06.06.2017

Zur Themenwoche der ARD

Woran glaubst du?

Eine Woche lang geht die ARD in Hörfunk, Fernsehen und Internet dieser Frage nach. Jeder Mensch hat irgendetwas, an das er glaubt. Die Liebe, etwas Größeres, Familie, das Gute im Menschen, Geld und Erfolg. Wir Christen glauben an den Gott, der Mensch geworden ist.


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Das Kreuz als Zeichen des christlichen Glaubens: Für viele Gläubige ist es Stütze und Hilfe. Foto: epd-bild

 

Machen wir uns nichts vor: Der Glaube an einen Gott, der Mensch geworden ist, gekreuzigt wurde und den Tod besiegte, ist nicht mehr mehrheitsfähig. Die ARD hat für ihre Themenwoche Prominente gefragt, woran sie glauben. An das Gute, die Liebe, an Freunde und Familie waren die Antworten. Oder auch: an nichts. Oder an etwas Größeres. Den „Etwasismus“ nennt das der tschechische Theologe Tomas Halik. Der Etwasismus ist eine der größten Glaubensüberzeugungen unserer Zeit. 

In einer Auswertung verschiedener Studien beschreiben die Religionssoziologen Detlef Pollack und Gergely Rosta, dass selbst unter Gottesgläubigen in Westeuropa die biblische Vorstellung eines personalen Gottes schwindet. Gott ist keine konkrete Person mehr, sondern wird irgendetwas Größeres, ein wabernder, unfassbarer Gottesnebel. Eine Erklärung: Je konkreter eine Gottesvorstellung, desto angreifbarer ist sie. Gleichzeitig, so die Wissenschaftler, schwindet mit dem Glauben an den personalen Gott auch der Einfluss des Glaubens auf das eigene Leben. 

Der christliche Glaube aber ist anders als diese Strömungen: Er ist konkret – Gott ist Mensch geworden, hat ein Gesicht bekommen, ist eine Person, an die wir uns wenden können. Dieser Gott will unser Leben beeinflussen. Aber nicht wie ein allmächtiger Strippenzieher, der uns nach Belieben auf der irdischen Bühne tanzen lässt. Gott ist ein großer Gelassener. „Er ermöglicht Existenz, Naturgesetze und Freiheit. Eine seiner erstaunlichsten Fähigkeiten ist seine phänomenale Zurückhaltung“, sagt der Chefastronom des Vatikan, Guy Consolmagno. 

Gott gibt kein Leben ohne Sorgen, aber er gibt Vertrauen

Gott gibt Freiheit, lässt seine Geschöpfe ihren Weg machen. „Gott ist Liebe, er kann nicht alles, er kann nur, was die Liebe kann“, sagte der italienische Geistliche Ermes Ronchi 2016 bei den Fastenexerzitien für den Papst und seine Kardinäle. Ein liebender Gott, „der das Leben stärkt“, so Ronchi. Das Leben stärken? Ja, wer an den christlichen Gott glaubt, hat eine Hilfe, das Leben zu bewältigen, ein gelingendes Leben zu führen. Aber kein „Eitel-Sonnenschein“. „Gott bewahrt uns nicht vor allem Leid, er bewahrt und trägt uns in allem Leid“, zitiert Ronchi Dietrich Bonhoeffer.

Nicht Wissen, sondern Angst ist für Ronchi der Gegensatz zum Glauben. Wer glaubt, vertraut. Und Vertrauen hilft, Angst zu bewältigen. „Gott ist da, bei dir, der du weinst und Angst hast. Er ist da, bei dir, vielleicht anders, als du es gerne hättest, aber er ist da.“ Ein solcher Glaube ist Gnade. Ich kann ihn nicht wollen, sondern muss ihn suchen und pflegen. Kümmere ich mich nicht, verkümmert er. Mache ich mich aber auf die Suche nach Gottes Spuren, mache ich Erfahrungen, die eine Antwort auf die Frage geben: „Woran glaubst du?“  

Von Ulrich Waschki

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