19.04.2017

Pilgernd nach Hildesheim um mit Bischof Norbert Trelle im Dom die Chrisam-Messe zu feiern.

Zu Fuß zur Chrisam-Messe gepilgert

Am Palmsonntag, gleich nach dem Gottesdienst mit Palmweihe, macht sich eine Gruppe Braunschweiger Firmbewerber zu Fuß auf den Weg. Ihr Ziel: Pilgernd wollen sie nach Hildesheim, um mit Bischof Norbert Trelle im Dom die Chrisam-Messe zu feiern.

Pilgergruppe sitzt im Rahmen
Im Braunschweiger Westpark gibt es ein erstes
Gruppenbild. Alle sind hoch motiviert und gut
gelaunt. | Foto: Sabine Moser

Braunschweig (sam). Vor dem Leisewitzhaus steht ein gutes Dutzend Jugendlicher, alle haben feste Schuhe an. Ihre kleinen Rucksäcke schmücken grüne, frisch geweihte Buchsbaumzweige. Es ist Palmsonntag. Die 15- bis 17-Jährigen kommen direkt vom Gottesdienst in der St.-Aegidien-Kirche. Stärken sich mit Käsewürfeln, Tomaten und Minisalamis. Einige tippen noch schnell etwas auf ihrem Smartphone. Denn gleich geht es los in Richtung Hildesheim und beim Pilgern soll das geliebte elektronische Gerät im Rucksack bleiben.

Jeder Tag hat ein eigenes Motto: Glaube, Liebe, Hoffnung und dann ist schon Chrisam-Messe. Für jede erfolgreich bewältigte Etappe der Firmwanderung auf dem Jakobsweg bekommen sie einen Stempel in den eigens gefertigten Pilgerpass.


Zeit zum Nachdenken, Zeit für Stille

Erste Station zum Thema Glauben ist die Christussäule zwischen Rathaus der Löwenstadt und Burg. Danach führt der Braunschweiger Jakobsweg die Jugendlichen entlang zahlreicher Gotteshäuser zur Kirche Heilig Geist in Lehndorf. Zeit zur Mittagspause auf der Wiese hinter der Kirche. Hier verpflegen sie sich selbst. In den weiteren Pfarrheimen wird für die Jugendlichen gekocht. Ein dreiköpfiges Koch- und Technikteam ist dafür zuständig. Sie sind mit dem schwereren Gepäck der jungen Pilger bereits zum ersten Pfarrheim nach St. Gereon in Vechelde vorgefahren.

Von Heilig Geist geht es in den Westpark der Stadt. Vor einem überdimensional großen goldfarbenen Bilderrahmen gestaltet Raphaela Feist eine Station zum Thema Begegnung mit Gott. Sie ist Jugendreferentin des Dekanates Braunschweig. Nach einem Gruppenfoto im Rahmen geht es weiter in Richtung Vechelde, dem heutigen Etappenziel.

Bei strahlend blauem Himmel und Frühlingstemperaturen herrscht gute Stimmung in der Runde. Niemand fragt, „Wie weit ist es denn noch?“ Es ist den Jugendlichen anzumerken, dass sie sich auf etwas Neues einlassen, manche unterhalten sich, andere gehen still und schweigsam gemeinsam den Weg.

Einer der Firmlinge ist Florian (16). Der große, ganz in Schwarz gekleidete Jugendliche sagt zuerst, dass er vom Pilgern eigentlich gar nichts erwarte. Dann wird er offener, spricht über seine Gedanken: „Es gibt viele Zusammenhänge, vielleicht kann ich übers Leben nachdenken, sonst bin ich die ganze Zeit am Computer, esse und schlafe.“ Dann sagt er, dass es noch einige Jugendliche in der Gruppe gibt, die sich ebenso wie er viele Gedanken machen.


Auf den gemeinsamen Weg gefreut

Die 16-jährige Ornella – ein Lockenkopf im grauen Kapuzen­sweat – erhofft sich auf dem Weg Momente zum Nachdenken. Auch darüber, was sie im eigenen Leben anders, besser machen kann. Gezielt möchte sie sich Gedanken über einen Streit mit der eigenen Schwester machen. „Ich denke, es wird anstrengend, aber auch viel Spaß machen, wir haben uns darauf gefreut“, sagt sie sichtlich fröhlich.

