Vollversammlung des Diözesanrates

Bekenntnis bleibt entscheidend

Katholischer Religionsunterricht, lokale Kirchenentwicklung und Klimaschutz: Sehr vielfältig war die Palette der Themen bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrates.

Die Hürde für den katholischen Religionsunterricht klingt nicht hoch: Zwölf Schüler an einer Schule müssen es sein, um eine Lerngruppe zu bilden. Doch gerissen wird die häufig – an gut 40 Prozent der staatlichen Schulen. Was heißt das für die Zukunft des Fachs?

Dr. Jörg-Dieter Wächter zeigt auf der Vollversammlung des Diözesanrates zahlreiche Herausforderungen für die Zukunft des katholischen Religionsunterrichtes auf. Foto: Wala

Religion gehört ohnehin nicht gerade zu den Fächern, die im Alltag einer Schule besondere Würdigung erfahren.  Schon vor vier Jahren hatte die Hauptabteilung Bildung im Generalvikariat ausgerechnet, dass statistisch fast jede dritte Stunde Religionsunterricht ausfällt. Zudem wird das Fach zugunsten eines allgemeinen Unterrichts in Religionskunde immer wieder infrage gestellt.

Kein Wunder, dass sich der Diözesanrat  auch angesichts sinkender Schülerzahlen Sorgen um den Fortbestand von „Reli“ macht. Zudem wurden auch Stimmen aus der lutherischen Landeskirche Hannovers deutlich, die sich den sogenannten „konfessionell-kooperativen Religionsunterricht“ (siehe Stichwort) als Regelfall vorstellen könnten.

Versorgung schwierig, Akzeptanz sinkt

Für Dr. Jörg-Dieter Wächter steht der Religionsunterricht vor großen Herausforderungen: Weniger Schüler machen die flächendeckende Versorgung mit konfessionellem Unterricht noch schwieriger als ohnehin schon, betont der Leiter der Hauptabteilung Bildung im Generalvikariat. Zudem sinkt die gesellschaftliche Akzeptanz des reinen katholischen oder evangelischen Unterrichts: „Wir müssen immer wieder deutlich machen, dass der Unterricht kein Privileg der Kirchen, sondern ein Recht der Schüler ist.“

Ohnehin ist die Landkarte des katholischen Religionsunterrichtes in Niedersachsen löchrig. Grundsätzlich muss katholische Religion erteilt werden, wenn mindestens zwölf katholische Schüler eine allgemeinbildende Schule in Niedersachsen besuchen. Im Bereich des Bistums Hildesheim gibt es 1817 dieser staatlichen Schulen – von der Grundschule bis zum Gymnasium (außer Oberstufe, außer Bremen). „An 719 von ihnen muss gar kein katholischer Religionsunterricht erteilt werden“, erläutert Wächter. Es gibt – oftmals an kleinen Grundschulen – nicht genügend katholische Schüler. Das sind immerhin gut 40 Prozent der Schulen.

Von verbleibenden 1098 Schulen können 394 keinen Reli-Unterricht erteilen: Hier fehlt eine Lehrkraft mit der missio canonica, der kirchlichen Erlaubnis. Und an weiteren 269 Schulen wird kein „Reli“ erteilt, obwohl es möglich wäre: „Das ist eine ganze Menge“, meint Wächter kritisch. Dort scheint den Rektoraten das Fach nicht wichtig genug zu sein.

Fazit von Wächter: An 435 allgemeinbildenden Schulen im Bistum Hildesheim wird katholische Religion erteilt. Macht 24 Prozent aller Schulen.

Der Blick auf die Schülerzahlen zeigt ähnliche Verhältnisse: Von den 508 321 Schülern an staatlichen Schulen in Niedersachsen waren 51 534 katholisch (Stand 2013).  24 870 von ihnen (nicht ganz die Hälfte) haben am katholischen Unterricht teilgenommen – die anderen am konfessionell-kooperativen Unterricht, am Ersatzfach „Werte und Normen“ oder haben sich befreien lassen.

Dennoch nehme mit 76 Prozent die große Mehrheit der Schüler  insgesamt Religionsunterricht (evangelisch, kooperativ, katholisch) wahr: „Das zeigt, dass Religion zu einer qualitativ hohen schulischen Bildung gehört“, sagt Wächter.

Das sieht auch der Diözesanrat so – und setzt sich in einem Beschluss für den konfessionellen Unterricht als Regelfall ein – auch in Zukunft. Der konfessionell-kooperative Unterricht soll weiterhin die Ausnahme bilden. und an die bisherigen Bedingungen gebunden sein. Damit werden die Interessen der katholischen Schüler gewahrt und die Arbeit der katholischen Lehrkräfte gestärkt, heißt es im Beschluss.

