31.01.2018

Bischofsernennung

Wann kommt er? Wie heißt er?

Wann kommt eigentlich der neue Bischof? Und gibt es schon einen Namen? Fragen, die im Bistum Hildesheim derzeit immer wieder gestellt werden. Auf beide Fragen gibt es keine befriedigenden Antworten. Gefragt ist jetzt Geduld. Denn eine Bischofsernennung ist kompliziert – und dauert.

Am 9. Februar ist es fünf Monate her, dass Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch von Bischof Norbert Trelle angenommen hat. Eine lange Zeit, möchte man meinen, doch ein Blick auf die letzten Bischofsernennungen in deutschen Diözesen zeigt: Zumindest in den nächsten Wochen ist nicht mit einem neuen Oberhirten zu rechnen.

In vielen Bistümern verging fast ein Jahr

Im Nachbarbistum Hamburg ist Erzbischof Dr. Werner Thissen am 21. März 2014 in den Ruhestand getreten. Sein Nachfolger, Stefan Heße, wurde am 26. Januar 2015 vom Papst ernannt. Mehr als zehn Monate liegen zwischen Amtsverzicht und Ernennung. Noch länger dauerte es in Mainz: Kardinal Lehmanns Amtsverzicht wurde zum 16. Mai 2016 angenommen, sein Nachfolger Peter Kohlgraf am 18. April 2017 ernannt.

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki wurde am 11. Juli 2014 zum Erzbischof von Köln ernannt und wechselte im September des gleichen Jahres von der Spree an den Rhein. Der aktuelle Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, wurde am 8. Juni 2015 ernannt. Etwas schneller ging es in Freiburg: Dr. Robert Zollitisch trat am 17. September 2013 in den Ruhestand, sein Nachfolger Stephan Burger wurde am 30. Mai 2014 ernannt - doch auch hier noch acht Monate bischofslose Zeit.

Schaut man auf die letzte Bischofsernennung im Bistum Hildesheim, müssen einem diese Vakanzen noch kurz vorkommen: Zwischen dem Abschied von Bischof Dr. Josef Homeyer und der Ernennung von Norbert Trelle lagen mehr als 15 Monate.

Bei all dem ist zu bedenken: Ernennung heißt noch nicht Einführung des neuen Bischofs. Zwischen diesen beiden Terminen vergehen gewöhnlich weitere zwei bis drei Monate. Oft hat der Neuernannte noch Verpflichtungen und muss umziehen. Außerdem muss die Feier seiner Einführung und – sofern er noch kein Bischof ist – seiner Bischofsweihe vorbereitet werden.

Warum dauert das Ganze nun so lange? Anders als in der Wirtschaft oder bei Ämtern im öffentlichen Dienst beginnt die Suche nach einem Nachfolger nicht schon im Vorfeld eines sich abzeichnenden Wechsels, sondern erst mit dem Beginn der Vakanz. Außerdem kann sich niemand um das Amt bewerben. Zum Amt eines katholischen Bischofs wird man „erwählt“.

Ist ein Bischofssitz aus welchem Grund auch immer unbesetzt, beginnt ein langwieriges Verfahren. Im Bistum Hildesheim ist dies durch das Preußenkonkordat aus dem Jahre 1929 geregelt, das bis heute ebenfalls noch für die Erzbistümer und Bistümer Berlin, Hamburg, Köln, Paderborn, Aachen, Erfurt, Essen, Fulda, Görlitz, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Trier gilt.

 

Der Bischofsstuhl im Hildesheimer
Dom ist verwaist, in der Lehne
fehlt das Wappen. | Foto: Deppe

Rom stellt Wahlliste mit drei Namen zusammen

Auf Grundlage dieses staatskirchenrechtlichen Vertrages erstellt das Domkapitel (siehe zur Sache) eine Liste mit Namensvorschlägen für geeignete Kandidaten. Ebenso machen die Bischöfe jener Bistümer, für die das Preußenkonkordat gilt, Kandidatenvorschläge. All diese Namen werden beim Apostolischen Nuntius, also dem Botschafter des Papstes in Deutschland, gesammelt. Der Nuntius seinerseits kann die Namenslisten noch ergänzen und übermittelt sie dann der Bischofskongregation in Rom. Unter Würdigung der eingereichten Namenslisten erstellt die Kongregation eine Dreierliste. Der Papst entscheidet, ob er dieser Liste zustimmt oder die Kandidaten durch neue ersetzt. Auf der Liste können auch Namen stehen, die nicht auf den Vorschlagslisten standen. Der Nuntius übermittelt dann die vom Papst abschließend gebilligte Dreierliste dem Domkapitel. Die Domkapitulare wählen daraus mit absoluter Mehrheit nun den neuen Bischof von Hildesheim. Der Haken: Da sich niemand um das Amt bewerben kann, wird der Erwählte nicht selten von seiner Wahl völlig überrascht und bittet sich eine Bedenkzeit aus – und es gibt durchaus Fälle, in denen der Gewählte die Wahl nicht annimmt.

Stimmt er aber zu, muss nun auch noch die Niedersächsische Landesregierung ihr Okay geben. Das Bistum muss sich bei der Regierung versichern, dass gegen den neuen Bischof „Bedenken politischer Art“ nicht bestehen – eine Regelung aus dem bereits erwähnten Preußenkonkordat. Ist all dies passiert, wird der Name des neuen Bischofs zeitgleich in Rom und Hildesheim bekanntgegeben – meist geschieht dies an einem Freitagmittag.

Bevor Norbert Trelle im November 2005 zum 70. Bischof von Hildesheim ernannt wurde, wurde viel darüber spekuliert, wer wohl der Nachfolger von Josef Homeyer werden würde. Es waren diverse Namen im Umlauf – nur der von Norbert Trelle fiel nicht ein einziges Mal.
Wenn man bedenkt, wie kompliziert sich das Auswahlverfahren gestaltet, hat es wenig Zweck, sich mit möglichen Bischofskandidaten zu beschäftigen. So darf man also gespannt sein, ob das Bistum Hildesheim einen Weihbischof aus München, einen Theologieprofessor aus Frankfurt oder vielleicht einen Priester aus der eigenen Diözese als neuen Bischof bekommt. Sicher scheint dagegen: Ein wenig dauert es noch.

Matthias Bode
 

Bischofswähler

Diese Männer sind Mitglieder des Domkapitels und wählen den neuen Bischof: Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger (er steht derzeit als Diözesanadministrator an der Spitze des Bistums), Weihbischof Heinz-Günter Bongartz (Domdechant und Stellvertreter des Administrators), Martin Wilk (Leiter der Hauptabteilung Personal/Seelsorge), Dr. Christian Wirz (Offizial), Propst Martin Tenge (Regionaldechant in Hannover), Propst Reinhard Heine (Regionaldechant in Braunschweig), Wolfgang Voges (Dechant in Hildesheim). Dem Domkapitel gehört auch der ehemalige Generalvikar Prälat Werner Schreer an. Aufgrund einer Erkrankung ist er aber derzeit von seinen Aufgaben beurlaubt.