14.10.2015

Tag der Weltkirche im Bistum Hildesheim

Wie geht gutes Leben für alle?

Beim Tag der Weltkirche in Hildesheim haben Vertreter aus unterschiedlichen Teilen der Welt ihre Vorstellungen von einem „guten Leben für alle“ präsentiert.

Ungewöhnlicher Auftakt beim Tag der Weltkirche: Die beidern Musiker der Grupo Sal untermalten die szenische Lesung des Schöpfungsberichtes aus dem Buch Genesis mit Liedern aus Lateinamerika.
Foto: Wala

Die Botschaft war eindeutig: „Seien Sie Weltverbesser, seien Sie Gutmenschen“, rief Bischof Norbert Trelle den Teilnehmern des Tages der Weltkirche zu. Anlässlich des Bistumsjubiläums hatte Trelle in Sachen Weltkirche Engagierte sowie aktive und ehemalige Missionarinnen und Missionare aus der Diözese in das Römer- und Pelizaeus-Museum eingeladen. Gemeinsam sollte über eine Frage nachgedacht werden: Wie gelingt ein gutes Leben für alle?

So ungewöhnlich wie der Ort des Treffens – ein historisches Museum mit den Schwerpunkten Altägypten und Altperu – war auch der Auftakt: eine szenische Lesung der Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis, vorgetragen von Dr. Christian Schramm (Bibelschule Hildesheim) und der Rundfunkmoderatorin Stefanie Behnke.

Musikalisch wurde diese Lesung von der Grupo Sal gestaltet.  Das Musiker-Duo Fernando Dias Costa und Aníbal Civilotti nahm die Teilnehmer mit durch eine Klangreise quer durch Lateinamerika – und sang dabei von der Sehnsucht nach verlorenen Paradiesen, der Hoffnung auf eine bessere Welt, aber auch von der Schönheit der Schöpfung.

Sorge tragen für ein gemeinsames Haus

„Gutes Leben für alle, frei von Kriegen, Klimakatastrophen und Hunger“ – diese Worte haben für die Leiterin der Diöze­sanstelle Weltkirche im Bistum Hildesheim, Dr. Katharina Bosl von Papp, in den letzten Monate eine größere Nähe bekommen: „durch die Menschen, die auf der Flucht vor Kriegen, Klimakatastrophen und Hunger bei uns Schutz suchen“.

Gerade Christen wissen, dass wir „eine Menschheitsfamilie sind und nur vereint Sorge tragen können für unser gemeinsames Haus, die Erde“. Das Bistum Hildesheim habe nicht nur durch die fast 30-jährige Bolivienpartnerschaft stets eine große Verantwortung für die Anliegen der weltweiten katholischen Kirche gezeigt: „Jeder Ort, an dem ein Konflikt friedlich gelöst wird, jeder Ort, an dem ein Baum gepflanzt wird, jeder Ort, der Kindern Bildung ermöglicht, ist ein Ort des guten Lebens – weltweit“, stellte Bosl von Papp heraus.
Für Bischof Norbert Trelle darf die katholische Gemeinschaft nicht in eine Orts- und eine Weltkirche zerfallen: „Unser Glaube ist erst dann erfüllt, wenn wir als Kirche von Hildesheim die Anliegen unserer Brüder und Schwestern weltweit im Blick haben.“

Dieser oftmals nicht einfachen Herausforderung haben sich weltkirchlich engagierte Gemeinden und Initiativen angenommen: „Lassen Sie uns gemeinsam diese Welt besser machen, seien Sie Weltverbesserer und Gutmenschen.“ Das seien beileibe keine Schimpfworte, wie es vorgebliche Realisten weismachen wollen: Sie beschrieben unsere Aufgabe als Christen.

Gutes Leben: Verfassung und Versöhnung

Aber wie kann ein solches gutes Leben gelingen? Beim Tag der Weltkirche führte der Blick auf drei Kontinente. So hat beispielsweise in Bolivien „gutes Leben“ Verfassungsrang, wie Juan Carlos Nuñez berichtete. Er ist Direktor der Stiftung Jubileo in La Paz. Im Mittelpunkt der Politik soll das Streben nach Lebensqualität und nicht nach einseitigem wirtschaftlichem Wachstum stehen. Doch sei dieser Gedanke längst noch nicht umgesetzt.
Vergeben und Versöhnung sind zwei Pfeiler des afrikanischen Ubuntu-Konzeptes, erläuterte die tansanische Ordensschwester Yusta Tesha – gerade in einem von Kriegen und Hunger zerrissenen Kontinent. Vor allem gehe es dabei um Respekt vor dem Nächsten und das Achten von Würde.

Auch Religionen können zu einem guten Leben beitragen, betonte Rajiny Kumaraiah. Sie erläuterte das an ihrem Heimatland Sri Lanka. Gleich an mehreren Orten auf der Insel teilen sich Religionen Heiligtümer. Das setze ein Zeichen gegen politisch motiviertes Ausspielen von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.

Rüdiger Wala

 

Das Bistum weltweit: Kontakte, Freiwillige und Projektförderung

Von Afghanistan bis Ukraine, von El Salvador bis Tonga: Mit Pfarreien auf allen Kontinenten sind die Gemeinden des Bistums Hildesheim verbunden. Bedingt durch die Partnerschaft mit der Kirche von Bolivien haben gut 30 Gemeinden Kontakte in das lateinamerikanische Land. Weitere Schwerpunkte sind Brasilien (durch die enge Verbindung mit dem Kolping-Werk), Indien und Länder in Ostafrika wie Tansania und Uganda.

Zusätzlich zu diesen Direktpartnerschaften sind derzeit 70 Frauen und Männer aus dem Bistum Hildesheim in 36 Ländern tätig als Missionarinnen und Missionare, als Fachpersonal in der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit oder als junge Freiwillige.

2014 wurden vom Bistum annähernd 2,9 Millionen Euro für weltkirchliche Aufgaben verwendet. Der Großteil kommt über die jährliche Bistumsabgabe an den Verband Deutscher Diözesen weltkirchlichen Zwecken zugute, die von der Deutschen Bischofskonferenz verantwortet werden. Über einen Teil der Bistumsmittel (2014: 892 500 Euro) entscheiden die Kommission für kirchliche Entwicklungsarbeit und die Bolivienkommission.