12.04.2012

Partnerschaftskaffee

Weniger Bohnen machen Sorge

Der Café Bolivia geht auf Tour: Aber wo kommt der Partnerschaftskaffee eigentlich her? Dietmar Müßig, der für die Arbeit in Bolivien freigestellte Leiter der Diözesanstelle Weltkirche, hat sich für die KirchenZeitung vor Ort informiert:

Handarbeit: Die Bohnen werden nach verschiedenen Qualitätsstufen sortiert. Foto: Müßig
Handarbeit: Die Bohnen werden nach verschiedenen
Qualitätsstufen sortiert. Foto: Müßig

Es ist kalt und regnet. Ich stehe an der Mautstation Ceja, die La Paz von der Zwillingsstadt El Alto trennt, und friere. Da endlich kommt Evaristo Hilari, der Vorsitzende von Union pro Agro. Mit einem Minibus fahren wir zur zent­ralen Sammelstelle der Kaffee-Kooperative. Das Firmengelände ist von einer roten Backsteinmauer umgeben. Wir steuern auf ein niedriges Nebengebäude zu und betreten einen dunklen Raum von drei mal vier Metern.

Auf einem überladenen Schreibtisch steht ein alter PC, auf dem Tischchen daneben ein Drucker. Wo die Schreibtische ein wenig Platz lassen, steht ein prall gefülltes Regal mit Aktenordnern. Das Hauptbüro von Union pro Agro. Weitere Mitglieder aus dem Direktorium der Kooperative erwarten uns bereits.

Seit über fünf Jahren Partner des Bistums

Seit über fünf Jahren unterstützt die Hildesheimer Bolivienpartnerschaft die Union pro Agro. Freiwillige in Pfarreien und Verbänden organisieren den Verkauf des Café Bolivia. Das Fair-Handels-Unternehmen El Puente aus Nordstemmen importiert den Rohkaffee. Dabei erhalten die Bauern in den Yungas eine zinsfrei Vorfinanzierung für ihre Ernte. „Das ist für uns eine große Hilfe“, sagt Don Evaristo. „So konnten wir im letzten Jahr Fortbildungskurse für die Frauen aus unserer Kooperative finanzieren.“ Gelernt haben die Campesinas, wie man aus organischem Material Jauchen zur Düngung der jungen Kaffeepflanzen herstellt.

Insgesamt aber ist die Kaffeeproduktion in den  letzten Jahren zurückgegangen, berichtet Evaristo Hilari mit besorgter Miene. Denn viele der Bauern haben ihre Kaffeepflanzungen erneuert, alte Sträucher entfernt und neue dafür angepflanzt. Aufgrund der damit verbundenen Kosten ist das für einige Mitglieder gar nicht so einfach gewesen.

Aber jetzt haben sie mit Hilfe von staatlichen Mitteln ein Kreditprogramm aufbauen können. „Dadurch kommen unsere Leute günstig an kleine Darlehen. Mit denen können sie zum Beispiel die Erntehelfer bezahlen. Oder kleine Verbesserungen für die Produktion finanzieren“, sagt Hilari. Deshalb hofft er, die Exportmenge bald wieder auf das alte Niveau steigern zu können.

Ende dieses Jahres wird die Kooperative in eigene Abfertigungs-Hallen umziehen. Ein Grundstück dafür in El Alto ist bereits erworben. Dadurch, so der Vorsitzende, wird die Kooperative unabhängiger und man kann in Stoßzeiten auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten die nötigen Arbeiten erledigen.
Während die Bauern ihre geschälten Kaffeebohnen bereits vor Ort in den Yungas ein erstes Mal trocknen, wird die zweite Trocknung  zentral in der Sammelstelle in El Alto organisiert. Dort werden die Bohnen auch von Hand in verschiedene Qualitätsstufen sortiert. Eine mühsame Tätigkeit für die dazu angestellten Frauen – aber immerhin eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Zuletzt wird der Rohkaffee in Säcke verpackt und für den Export fertig gemacht.

Jetzt werden auch Kräuter angebaut

Um ihren Anbau von den schwankenden Weltmarktpreisen für Kaffee unabhängiger zu machen, bauen die Mitglieder der Kooperative in letzter Zeit verstärkt auch Kräuter an. Eine bolivianische Stiftung hilft bei der Weiterverarbeitung zu Tee und kümmert sich auch um die Vermarktung. „Bisher ist El Puente unser einziger externer Abnehmer für die Tees und Gewürze“ sagt Evaristo. „Aber wir hoffen, dass wir dieses Geschäft ausbauen können“.

Auch auf ihre Stevia-Blätter setzen die Bauern große Hoffnung. Schließlich macht dieses natürliche Süßungsmittel weder dick noch schadet es den Zähnen. Zudem hat das Europäische Parlament im November letzten Jahres endlich den Import als Lebensmittel freigegeben.

Ob das nicht eine Perspektive für den fairen Handel in der Zukunft wäre, fragt mich Evaristo. Ich verspreche, diese Idee an die Freunde in Hildesheim weiterzuleiten. Und auch die Bitte, doch künftig noch mehr Café Bolivia zu trinken.

Dietmar Müßig

 

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