06.03.2011

KiZ-Tipp: Ebstorfer Weltkarte

Was ist die Mitte der Welt?

Gefunden wurde sie 1830 nur zufällig – in einem „feuchten Gemach“, einer fensterlosen  Abstellkammer, im ehemaligen Benediktinerinnenkloster Ebstorf bei Lüneburg. Die evangelischen Konventualinnen, die seit 1818 dort lebten, entdeckten neben Altardecken und Prozessionsgerät „aus katholischer Zeit“ auch eine aus 30 Pergamentblättern zusammengesetzte Zeichnung – die Ebstorfer Weltkarte.

erusalem im Mittelpunkt der Welt, der Osten mit dem Paradies oben – so wird auf der Ebstorfer Karte die Welt dargestellt. Foto: privat
Jerusalem im Mittelpunkt der Welt, der Osten mit dem Paradies oben – so wird auf der Ebstorfer Karte die Welt dargestellt. Foto: privat

Ebstorf (wal). Ihr Zustand war nicht gut: Mäuse hatten ganze Landstriche aus ihr herausgebissen, ein „unbekannter Frevler“ rechts oben ein Stück mutwillig herausgeschnitten. Und vieles war durch Feuchtigkeit verblasst.

Trotzdem: Mit einem Durchmesser von etwa 3,6 Metern und einer Fläche von über 10 Quadratmetern handelt es sich bei der Ebstorfer Weltkarte um die größte und inhaltsreichste Weltkarte des Mittelalters. Entstanden ist sie wohl zwischen 1230 und 1250, andere Untersuchungen gehen von einer Bearbeitungszeit bis 1300 im Kloster Ebstorf aus.

Das Original existiert heute nicht mehr – es ist 1943 in der Landesbibliothek Hannover verbrannt. Allerdings wurde durch alte Faksimileausgaben von 1891 und 1896 in den 1950er-Jahren eine farbige Nachbildung geschaffen. Eine davon ist heute im Klos-ter zu sehen.

Die Karte gleicht mehr einem Wimmelbild als reiner Darstellung von Landstrichen. 1500 Texte, 500 Gebäude, 160 Gewässer, 45 Menschen und Fabelwesen sowie 60 Tiere haben Forscher gezählt. Im Mittelpunkt der Welt liegt das himmlische Jerusalem. Der Osten ist oben – mit einer Darstellung des Paradieses. Europa wurde daher in die linke untere Ecke verschoben. Lüneburg ist dabei ebenso zu finden wie Braunschweig – samt Löwen.

Die Kopie der Weltkarte kann zwischen dem 1. April und 15 . Oktober im Kloster Ebstorf besichtigt werden: Di–Sa, 10 bis 11 und 14 bis 17 Uhr, So 11.15 und 14 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Die Adresse: Kloster Ebstorf, Kirchplatz 10, 29574 Ebstorf, Telefon: 0 58 22 / 23 04.