Die Vorbereitung zur Firmung hat in St. Aegidien im November vergangenen Jahres begonnen. Mit ihren Katecheten treffen sich die Mädchen und Jungen einmal pro Monat und haben auch das SMS-Wochenende „Sehnsucht meiner Seele“ besucht – ein Angebot der Diözese.

Einer der Katecheten ist Dr. Frank Hesping. Er engagiert sich in seiner Freizeit auch als Pilgerbegleiter auf dem Braunschweiger Jakobsweg, der inzwischen bis zum Raffteich ausgeschildert ist. Im Sommer soll die Strecke Richtung Hildesheim weiter beschildert werden und den Weg weiter nach Santiago de Compostela in Nordwestspanien weisen.

„Der Braunschweiger Jakobsweg ist eine alte Handelsroute,  der Hellweg“, erklärt Hesping, der beim Pilgern immer seinen kunstvoll gefertigten Pilgerstock dabei hat. „Viele Pilger in der Region laufen ein bis zwei Tage. Eigentlich braucht man eine Woche, bis der Kopf wirklich angekommen ist“, berichtet er aus Erfahrung. „Jugendliche laufen meist nicht so viel, dazu haben sie bei ihrem dauernden Entertainment gar keine Zeit.“

Deshalb pilgern die Firmlinge auf ihrem Weg auch einmal in Stille. Zum einen, um ihren eigenen Rhythmus zu finden, zum andern, um zu erkennen: Der Weg ist das Ziel. „Das wird eine Grenz­erfahrung für die Jugendlichen“, vermutet Hesping.

Pilgergruppe vor dem Hildesheimer Dom
Pünktlich zur Chrisammesse treffen die
Braunschweiger Pilger am Hildesheimer Dom ein.
| Foto: Edmund Deppe

Die Idee zur Pilgeraktion der Firmbewerber hatte die Gemeindereferentin der Pfarrgemeinde, Sara Asbach: „Ich kannte das Modell Firmwanderung bereits aus meiner vorherigen Gemeinde.“ Eine große Herausforderung für die Teenager, die sich auf ihre Firmung im Juni vorbereiten. Keiner von ihnen war bisher mehr als zehn Kilometer am Stück gelaufen. Nun gab es für sie auf dem Braunschweiger Jakobsweg Tagesetappen von 15 bis 20 Kilometer. Unterwegs übernachteten sie in Pfarrheimen in Vechelde, Hoheneggelsen und Ottbergen. Hier bekamen sie Besuch von  Propst Reinhard Heine aus Braunschweig.


„Es war einfach supertoll“

Pünktlich am Mittwochnachmittag erreichen sie ihr Ziel, den Hildesheimer Dom,  um mit rund 2000 jungen Menschen und Bischof Norbert Trelle am Vorabend zum Gründonnerstag die Chrisam-Messe zu feiern. In dieser Messe werden jedes Jahr vom Bischof die heiligen Öle  geweiht, die für die Sakramentenspendung verwendet werden.

Im Fluge ist die Zeit vergangen, wenn man Ornella oder Florian jetzt fragt. Das hatten beide nicht so erwartet.„Es war sehr schön, ich habe viele Erfahrungen gesammelt und wir haben uns alle gut verstanden“, berichtet Ornella. Am ersten Tag war das Laufen für sie noch sehr anstrengend, viele aus der Gruppe hatten mit Blasen zu kämpfen. Da hatte sie Glück. Schnell hatte sich Ornella ans Pensum gewöhnt und genoss die Zeit, in der sie in Ruhe wanderte. Gut fand sie die zahlreichen Anregungen der Betreuer auf der Tour und dass sie vom Kochteam verwöhnt wurden.  

So wie Ornella kann sich auch Florian vorstellen, wieder zu pilgern: „Es hat mir supergut gefallen. Alles war schön, gut strukturiert. Langeweile ist nie aufgekommen.“

KirchenZeitung