19.03.2016

Fastenserie

Zu trösten braucht Mut

Ein geistiges Werk der Barmherzigkeit: Die Betrübten trösten

Eine berühmte Trösterin:
Teresa von Avila.
Foto: wikimedia/Ledl

Trösten muss man oft: Eltern trösten ihr Kind, das sich wehgetan hat, der Trainer tröstet den Sportler, der den Sieg um wenige Sekunden verpasst hat, das Mädchen tröstet ihre beste Freundin, deren Liebe zerbrochen ist. In diesen Situationen fällt das Trös-ten nicht ganz so schwer. Schnelle Ablenkung oder ein ruhiges Gespräch reichen oft aus, damit es dem Betrübten besser geht. 

Die schmerzlichste Trauer erleben Menschen durch den Tod von Verwandten oder Freunden. Genau dann ist es am schwierigsten, zu trösten. Was soll ich sagen, ohne mich in Floskeln zu verlieren oder nur das zu wiederholen, was andere schon gesagt haben?

Teresa von Ávila, Heilige des 16. Jahrhunderts und erste Kirchenlehrerin, schreibt in ihrem bekannten Trostspruch: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken, alles vergeht, Gott bleibt derselbe.“ 

Den Trostspruch „Alles vergeht, auch der Schmerz“ hören wir auch heute noch. Ein Trugschluss, denn „Schmerz und Trauer können ein Leben lang bleiben, das sollte man beim Trost- spenden immer im Blick haben“, sagt Anja Egbers, Referentin für Trauerpastoral im Bistum Osnabrück. „Trauer ist ein Einschnitt ins menschliche Leben, der es immer verändert, auch wenn es in unserer Leistungsgesellschaft schnell weitergehen muss.“ 

Wann tröstende Worte angebracht sind, ist deshalb oft schwer zu entscheiden. Trauernden fällt es schwer, sich selbst Hilfe zu holen, man will sich dem Trauernden aber auch nicht aufdrängen, schon gar nicht, wenn es kein naher Freund oder Bekannter ist. Was also tun?

Wer Trost spenden will, braucht den Mut, auf den Trauernden zuzugehen, ihm sein Mitgefühl auszudrücken und ihm vor allem die Hilfe einfach anzubieten. So offen, dass der Trost auch abgelehnt werden kann. „Manche Trauernde tragen den eigenen Trost schon in sich“, sagt Egbers. Das zu wissen, nehme dem Tröstenden den Stress, helfen zu wollen. Nachzufragen, was der Trauernde selbst als tröstlich empfindet, auch lange nach dem eigentlichen Trauerfall, sei ein guter Schritt.

Bei schlimmen Unfällen wie dem Zugunglück in Bayern oder den Terroranschlägen in Paris ist es auch oft die Gemeinschaft, die tröstet. Andere Menschen, die zuhören und durch ihre Anwesenheit Rückhalt geben. Diesem Trost in der Gemeinschaft stellt Teresa von Avila den Trost in der Zweisamkeit mit Gott gegenüber. Die Suche nach Trost bei Gott ist das Ziel, die einfachste und so wie es in dem zweiten Teil ihres Trostspruchs klingt, einzige Lösung: „Geduld erreicht alles; Wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen: Gott nur genügt.“

Doch was, wenn der Trost in Gott allein nicht mehr ausreichend ist, der Glaube nicht stark genug? Gerade dann müssen wir den ersten Schritt wagen: Trauernden durch unseren menschlichen Trost Stärke und Halt zurückgeben, damit sie wieder Vertrauen aufbauen – in das eigene Leben, die Menschen und in Gott

Von Lisa Mathofer