18.09.2014

Geschichte des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum

Zu jeder Kathedrale gehört eine Schule

Wenn das Bistum Hildesheim sein 1200-jähriges Bestehen feiert, kann auch das Bischöfliche Gymnasium Josephinum mitfeiern. Denn sein Vorläufer, die Domschule, wurde 815 zeitgleich mit Dom und Bistum gegründet.

Das bischöfliche Gymnasium Josephinum am Domhof

„Das war damals üblich, denn Kaiser Karl der Große hat 789 in einem Edikt angeordnet, dass alle neuen Kathedralkirchen, also jeder neue Bischofssitz im fränkischen Reich, gleichzeitig auch eine Schule haben müssen“, sagt Dr. Thomas Scharf-Wrede, Leiter des Hildesheimer Bistumsarchivs. Das Anliegen des Kaisers war, den Bildungsstand des weltlichen Klerus zu verbessern. Sie sollten zumindest das Gebet des Herrn, das Glaubensbekenntnis des heiligen Athanasius können, in der Lage sein, die heilige Messe zu feiern und einiges mehr. So wurden die Domschulen zu wichtigen Bildungszentren im fränkischen Reich.

Solide Bildung für künftige Führungskräfte

„Dabei hat Hildesheim eine Sonderstellung eingenommen. Bischöfe und sogar der Papst haben den hohen Bildungsstand der Domherren gelobt. Der Grund lag anscheinend in der Qualität der Domschule“, erklärt Benno Haunhorst. Der heutige Schulleiter des Gymnasiums Josephinum weiß:  „Viele Leiter der Schule haben später eine kirchliche Karriere gemacht und wurden Bischöfe. Sicher ist, dass 27 Reichsbischöfe hier die Schulbank gedrückt haben sowie weltliche Führungskräfte wie Kaiser Heinrich II.“ 

Die wohl berühmtesten Schüler dürften Bischof Bernward von Hildesheim und Rainald von Dassel gewesen sein, der spätere Erzbischof von Köln und Reichskanzler am Hof Kaiser Friedrich I. 
Von ihren prominenten Schülern hat die Domschule stark profitiert. Zum einen konnte sie dadurch einen hohen Imagegewinn verzeichnen und zum anderen gab es Geschenke in Form von Büchern. Die waren im Mittelalter selten und kostbar. „Und manch einer der Ehemaligen hinterließ Teile oder die ganze Bibliothek der Schule“, berichtet Haunhorst.  Der Großteil der Bücher befindet sich heute im Bestand der Dombibliothek.

Schließlich war Hildesheim nicht mehr der Nabel des deutschen Reiches und auch die Domschule war zwischen dem 14. und 16. Jahhundert nicht mehr so gefragt. Mitverantwortlich waren die Reformation und die Gründung neuer Schulen mit Schwerpunkt für das neue Bürgertum, aber auch der Streit zwischen Bischof und Stadt.

„Doch bereits 1595 mit der Gründung des Jesuitengymnasiums Mariano-Josephinum investierte der Hildesheimer Bischof in das katholische Schulwesen. Die älteren Klassen mit 60 Schülern wurden in das neue Gymnasium übernommen und die Domschule mit den jüngeren Klassen bildete bis ins 19. Jahrhundert eine Art Vor- oder Elementarschule“, sagt Haunhorst.

Auch das Jesuitengymnasium diente vor allem der Bildung und Förderung des Klerikernachwuchses, sollte darüber hinaus aber das Bildungsniveau der katholischen Stände heben. „In der Zeit der Jesuiten entstand das Bild, dass jeder Mensch ein Recht auf Bildung hat“, betont der Schulleiter und ergänzt: „Die Kirche hat das griechisch-römische Schulsystem aufgegriffen, weitergeführt und und fortentwickelt. Sie hat unser heutiges Bildungssystem begründet.“

Kirche und Schule gehen Hand in Hand

Ab dem Mittelalter waren Kirchen und Klöster alleinige Schulträger. Mit der Reformation hat sich dann zwar die Grundstruktur der schulischen Ausbildung geändert, aber erst im 20. Jahrhundert ging die Bildungshoheit per Gesetz an den Staat. „Wie wichtig es der Kirche mit ihrem Bildungsauftrag ist, wird ebenfalls in der Missionsgeschichte deutlich. Auch in den Missionsländern finden sich die Schulen neben den Kirchen – in kirchlicher Trägerschaft“, erklärt Scharf-Wrede.

Wenn Haunhorst überlegt, was das heutige Gymnasium Josephinum mit der alten Domschule verbindet, fällt ihm die Antwort nicht schwer: „Zum einen ist es die räumliche Nähe zum Dom. Genau wie die Domschule grenzen wir an die Bischofskirche. Und zum anderen fühlen wir uns unseren Wurzeln in der Domschule verbunden.“

Edmund Deppe

 

Hinweis: Auf der Internetseite des Josephinums gibt es weitere Informationen zur Schulgeschichte.