Der ungewöhnlichste Flecken der Welt

Tag 7:  Ein ungewöhnlicher Tag für die Delegation um Bischof Norbert Trelle: Keine Termine, keine Gespräche, keine Erörterungen. Dafür eine Tour zu einem der ungewöhnlichsten Flecken der Welt – dem Salar de Uyuni.

Uyuni ist eine Stadt im Nirgendwo - mit gut 18.000 Einwohnern. Foto: Wala

Uyuni ist eine Stadt mitten im Nirgendwo. Warum haben sich hier Menschen angesiedelt. Auf 3600 Metern Höhe? Sandstaub bedeckt die ganze Stadt mit ihren heute gut 18.000 Einwohnern. Es ist trocken, windig und kalt. Durchschnittlich 9 Grad im Jahr. Nur mit kleinen Ausreißern nach unten und oben. Im Winter – also jetzt – fällt das Thermometer auf um die 5 Grad, im Sommer werden es mal 11. Aber trotzdem brennt in dieser Wüste die Sonne vom Himmel.

Warum also? Zum einen ist Uyuni 1889 als Militärstandort gegründet worden. Die Grenzen zu Chile und Argentinien sind nah. Zum andern war die Stadt ein Eisenbahnknotenpunkt, um die Minen Boliviens mit dem Pazifik zu verbinden. Auf der zentralen Avenida vor dem Bahnhof erinnert noch eine Lokomotive an den 25. November des Jahres 1889, dem Tag, als die Zugverbindung von chilenischen Calama nach Uyuni eröffnet wurde. Doch heute sind die meisten Bahnverbindungen gekappt. Ein kleiner Personenzug bringt Touristen in die Stadt. Zudem fahren einige wenige Güterzüge auf der Schmalspurbahn in Richtung Chile.

Bischof Norbert Trelle und Dr. Katharina Bosl von Papp auf dem wahrscheinlich größten Eisenbahnfriedhof der Welt. Foto: Wala

Eisenbahnen bestimmen auch den ersten Haltepunkt der Tour. Der Fahrer der Gruppe, Polycarp oder kurz Poly, lenkt den Wagen zum "cementerio de los trenes", dem vielleicht größten Eisenbahnfriedhof der Welt. Bis zu 100 Jahre alt sind die Stahlkolosse, die hier zu Skeletten abgenagt sind. Weniger vom Zahn der Zeit, weil Rost in dem trockenen Klima nicht gerade gedeiht. Sondern eher durch diejenigen, die ein Stahlteil benötigen. Aber die Zeugnisse der Eisenbahngeschichte Boliviens dienen noch einem weiteren Zweck – als "Leinwand" für Sprayer, die sich mit Grafittis verewigt haben.

Doch die Fahrt geht weiter. Denn das Ziel der Gruppe ist nicht rostiger Stahl, sondern Salz, soweit das Auge reicht. Abertausende irgendwie fünfeckige Salzwaben formen den Salar de Uyuni, den größten Salzsee der Welt. "12.000 Quadratkilometer ist er groß", sagt Poly. Zum Vergleich: Das Bistum ist rund 30.000 Quadratmeter groß, der See würde also mehr als ein Drittel des Bistums umfassen. 160 Kilometer lang ist der Salzsee, 135 Kilometer geht er in die Breite. An manchen Stellen ist das Salz lediglich ein bis zwei Meter dick, an anderen Stellen bis zu zwölf. Also kein Problem für Autos und auch Lastwagen. Welche Strecken auf dem See bevorzugt benutzt werden, lässt sich mit dem Auge gut erkennen. Die Salzkruste ist abgefahren, manchmal zeigt sie auch Spuren schwarzer Dieselüberreste.

Bis zum Horizont ist nur das weiße Salz zu sehen auf dem Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt. Foto: Wala

Dennoch: Das gleißende Weiß bis zum Horizont ist eine Belastungsprobe für Augen und Sonnenbrille. Allein diese atemberaubende Schönheit macht den Salar heute zu einer Touristenattraktion. "Bis zu 50 Jeeps sind täglich auf dem Salar unterwegs", sagt Poly. Manche Gruppen erkunden die Weite des Salar auch drei Tage lang.

Entstanden ist der Salar, wie er sich heute darstellt, vor über 10.000 Jahren. Ein urzeitlicher See namens Tauca ist ausgetrocknet, die Salzkruste bleibt über. Dem Salz verdankt Uyuni indirekt seinen Namen: "Platz der Lasttiere" lautet er übersetzt. Denn schon in vorkolonialen Zeiten wurde hier Salz gewonnen und abtransportiert – durch die Lasttiere.

Salz wird auch heute noch auf einfache Weise gewinnen. Das erfährt die Gruppe im kleinen Dorf Colchani. Das Salz wird von der Oberfläche mit Treckern abgekratzt, dann zwei bis drei Stunden gelagert, schließlich erhitzt, bis die letzte Feuchtigkeit aus den Kristallen heraus ist. Anschließend wird das Salz in unterschiedlichen Graden gemahlen und mit Jod versetzt. Fertig. 25 Tonnen Salz werden jährlich im Salar abgebaut.

Das "Haus der Inkas" - eine Insel mit Salzsee mit jahrhunderte alten Kakteen. Foto: Wala

In dieser Wüste, die ja ein See ist, gibt es auch Inseln. Fast schwebend erheben Sie sich über dem endlosen Weiß des Salar. Sie trotzen jeglicher Vorstellung, dass es so etwas wie Leben in der Wüste geben könnte. Meterhoch wachsen jahrhundertealte Kakteen, die sich trotzig zum Himmel recken. Incauasi heißt die Insel, "Haus der Inkas". Auf diese Insel haben sich die Inkas vor den spanischen Eroberern in 16. Jahrhundert zurückgezogen. Vergeblich.

60 Meter ragt die Insel in die Höhe. 60 Meter, die ohnehin auf 3600 Metern, zu einer großen Anstrengung werden. Doch die Aussicht ist atemberaubend. Ebenso die Stille auf dieser Insel in der Wüste – wenn nicht gerade ein Jeep über die Piste brettert.  

Unter dem Salz schlummert ein wertvoller Rohstoff, erfahren Dr. Katharina Bosl von Papp, Bettina Stümpel und Bischof Norbert Trelle. Foto: Wala

Im Salar liegt ein Schatz, der die Zukunft Boliviens verändern könnte: Lithium. "Neun Milliarden Tonnen, 73 Prozent der Vorkommen auf der ganzen Welt", sagt Poly. Nicht ohne Stolz. Lithium ist ein wertvoller Rohstoff für Batterien aller Art, zum Beispiel für die Automobilindustrie. Das Leichtmetall gilt als Schlüsselrohstoff für die kommenden Jahrzehnte. Im August vergangenen Jahres hat die deutsche Firma K-Utec den Auftrag für die Planung einer  Aufbereitungsanlage für Lithium. 30.000 Tonnen Lithiumkarbonat sollen von 2018 an jährlich produziert werden. Welche Folgen das für den Salar hat? Niemand weiß genaues ...

Das letzte Ziel der Tour: die "Ojos de Sal" (Augen aus Salz). Aus nahezu 100 Metern Tiefe blubbert Wasser an die Oberfläche. Salzig, natürlich, aber auch stark nach Schwefel riechend. Dann heißt es Abschied nehmen vom Salar. Die Fahrt zurück führt gleich zum kleinen Flughafen Uyunis. Abflug nach La Paz, dem Regierungssitz Boliviens. Jetzt wieder mit Terminen, Gesprächen und Erörterungen.

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