25.09.2017

Anfrage

Wie viele Messen dürfen Priester am Tag feiern?

Die Zahl der Priester sinkt bekanntlich. Ist denn den Priestern vorgeschrieben, wie viele Eucharistiefeiern sie an einem Tag feiern dürfen, insbesondere an Sonn- und Feiertagen, und gehört die Vorabendmesse zwingend dazu? P. E., Aachen


Die Regel und wünschenswert für Priester ist heute die tägliche Feier der Eucharistie. Wo Priestermangel herrscht, erlaubt das Kirchenrecht den Bischöfen, den Priestern ihres Bistums zu gestatten, dass sie zweimal, an Sonn- und gebotenen Feiertagen auch dreimal der Messfeier vorstehen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn Priester mehrere Gemeinden an unterschiedlichen Orten betreuen. Die Vorabendmesse gehört inhaltlich zum Sonn- beziehungsweise Feiertag dazu. Der Samstag(-vormittag) ist ein eigener Tag.

Mehrmalige Messfeiern desselben Priesters am selben Ort und Tag sind nicht sehr sinnvoll, weil die Gemeinde damit in gewisser Weise geteilt wird; sie sind aber auch nicht verboten.

Die Zeitschrift „Gottesdienst“ des Deutschen Liturgischen Instituts berichtet, dass die Gottesdienstkongregation in letzter Zeit auf Antrag und in Ausnahmefällen auch das viermalige Zelebrieren für einen Priester an Sonn- und Feiertagen erlaubt habe. Solche Fälle sind aus Italien, Lettland, Peru und Polen bekanntgeworden.

Es geht nicht darum, wie mit einer Strichliste möglichst viele Messfeiern zu sammeln, weil dies vermeintlich mehr helfe. Genauso wenig geht es darum, einem Priester mit einer Strichliste eventuelle Verfehlungen vorzuhalten, weil er die entsprechende Zahl übertreten habe.

Die Liturgie und besonders dabei die Eucharistiefeier ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, betont das Zweite Vatikanische Konzil. Es wäre daher ein Widerspruch, genau diesen Höhepunkt durch willkürliche Vervielfachung zu entwerten oder in kleinlicher Buchhalterei zum Streitpunkt werden zu lassen.

Von Michael Kinnen