17.03.2017

Was wissen wir über den heiligen Josef?

Zum Josefstag: Geliebt im Gottesvolk, doch erst spät von den Päpsten zum Schutzpatron der Kirche erhoben – der Mann hinter Jesus und Maria. Kein Wort von ihm ist überliefert und auch sein Tod wird nicht in der Bibel erwähnt. Und doch hat Gott durch Josef von Nazareth große Dinge getan.

Josef und Jesus – Darstellung aus der Geburtskirche in Betlehem. | Foto: Wala

Was bedeutet der Name Josef?

Der hebräische Name „Josef“ bedeutet  „Gott hat hinzugefügt“. Bereits im Buch Genesis wird die Geschichte von Josef, dem zweitjüngsten Sohn Jakobs, erzählt, der von seinen Brüder nach Ägypten in die Sklaverei verkauft wird und einer der Stammväter der zwölf Stämme Israels ist. Nach hebräischer Überlieferung hat seine Mutter bei seiner Geburt ausgerufen: „Gott wird mir noch einen Sohn hinzufügen.“

Was berichtet die Heilige Schrift über Josef von Nazaret?

Wenig. 25 Nennungen bei Lukas, 17 Erwähnungen bei Matthäus, zwei Hinweise bei Johannes, nichts bei Markus – und es ist kein einziges Wort des heiligen überliefert. Er stammt aus dem Geschlecht Davids, ist der Mann Marias, der soziale Vater Jesu. Er flieht mit der Familie nach Ägypten, sorgt sich um seinen „Ziehsohn“. Josef widersteht Konventionen, ist einer der „Gerechten“ (Mt, 1,19). Vielleicht hat er noch andere Kinder, vielleicht nicht. Aber er träumt. Er glaubt. Und handelt. Scheinbar stumm und klaglos, in und aus Liebe zu Maria.

War Josef bei der Geburt Christi schon ein alter Mann?

Gerade frühe Darstellungen der Chris­tenheit zeigen Josef als alten Mann mit weißem Bart. Diese Vorstellung eines betagten Mannes geht auf einen Umstand zurück: Er soll vor seiner Ehe mit Maria schon einmal verheiratet gewesen sein. Die christliche Ikonographie macht ihn vor diesem Hintergrund eher zum Großvater Jesu. Jedoch heiratete ein Mann zu seinen Zeiten gewöhnlich im Alter von 18 Jahren. Josef konnte durchaus trotz zweiter Ehe ein junger Mann gewesen sein. Auffällig ist, dass sich etwa ab dem 17. Jahrhundert das Bild des Josef auch in der Kunst ändert: jünger, vitaler, als Handwerker fest zupackend, mit Alltagsszenen der Heiligen Familie. Zwar auch mit Bart. Aber nicht mehr in Grau. Es war wohl das österreichische Kaiserhaus der Habsburger, das die Form der Verehrung des Josef gefördert hat – als Identifikationsfigur für gottesfürchtige Männer.  Die Habsburger erkoren Josef zu ihrem Hausheiligen – und zogen mit seinem Bild auch in den Krieg.

Wie hat Josef seine Familie ernährt?

Mit harter Arbeit. In der griechischen Übertragung der Heiligen Schrift wird sein Beruf als „Tecton“ (Baumeister oder Architekt) angegeben. Daher rührt die Vorstellung, Jesus sei in eine reiche Familiegeboren worden. So zeigt die Josef-Dastellung in der Geburtskirche zu Betlehem (beziehungsweise in der dazugehörigen katholischen Katharinenkirche) den Heiligen mit Bauplänen und feinen Gewändern. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich Josef als Zimmermann und Bauhandwerker verdingt hat. Zum einen, weil das Schlacht­opfer, das die Eltern bei der Darstellung Jesu im Tempel brachten, aus zwei Tauben bestand – die Gabe vor armen Menschen. Zum anderen existierte zu Josefs Zeiten in der Nähe von Nazaret eine große römische  Baustelle. Dort wird er gearbeitet haben.

Wann ist Josef gestorben?

Darüber schweigt die Heilige Schrift. Josefs Tod ist an keiner Stelle explizit erwähnt. In dem Jahr, in dem Jesus seinen zwölften Geburtstag feiert, pilgert Josef mit seiner Familie zum Paschafest nach Jerusalem. Danach verschwindet die Figur des Josef. Die Forschung vermutet, dass sein Todeszeitpunkt zwischen der gemeinsamen Wallfahrt und dem öffentlichen Auftreten von Jesus liegen könnte.

Wie hat sich die Verehrung des Heiligen entwickelt?

Seitens des Gottesvolks sehr früh, seitens der Amtsgerichte vergleichsweise spät:  Überlieferte Zeugnisse der Verehrung des hl. Josef im deutschsprachigen Raum gibt es seit dem Jahr 850 – trotz seiner Darstellung als tattriger, tölpelhafter Greis. Papst Sixtus IV. erklärte 1479 den 19. März zum offiziellen Festtag des Heiligen, nachdem der Josefskult seit dem 14. Jahrhundert besondes von Bettelorden gefördert worden war. Seit 1621 ist der Josefstag Fest im römischen Kalender. Warum der 19. März? Unklar. Möglicherweise wegen der Nähe zum Fest Mariä Verkündigung. Papst Pius IX. erklärte Josef 1870 zum Schutzpatron der katholischen Kirche. Zudem wurde er von Papst Johannes XXIII. neben der Gottesmutter Maria zum besonderen Schutzpatron des Zweiten Vatikanischen Konzils bestimmt.

Warum gibt es zwei Gedenktage im liturgischen Kalender?

1955 setzt Pius XII. den 1. Mai als Tag des heiligen „Josef, der Arbeiter“ ein. Dazu wird extra das Apostelfest Philippus und Jakobus verschoben. Kirchenhistoriker sehen heute die Einführung des Festtages als Zeichen der Aussöhnung mit der Arbeiterschaft – nicht als Gegenveranstaltung.


Für wen wird der hl. Josef besonders angerufen?
Josef ist Patron der Ehepaare und der Familien, der Kinder und Jugendlichen, der Erzieher, der Zimmerleute, Holzfäller, Tischler, Handwerker, Arbeiter, Ingenieure, zudem Schutzheiliger in Wohnungsnot, in Versuchungen und verzweifelten Lagen sowie für einen friedlichen Tod. Darüber hinaus ist er Patron von Mexiko, den Philippinen, Kanada, Peru, Böhmen, der Steiermark, von Kärnten und Tirol, der zweite Schutzheilige des Erzbistums Köln und sogar Hauptpatron des Nachbarbistums Osnabrück.

Welche Bedeutung hat der hl. Josef für das Bistum Hildesheim?

Zumindest wird heute noch die älteste überlieferte Josefswallfahrt im Bistum begangen – seit fast 300 Jahren in Renshausen. Auch wenn das Eichsfeld zu dem Zeitpunkt kurmainzisches Herschaftsgebiet war: Das benediktinische Michaeliskloster in Hildesheim hat die Wallfahrt gefördert.

Wie viele Kirchen gibt es im Bistum, die dem hl. Josef geweiht sind?

Insgesamt sind es 27 Kirchen – mal mit „f“, mal mit „ph“ geschrieben. Das liegt in der Regel daran, was regional oder zeitlich üblich war (eher deutsch oder lateinisiert). Auch das Bischöfliche Gymnasium Josephinum leitet seinen Namen vom Heiligen ab. Und Josef ist Patron des Karmelitinnenklosters in Hannover.

Rüdiger Wala