16.09.2015

Delegation des Bistums Hildesheim zieht positives Fazit des bundesweiten Gesprächsprozesses

Zwischen Segen und Satzeichen

Nach fünf Jahren ist der Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz zu Ende gegangen. Die Hildesheimer Delegation hat dabei ein positives Fazit gezogen.

Die Delegation des Bistums Hildesheim zum Abschluss des bundesweiten Gesprächsprozesses: Rüdiger Wala, Angelika Löwe, Elisabeth Eicke, Kornelia Debertin-Hink, Propst Bernd Galluschke und Pastoralreferent Martin Wrasmann. Foto: privat

„Das betrifft sowohl die Abschlussveranstaltung als den Prozess insgesamt“, sagt Elisabeth Eicke. Die ehemalige Vorsitzende des Diözesanrates Hildesheim hat an allen Dialogforen teilgenommen. „Vor fünf Jahren hatten wir alle das Gefühl, das ist ein mutiger Schritt“, erinnert sie sich. Heute erscheint das auf Augenhöhe geführte Gespräch zwischen Bischöfen und Kirchenvolk nahezu selbstverständlich: „Das zeigt, dass wir einen großen Schritt weitergekommen sind.“

Vor allem die Einmütigkeit, mit der der Abschlussbericht verabschiedet wurde, sei ein wichtiges Signal: „Bei 300 Teilnehmern gab es keine zehn Gegenstimmen“, berichtet Eicke. Wobei der Beschluss viel mehr sei als nur ein Bericht über die vergangenen fünf Jahre: „Es werden  Themen aufgeworfen und Positionen markiert – und das in der ganzen Breite unserer Kirche“, erläutert Eicke. Schwierige Themen seien nicht ausgeklammert worden – angefangen von der gemeinsamen Verantwortung von Klerus und Laien über wiederverheiratete Geschiedene bis hin zu einem Weiheamt für Frauen.  Auch wenn diese Probleme nur weltweit gelöst werden können, zeigen Prozess und Bericht doch die Fragen nach wirklichen Reformen auf.

Prozess hat Änderung des Arbeitsrechts angestoßen

Konkrete Auswirkungen habe der Gesprächsprozess auf das kirchliche Arbeitsrecht gehabt. Die von der Bischofskonferenz auf den Wege gebrachten Änderungen der Grundordnung haben ihren Ursprung beim Gesprächsprozess in Hannover vor drei Jahren: „Damals ist deutlich geworden, dass Scheidung allein kein Kündigungsgrund sein kann“, betont Eicke.

Auch für Propst Bernd Galluschke ist der Abschlussbericht „etwas, mit dem man weiterarbeiten kann“. Wichtig sei die Verabredung, dass der Prozess fortgeführt wird. Im Raum steht der Vorschlag der Bischöfe, alle zwei bis drei Jahre einen kirchlichen Konvent durchzuführen – mit etwa 120 Teilnehmern, darunter auch Delegierte aus den Diözesen, der Caritas und den Orden.

„Diese Idee muss gut vorbereitet werden“, stellt Galluschke heraus, der auch einer der beiden Moderatoren des Priesterrates ist. Denn zum Weg des Dialoges gebe es keine Alternative.

Dialogprozess auch im Bistum fortsetzen

Das betrifft nach Einschätzung des Duderstädter Propstes auch das Bistum Hildesheim. „Der bundesweite Gesprächsprozess hat auch deswegen Zeichen gesetzt, weil er in einigen Diözesen aufgegriffen wurde.“ Gerade im Bistum Hildesheim habe er zu einem neuen Miteinander von Diözesan- und Priesterrat geführt.
„Das wollen und das müssen wir fortsetzen“, sagt Galluschke mit Nachdruck. Er regt an, dass es im Bistum jährlich ein Treffen beider Gremien geben soll, „bei dem wir uns gezielt den pastoralen Herausforderungen in unserem Bistum stellen können.“ Da werde die Idee der gemeinsamen Verantwortung, einer „Kirche der Teilhabe“, konkret.

„Gerade in Würzburg ist die Idee einer geschwisterlichen Kirche sehr deutlich geworden“, ergänzt Kornelia Debertin-Hink. Für die Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte in Salzgitter hat der Prozess die vier Herausforderungen für die Kirche klar benannt: mehr Nähe zu den Menschen, mehr gemeinsame Verantwortung aller Getauften, mehr Miteinander von Frauen und Männern und nicht zuletzt mehr Gespräch auf Augenhöhe. „Hier sind die entscheidenden innerkirchlichen Bausteine benannt“, meint Debertin-Hink, die auch dem Diözesanrat der Katholiken angehört.

„Beeindruckend war, dass die Versammlung das Leitwort ‚Im Heute glauben‘ wörtlich genommen hat“, ergänzt Angelika Löwe. Die Sozialarbeiterin aus Braunschweig begrüßt vor allem, dass die Versammlung spontan ein Wort zur Situation von Flüchtlingen beschlossen hat. „Das zeigt, dass wir als Kirche nicht nur mitten im Leben stehen, sondern unsere Verantwortung für die wahrnehmen, die am Rande stehen“, betont Löwe.
Eines aber habe sie überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit 300 Teilnehmern so  intensiv an einem Text arbeiten können.  Vom Gefühl her war das „wie zwischen  Segen und Satzzeichen.“

Rüdiger Wala