudem vermitteln sie soziale Kompetenzen. Bei der Schulwahl  müssen Eltern frei sein; der Staat muss ihnen diese Wahl ermöglichen (Nr. 5–6).

Die besondere Aufgabe katholischer Schulen ist es, den Geist der Freiheit und die Liebe des Evangeliums zu vermitteln. Dazu sollen die Lehrer sorgsam ausgebildet werden, untereinander und mit den Schülern in Liebe verbunden sein und mit Eltern kooperieren. Wo möglich sollten Eltern ihre Kinder katholischen Schulen anvertrauen (Nr. 8–9).

Hochschulen sollen sich in wissenschaftlicher Freiheit der Forschung widmen. Katholische Hochschulen sollen den besonders Begabten offenstehen – unabhängig von deren Geldbeutel. Theologische Fakultäten sollen helfen, das Verständnis der Offenbarung zu vertiefen, den Dialog pflegen und nach Antworten suchen, die durch den wissenschaftlichen Fortschritt verlangt werden (Nr. 10–11).

 

Das Dekret über die sozialen Kommunikationsmittel „Inter mirifica“ (IM) wurde bereits am 4. Dezember 1963 verabschiedet. Der erste Text des Konzils gilt als sein schwächster. Richtig gebraucht tragen Medien zur Erholung und Bildung des Geistes bei und sogar zur Ausbreitung des Gottesreiches (Nr. 2). Die Kirche hat das Recht jede Art von Medium zu besitzen und zu betreiben, soweit das für Erziehung und Verkündigung nützlich ist. Wer Medieninhalte produziert oder nutzt, muss entsprechend sittlich gebildet sein (Nr. 3–4).

Für Medienmacher gelten „klare Gewissensgrundsätze“: Es gibt ein Recht auf jene Informationen, die Menschen wissen sollten. Wer Informationen sammelt und verbreitet, muss wahrhaft und sorgfältig vorgehen. Im Verhältnis zwischen Freiheit der Kunst und moralischer Ordnung hat diese stets Vorrang. Wer Böses und Negatives darstellt, sollte dies tun, um „die Erhabenheit des Guten“ herauszustellen. Meinungsmacher sind zu Liebe und Gerechtigkeit verpflichtet, damit „richtige öffent- liche Meinungen“ verbreitet werden (Nr. 5–8).

Leser, Zuschauer und Zuhörer tragen eine besondere Verantwortung für das, was sie konsumieren; das gilt besonders im Hinblick auf Kinder und Jugendliche. Umgekehrt haben Medienmacher aller Art eine große Verantwortung, da ihre Arbeit den Menschen „Segen oder Fluch“ bringen kann. Die öffentliche Gewalt muss Pressefreiheit schützen, aber einschreiten, wenn „öffentliche Sitte und Fortschritt der  Gesellschaft“ gefährdet sind (Nr. 9–12).

Von Roland Juchem

 

Wortlaut:

  • „Christus ist Ursprung und Urbild jener erneuerten, von brüderlicher Liebe, Lauterkeit und Friedensgeist durchdrungenen Menschheit, nach der alle verlangen.“ (AG 8)
  • „Die Anwesenheit der Christen in den Gesellschaft muss von jener Liebe beseelt sein, mit der Gott uns geliebt hat, der will, dass wir einander mit derselben Liebe begegnen.“ (AG 12)
  • „Die Kirche verbietet streng, dass jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflusst oder angelockt werde, wie sie umgekehrt auch mit Nachdruck für das Recht eintritt, dass niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde.“ (AG 13)
  • „Der Glaube wird in angepasster Katechese gelehrt, in einer dem Volkscharakter harmonierenden Liturgie gefeiert und findet durch entsprechende kirchliche Gesetzgebung Eingang in die wertvollen Einrichtungen und Gepflogenheiten des Landes.“ (AG 19)
  • „Der Missionar muss initiativfreudig sein, beharrlich in der Durchführung von Unternehmen und ausdauernd in Schwierigkeiten. (Er) muss Einsamkeit, Ermüdung und Misserfolge tragen lernen. In geistiger Aufgeschlossenheit und Offenheit des Herzens muss er auf die Menschen zugehen können. … Selbst fremd anmuten-den Bräuchen des Volkes muss er sich ebenso wie neu entstehenden Situationen bereitwilligst anzupassen wissen.“ (AG 25)
  • „Die Kinder und Heranwachsenden haben ein Recht darauf, angeleitet zu werden, die sittlichen Werte mit richtigem Gewissen zu schätzen und sie in personaler Bindung zu erfassen und Gott immer vollkommener zu erkennen und zu lieben.“ (GE 1)
  • „Eltern haben die … schwere Verpflichtung zur Kindererziehung. Daher müssen sie als die ersten und bevorzugten Erzieher ihrer Kinder anerkannt werden. Ihr Erziehungswirken ist so entscheidend, dass es dort, wo es fehlt, kaum zu ersetzen ist.“ (GE 3)
  • „Unter allen Erziehungsmitteln hat die Schule eine ganz besondere Bedeutung, weil sie … die geistigen Fähigkeiten … heranbildet, das rechte Urteilsvermögen entwickelt, in das von den vergangenen Generationen erworbene kulturelle Erbe einführt, den Sinn für die Werte erschließt und auf das Berufsleben vorbereitet. Zudem stiftet sie zwischen den Schülern verschiedener Anlagen und verschiedenen Standes ein freundschaftliches Zusammenleben und schafft so die Grundlage für ein gegenseitiges Verständnis.“ (GE 5)
  • „Die katholische Schule … verfolgt nicht weniger als andere Schulen die Bildungsziele und die menschliche Formung der Jugend. Ihre besondere Aufgabe aber ist es, einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist.“ (GE 8)
  • „Eine besondere Verantwortung tragen die Leser, Zuschauer und Zuhörer, die sich ja in freier und persönlicher Entscheidung der Sozialen Kommunikationsmittel bedienen. Dabei gilt es, sich für das zu entscheiden, was sowohl ethisch wie künstlerisch wertvoll und wissenswert ist. Es gilt aber auch, das Minderwertige oder Verführerische abzulehnen, ebenso alles, was schlechtes Beispiel gibt …“ (IM 9)
  • „Darum erinnert das Konzil die Gläubigen an ihre Pflicht, die katholischen Zeitungen, Zeitschriften und Filmunternehmungen, die Rundfunk- und Fernsehstationen und ihre Sendungen zu unterstützen, deren besonderes Ziel es ist, die Wahrheit zu verbreiten und zu verteidigen sowie christliches Geistesgut den Menschen zu vermitteln.“ (IM 17)

 

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