Bistum beginnt Dialogprozess

Auftakt zum Hinhören

Welche Impulse braucht die Kirche von Hildesheim? Eine Antwort: 2012 wird zum „Jahr des Hinhörens“.

Hildesheim (wal). Wasser wird in eine Schale gegossen. Glas für Glas. Bischof Norbert Trelle spricht ein Segensgebet. Er lädt ein, sich selbst oder andere mit diesem Wasser zu segnen. Als Zeichen des Vertrauens auf den Heiligen Geist. Als Zuspruch, dass Gott da ist.

„Geistlicher Zwischenstopp“: So wurde im Vorfeld das gemeinsame Gebet benannt. Es unterbricht eine Tagung, die durchaus von bistumsgeschichtlicher Bedeutung ist: Erstmals tagen Pries­ter- und Diözesanrat gemeinsam – auf Einladung von Bischof Norbert Trelle und ergänzt um die Abteilungsleiter des Bischöflichen Generalvikariates. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die kaum umfassender sein kann: „Wie können wir einen Dialog um die Zukunft unserer Kirche führen?“

Gut 60 Teilnehmer machen sich einen Tag lang Gedanken über diese Frage. In Arbeitsgruppen diskutieren sie Folgefragen: Wie kann künftig bei immer weniger Pries­tern der Sonntagsgottesdienst gefeiert werden? Welche Bedeutung haben Wort-Gottes-Feiern? Wie „teilen“ sich Gemeinden künftig Priester und Gemeindereferentinnen? Welche Form von Zusammenarbeit setzt das voraus? Und was bedeutet das für das Engagement von Laien? Überhaupt: Wie können wir von unserem Glauben mit Menschen reden, die nicht im Lebensraum Kirche groß geworden sind? Aber müssen wir nicht doch über Zölibat und Frauenpries­tertum reden?

Den Themenideen folgt die Frage nach der Form. Wie kann ein Dialog mit allen an diesen Fragen Interessierten geführt werden? Ein Vorschlag: ein Dialogsonntag im Frühjahr 2012. Die Gemeinden laden nach dem Sonntagsgottesdienst Interessierte ein. Um Themen zu sammeln, Fragen zu stellen, Anregungen zu geben. Eine andere Idee: das Internet dafür nutzen.

Schnell schält sich ein Gedanke heraus: Es braucht ein Jahr des Hinhörens. 2012 sollen Gespräche geführt werden – mit Menschen inmitten der Gottesdienstbänke, aber auch mit denen, die weit weg vom Kirchturm sind. Die Vorsitzende des Diözesanrates, Elisa­beth Eicke, wünscht sich dabei einen Dreischritt: „Hinhören – Mitteilen – Wahrnehmen“.

Wie das gelingen kann? Vorschläge wird nun eine Steuerungsgruppe machen: Neben Eicke gehören ihr Generalvikar Dr. Werner Schreer, Dechant Wolfgang Voges (Moderator Priesterrat), Domkapitular Adolf Pohner (Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Generalvikariat), Dr. Hans-Jürgen Marcus (Caritasverband) sowie Stefan Tschiersch und Matthias Kaune (beide Gemeindeberatung) an. Hinzukommen soll noch ein Jugendlicher, um deren Anliegen zur Sprache zu bringen.

„Unterm Strich hat dieser Tag ein gutes Ergebnis gebracht“, zieht Generalvikar Schreer ein Fazit. Sicher: Viele Fragen sind offen geblieben, Ideen allenfalls angedacht. „Doch das liegt fast in der Natur der Sache: Wir wollen möglichst viele Menschen an diesem Dialog beteiligen – auch und gerade Kirchenferne!“ Das brauche Zeit – und die sei am besten mit Zuhören genutzt.

 

Ein Video-Interview mit Generalvikar Dr.Werner Schreer