03.10.2016

Anfrage

Wie ist das mit den Messintentionen?

Was sind Hintergrund und Praxis der Messintentionen? Dient der Obolus von fünf Euro tatsächlich der Kostendeckung? H. W., 49751 Spahnharrenstätte

 

Eine Eucharistiefeier ist in sich bedeutsam als Danksagung und „braucht“ kein weiteres Anliegen („Intention“). Sie kann aber im Gedenken und Fürbittgebet für Lebende oder Verstorbene oder in einem bestimmten Anliegen gefeiert werden – etwa einer Danksagung nach schwerer Krankheit oder um Stärkung in einer schwierigen Lebensphase. Eine Messfeier drückt so die Verbundenheit zwischen Lebenden und Verstorbenen als „Leib Christi“ auch über den Tod hinaus aus.

Schon in frühchristlicher Praxis war es üblich, dass die Gläubigen – sofern möglich – auch materielle Gaben zur Eucharistiefeier mitbrachten. Damit wurden Arme unterstützt und die Gemeinschaft gestärkt. Ähnlich ist das bei der Kollekte. Geld ist aber – bis heute – niemals die zwingende Voraussetzung für eine Messfeier in einem bestimmten Anliegen.

Der Geldbetrag, der üblicherweise als „Obolus“ genommen wird, variiert. Wenn es ein paar Euro sind, kann damit etwa dem ehrenamtlichen Organisten eine Anerkennung gezahlt werden – oder die Kosten für Blumenschmuck oder Heizung abgefedert werden. Es geht dabei nicht um direkte „Kostendeckung“. Es ist auch möglich, das Geld für karitative Zwecke oder Eine-Welt-Projekte zu spenden. Wo eine solche Gabe oder ihre Höhe jedoch missverstanden wird als ein „Mehr“ an Gnade oder Wirkung, die erreicht werden soll, gar ein käuflicher „Ablass“ oder Ähnliches sein soll, ist die Tür zum Missbrauch und Aberglaube geöffnet. Das Wort „eine Messe bestellen“ oder „lesen lassen“ ist da missverständlich und eher irreführend.

Das Kirchenrecht widmet ein eigenes Kapitel mit 14 Abschnitten dem Thema „Messstipendien“. Auch um Missbräuchen vorzubeugen, die es immer wieder gegeben hat, soll – so das kirchliche Gesetzbuch – „jeglicher Schein von Geschäft oder Handel“ vermieden werden. Es gilt: „Den Himmel kann man nicht kaufen“, wie es in einer Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz von 1991 zu den „Messstipendien“ heißt.

Von Michael Kinnen