30.08.2017

Bildung ist Stoff für die Zukunft

50 Jahre Peru-Mission der Vinzentinerinnen in Hildesheim – Anlass für ein buntes Fest rund um das Mutterhaus: Mit Besuch aus dem lateinamerikanischen Land, mit Fotos aus alten und neuen Zeiten – und einer Erinnerung.

Auch das ist Partnerschaft: Sr. Silvia, Patenschafts-
beauftragte in Peru und Lisanne Dehmel, die sich
ehrenamtlich engagiert. | Fotos: Wala

Schrumpfende Orden, leere Klöster – es werden viele Zeilen geschrieben und gesendet, dass ein Leben in einer geistlichen Gemeinschaft nicht mehr zeitgemäß sei. Was aber ein Orden zu leisten vermag, hat sich im April in Peru gezeigt. Bäche wurden zu reißenden Flüssen, Schlammlawinen schluckten Häuser und Menschen: Große Teile des Landes standen unter Wasser.

Die Vinzentinerinnen in Peru packten mit an. Sie verteilten Lebensmittel, Decken und Medikamente als Notfallhilfe – auch möglich geworden durch Spenden, die ihre Mitschwestern in Deutschland gesammelt haben. „Aber wir wollen nicht nur reine Nothilfe leisten“, betont Schwester Silvia. Sie ist Patenschaftsbeauftragte der Vinzentinerinnen in Peru und Oberin des Reginalhauses der Kongregation in der Hauptstadt Lima – und feiert an diesem 50. Geburtstag der Peru-Mission der Vinzentinerinnen mit. Zusammen mit über 200 weiteren Gästen, die mit der Kongregation und ihrem Wirken auf der anderen Seite des großen Teiches verbunden sind.

Nothilfe, Holzhäuser und Hilfe zur Selbsthilfe

Mehr als Nothilfe heißt für Sr. Silvia zweierlei: zum einen Hausbau. „Wir sind mit einigen Schülern und Lehrern aus unserer Schule Reina del Mundo in Lima in betroffene Stadtteile gefahren und haben dort Häuser gebaut“, berichtet die Ordensfrau. Fünf Stück, aus Holz, ganz einfach, nicht für die Ewigkeit – aber besser als ein Zelt. Und auch als Beispiel zum Nachmachen. Zum anderen: Auch wenn es an den Wiederaufbau geht, wollen sich die Schwestern einbringen. „In der Not rücken Menschen zusammen, es gibt doch einen neuen gesellschaftlichen Zusammenhalt“, ist Sr. Silvia überzeugt. Doch dabei gilt: „Wir müssen jetzt die Menschen so unterstützen, dass sie sich künftig auch selbst helfen können.“
 

Auch ein Fotowettbewerb mit Aufnahmen von
Besuchsreisen gehört zum Peru-Tag. Jedes Bild
wird genau in den Blick genommen.

Neue Abhängigkeiten will Sr. Silvia verhindern. Das gelte für Flutopfer ebenso wie für Kinder im besonders benachteiligten Stadtteil San Juan de Lurigancho. 1,1 Millionen Menschen leben dort, 250 000 von ihnen unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Dort haben die Vinzentinerinnen von einem amerikanischen Frauenorden zum Jahresbeginn eine Gesamtschule mit mehr als 1500 Kindern übernommen: „Bildung und Begleitung – das ist der Stoff für unsere Zukunft in Peru.“

Jahrestage sind natürlich auch ein Anreiz zum Zurückschauen – zum Beispiel in besonderen Momenten. Neben Bildern aus den Anfangsjahren werden auch die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs gezeigt. 16 Fotografen mit 40 Bildern haben sich daran beteiligt. Nicht nur mit den Aufnahmen, die etwa drei Jahrzehnte der Verbundenheit abdecken. Sondern auch mit kurzen Texten, die die Bilder einordnen. Die Ausstellung ist noch im Mutterhaus zu sehen.

Erinnerung an das Gesicht und die Stimme Perus

Ein Raum beim Peru-Tag im Mutterhaus steht im Zeichen einer besonderen Erinnerung: an Schwester M. Pacifica, die im Juli dieses Jahres mit 87 Jahren verstorben ist. Sie war über 40 Jahre das Gesicht und die Stimme Perus im Bistum Hildesheim und in Deutschland. Sie vermittelte und begleitete Adoptionen von peruanischen Kindern, gründete 1977 den „Verein der Förderer der Missionswerke der Barmherzigen Schwestern“ , um gezielt Spenden sammeln zu können. Container voller Hilfsgüter hat Sr. Pacifica auf den Weg gebracht und unzählige Patenschaften gestiftet.

Rüdiger Wala

 

 

Peru-Mission
Wo und wie engagieren sich die Vinzentinerinnen in Peru?  
In der Hauptstadt Lima tragen sie zwei Schulen: seit 1970 die  Schule „Reina del Mundo“ mit rund 900 Schülerinnen und Schülern, seit diesem Jahr zusätzlich die Schule „Fe y Alegria 37“ im Stadtteil San Juan  de Lurigancho.
Im Kinderheim in Trujillo finden seit 1971 alleingelassene Kinder ein neues Zuhause.
Im Soritor unterhalten die Schwestern seit 1985 unter anderem eine Armenküche und eine „Erste-Hilfe-Station“.
Arme und Kranke betreuen sie auch seit 1996 in Omate, einem Ort in den Anden.

Infos: www.vinzentinerinnen-peru.de