Lokale Kirchenentwicklung ist beherrschendes Thema

Eine bestimmendes Thema des Diözesanrates in der laufenden Amtsperiode ist die lokale Kirchenentwicklung. Der Rat hofft nun auf weitere Schritte auf Bistumsebene.

Die gemeinsame Verantwortung von Laien und Hauptamt- wie Hauptberuflichen für lokale Gemeinden ist Standard der Kirchenentwicklung im Bistum Hildesheim. So wurde es im Mai letzten Jahres im Zwischenbericht zur gemeinsamen Verantwortung festgehalten. In zahlreichen Gemeinden des Bistums wird dieser Weg gegangen, um auch in Zukunft eine ausstrahlungsfähige und in die Nachbarschaft reichende Kirche zu sein.

Ist diese gemeinsame Verantwortung aber nur auf die Pfarrei beschränkt? Oder muss sie noch weiter reichen – in die Dekanate, ins Bistum? Diese Fragen haben die Vollversammlung des Diözesanrates beschäftigt – und die Antworten sind deutlich: Nein, gemeinsame Verantwortung ist nicht auf die Gemeinde vor Ort beschränkt. Und ja, sie muss weiter reichen.

In der Diskussion wird schnell zweierlei deutlich: Es ist viel in den vergangenen Jahren erreicht worden. Stichwort: gemeinsame Verantwortung als Standard.  Das müsse gewürdigt werden.

Gemeinsame Vision für das Bistum ist notwendig

Gleichzeitig fehle aber eine Vision von Bistumsleitung, Priester- und Diözesanrat, wie die gemeinsame Verantwortung auf Dekanats- und Bistumsebene erweitert werden kann: „Dieser Schritt muss jetzt folgen“, wird mehrfach geltend gemacht. Und: „Man kann nicht unten anfangen und es dabei belassen.“
Gerade vor dem Hintergrund des im März 2015 auslaufenden Dialogprozesses müssten verlässliche Orientierungen und Strukturen für die Weiterentwicklung geschaffen werden. Angeregt wurden beispielsweise regelmäßige Tagungen von Priester- und Diözesanrat – gewissermaßen als weitere vertrauensbildende Maßnahme. Eines aber ist allen Diözesanratsmitgliedern klar: „Wir müssen weniger ängstlich sein“ und es gilt „weiter dicke Bretter zu bohren.“

Dieses Durchhaltevermögen hat der Diözesanrat auch in Sachen Klimaschutz gezeigt. Vor sieben Jahren hat der Diözesanrat eine Projektgruppe eingesetzt und dem Auftrag versehen: „ ...in Zusammenarbeit mit der Abteilung Immobilien im  Generalvikariat soll ein Leitfaden zum Umgang mit Energie und Ressourcen in Pfarrgemeinden konzipiert und dessen Einsatzmöglichkeiten in der Praxis vor Ort exemplarisch untersucht werden.“

Aus Projektgruppe erwuchs die Klimaschutzinitiative

Aus diesem eher dröge formulierten Auftrag hat sich ein Programm entwickelt, das weit über die Grenzen des Bistums Beachtung gefunden hat: die Klimaschutzinitiative. Deren Ziel ist ehrgeizig. Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 20 Prozent des heutigen Energieverbrauches eingespart werden. In zwei Schritten will das Bistum die Vorgabe umsetzen: zum einen durch das Einführen eines Energiemanagements, zum anderen durch die Modernisierung von Heizungsanlagen. „Doch das ist noch längst nicht alles“, sagt Ratsmitglied Dr. Christian Heimann, der 2007 den Vorsitz der Projektgruppe übernahm: Umweltleitlinien wurden erarbeitet, 161 ehrenamtliche Umweltbeauftragte in den Gemeinden gefunden, Rahmenverträge mit Gas- und Stromlieferanten abgeschlossen, das Projekt „Grüner Hahn begonnen,  Möglichkeiten zum „Klimafasten“ angeregt und Zeichen in der Atompolitik gesetzt. 

Zwei Aspekte waren für Heimann dabei entscheidend: sowohl die pragmatische Ausrichtung der Programme am Möglichen wie die „enge, wertschätzende Zusammenarbeit“ mit dem Generalvikariat. Aber ein Ende sei nicht in Sicht: „Klimaschutz ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon“, betont Heimann.  Zudem sei das „Ganze ist nur ein Erfolg, wenn es uns gelingt, viele Menschen in unseren Gemeinden mitzunehmen“.

Noch eines wurde beschlossen: das Thema für den Neujahrsempfang 2015. Im Mittelpunkt wird die Flüchtlingspolitik stehen. Wie genau der Empfang gestaltet werden wird, ist Aufgabe einer Arbeitsgruppe. Festgelegt ist der Termin: 10. Januar 2015.

Rüdiger Wala