07.04.2018

Irgendwann mitten dabei

Nach 15 Jahren Ehe ist Michael Freialdenhoven noch einmal in besonderer Weise für seine Frau verantwortlich geworden: seit der Osternacht ist er ihr Firmpate. Die 46-Jährige ist von der evangelischen zur katholischen Kirche konvertiert.

Die Bibel liegt griffbereit auf dem Wohnzimmertisch. Michael und Alexandra Freialdenhoven diskutieren oft über ihren  Glauben. | Foto: Karina Scholz

Im Wohnzimmer der Freialdenhovens liegt griffbereit die Bibel in der neuen Einheitsübersetzung. Alexandra Freialdenhoven hat in den letzten Wochen viel darin gelesen. Die 46-Jährige war Zeit ihres Lebens evangelisch, hat aber durch ihren Mann in der katholischen Kirche ein spirituelles Zuhause gefunden. „Für mich ist die katholische Kirche näher am Menschen, auch der katholische Gottesdienst berührt mich mehr als der evangelische“, sagt sie.

2003 heiraten die Arzthelferin und der technische Zeichner. Sie entscheiden sich für eine katholische Trauung, denn im Gegensatz zu ihrer evangelischen Gemeinde war Alexandra Freialdenhoven in der katholischen Gemeinde ihres Mannes von vielem beeindruckt: von der menschlichen Nähe der Gläubigen untereinander, der mitmenschlichen Hilfe in Form einer Wärmestube für Obdachlose, dem lebendigen Gottesdienst.

Für Michael Freialdenhoven waren diese Aspekte des Gemeindelebens nichts Außergewöhnliches. „Vielleicht, weil ich schon seit Kindheitstagen immer zur Kirche gegangen bin und das von den Großeltern so mitbekommen habe“, sagt er. Jahrelang ist er Ministrant in Sankt Michael Salzgitter. Eine Jugendfahrt nach Taizé im Jahr 1986 prägt seinen Glauben. „Die Atmosphäre war einmalig. Man kann das gar nicht beschreiben“, erzählt er noch heute, als 51-Jähriger, mit strahlenden Augen. „Ich habe gespürt, da ist etwas“, sagt Freialdenhoven.

„Rituale wurden für mich irgendwann selbstverständlich“

2006 wird Sarah,  die Tochter der Freialdenhovens geboren. Ihre Erstkommunion bedeutet für beide Elternteile später eine neue Nähe zum Gemeindeleben: Mama Alexandra wird Katechetin und bleibt dieser Aufgabe auch in den nächsten Jahrgängen treu – trotz ihrer Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche. Und Papa Michael ist seitdem nicht nur Lektor, sondern auch Leiter der Ministrantengruppe. Auch beruflich verschlägt es Alexandra Freialdenhoven in die Nähe der katholischen Kirche – als pädagogische Mitarbeiterin an einer katholischen Grundschule.

„Irgendwann war es für mich selbstverständlich, beim Hereinkommen in die Kirche ein Kreuzzeichen zu machen und mich bei der Gabenbereitung hinzuknien“, sagt sie. Im Gespräch mit der Gemeindereferentin sei ihr bewusst geworden, dass sie offiziell in die katholische Kirche eintreten möchte. Das Sakrament der Firmung sollte jetzt diesen Schritt besiegeln. Ihr Mann war bei allen wichtigen Vorbereitungstreffen mit dabei.

Sein Patenamt will Michael Freialdenhoven nicht anders gestalten, als das Leben mit seiner Frau jetzt schon ist: „Ich unterstütze sie, wir gehen zusammen in die Kirche, daran wird sich nichts ändern“, sagt er. Auf eine besondere Feier zur Firmung haben die beiden verzichtet. „Wir saßen nach der Osternacht noch mit dem anderen Firmling und dem Täufling bei der Agapefeier zusammen, das war sehr schön“, sagen sie. Der zwölfjährigen Sarah hat die Firmung so gut gefallen, dass sie in ein paar Jahren auch gefirmt werden möchte.

Karina Scholz