05.06.2015

Drei junge Bolivianer engagieren sich freiwillig und sozial im Bistum Hildesheim

Weltkirche – ganz praktisch

Die Verbundenheit des Bistums Hildesheim mit der Welt, vor allem mit Bolivien, ist weit mehr als eine schöne Idee. Das wird gerade beim Einsatz von Freiwilligen deutlich – seit nunmehr 25 Jahren.

Martin Schwark war wohl der Erste. 1990 wurde der damals 23-jährige Student vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) nach La Paz entsandt – als Beitrag zur gerade drei Jahre alten Partnerschaft mit der Kirche von Bolivien. Schwark  baute in 3800 Meter Höhe Gewächshäuser gegen Kälte und Sonne. Konkret helfen, sich kennenlernen, vom eigenen Land und Glauben erzählen, wertvolle Erfahrungen machen – das ist seit einem Vierteljahrhundert die Grundlage für den sozialen Dienst von Freiwilligen aus dem Bistum Hildesheim.

Seit 2001 ist das aber keine Einbahnstraße mehr. Erstmals kamen zwei junge Frauen und ein Mann ins Bistum – um hier freiwillig zu arbeiten. In diesem Jahr sind es wieder drei Freiwillige aus dem Andenland.

Studium für Einsatz unterbrochen

Victor Hugo Bustillas ist einer von ihnen. 25 Jahre alt und aus La Paz kommend engagiert er sich nun in Hannover: Er unterstützt Schüler der St.-Ursula-Schule beim Spanisch-Lernen und  ist bei den Georgspfadfindern im Stamm Hl. Engel dabei.

Jurten aufstellen kann Bustillas: Schließlich ist er selbst Pfadfinder im Districto La Paz, kümmert sich um die Wölflinge, die Jüngsten im Stamm. Für den Freiwilligendienst hat er sein Studium unterbrochen: „Der Bauingenieur kann noch etwas warten“, sagt er.

Sie engagieren sich freiwillig und sozial im Bistum Hildesheim: Jaime Jiminez Silva, Victor Hugo Bustillas und Cristian Zegarra (2., 4. und 6. von links). Unterstützt werden sie unter anderem von Norbert Batzdorfer (St. Michael, Forsfelde,), Ewa Scholz (Referentin für Frewilligendienst in der Diözesanstelle Weltkirche) und  Michael Czech (Förderberein Camiri – Braunschweig). Foto: Wala

Erstmals war er 2011 in Deutschland – auf einer Tagung der Georgspfadfinder: „Da habe ich schon gedacht, dass ich gerne mal länger hier sein möchte.“ Nun lernt er die Pfadfinderarbeit im Bistum kennen – und sieht viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede: „In La Paz treffen wir uns meist wöchentlich, hier weniger, dafür länger.“ Ein Zeltlager daheim dauere nie länger als drei Tage, in Deutschland dagegen eine Woche. Und noch etwas ist anders: „Bei den Georgspfadpfindern stehen gesellschaftliche Themen stärker im Mittelpunkt, wir machen eher Freizeitgestaltung.“

Jaime Jiminez Silva ist 20 Jahre alt und zurzeit Gast in St. Michael in Vorsfelde. Er kommt aus Aiquile – der Stadt, mit der die Pfarrei seit 2012 eine Partnerschaft verbindet.

Silva arbeitet im Kindergarten der Pfarrei mit: „Spielen, Malen und auch ein bisschen Vorlesen“, beschreibt er seine Tätigkeit. Schon ein wenig ungewohnt, denn zu Hause studiert er Bautechnik: „Es macht viel Spaß, die Kinder hier sind wirklich gut erzogen.“

In Aiquile engagiert sich Silva in der Jugendgruppe Hl. Herz Jesu: „Wir sprechen über unseren Glauben, beten, machen Musik.“ Auch Workshops bietet die Gruppe an. Ein ähnliches Engagement findet er auch in St. Michael vor: „Das ist eine Gemeinde, die sich sehr für andere Länder und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt – und das aus dem Glauben heraus.“

Cristian Zegarra ist mit 18 Jahren der jüngste unter den drei Freiwilligen. Er kommt aus El Alto – aus über 4000 Metern Höhe – und  arbeitet nun in Bremerhaven. Tagsüber im Kindergarten St. Kjeld, abends und am Wochenende engagiert er sich in der  Deka-Band Braunschweig. „Musik ist mein großes Hobby“, sagt Zegarra: „ich spiele auch zu Hause häufig mit meiner Gitarre in der Kirche.“

Kinder helfen beim Deutschlernen

So singt er im Kindergarten St. Kjeld mit den Drei bis Sechsjährigen, spielt mit ihnen, räumt auf: „Und die Kinder helfen mir beim Deutschlernen.“ In El Alto engagiert sich Zegarra in einem Projekt, das seine Eltern aufgebaut haben: „Sartañani“ heißt es und bedeutet übersetzt „Zusammen gehen“. „El Alto ist eine Stadt, in der viele arme Menschen leben“, berichtet Zegerra. Über „Sartañani“ können Frauen und Männer durch Textilarbeiten den Unterhalt für ihre Familien sichern. Gleichzeitig baut das Projekt eine Krankenkasse auf.

Mit den drei haben sich nun insgesamt 21 Freiwillige aus Bolivien und Brasilien im Bistum Hildesheim engagiert. Und Martin Schwark sind seit 1990 141 junge Menschen aus der Diözese gefolgt. Das ist Weltkirche.

Rüdiger Wala

 

25 Jahre Freiwillige: Fotos gesucht

Seit 1990 hat zunächst der Bund der deutschen katholischen Jugend, dann das Bistum Freiwillige in das Partnerland Bolivien entsandt. Später folgten unter anderem Brasilien (in Zusammenarbeit mit dem Kolpingwerk) Südafrika und die Ukraine. Das soll am 11. Oktober in Hildesheim gefeiert werden. „Bei der Feier möchten wir die vielen Menschen, die die letzten 25 Jahre geprägt haben, sichtbar machen“, erläutert Ewa Scholz, die Referentin für Internationale Freiwilligendienste in der Diözesanstelle Weltkirche. Sie hofft auf bevorzugt digitale Fotos, die Freiwillige bei ihren Einsatz zeigen. Einsendeschluss für die Fotos ist der 15. September.
 
Kontakt: Diözesanstelle Weltkirche, Domhof 18–21, 31134 Hildesheim, Telefon: 0 51 21 / 307-229, E-Mail: weltwaerts@bistum-hildesheim.de. Internet: www.weltkirche.bistum-hildesheim.de