28.09.2017

Die Folge einer halben Nacht

30 Jahre alt ist die Partnerschaft zwischen der Kirche von Bolivien und dem Bistum Hildesheim geworden. Kein rundes Jubiläum, aber Anlass genug für ein Fest mit Gottesdienst, Theater und Gespräche. Und ganz viel Besuch aus dem latein­amerikanischen Partnerland. 

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Geburtstagspartys sind Gelegenheiten, um zu erzählen. Manche erinnern an die Stunde der Geburt. So auch beim Fest zum Jubiläum der Bolivienpartnerschaft des Bistums Hildesheim. Erzbischof Edmundo Abastoflor, einer der Gründerväter, erinnert an den denkwürdigen Abend, der  zur „Hermandad“, zur Geschwisterschaft zwischen einer Diözese und der Kirche eines Landes führte.

Abastoflor, damals Bischof von Potosí, heute von La Paz, war mit zwei peruanischen Amtsbrüdern nach Hildesheim eingeladen. Das Hilfswerk Misereor feierte im März 1986 die Eröffnung seiner Jahresaktion. „Am Vorabend hat uns der damalige Bischof Josef Homeyer eingeladen“, berichtet Abastoflor.  Man habe die halbe Nacht geredet, „auch Bier und Schnaps getrunken“. Am Morgen hat Homeyer dann Abastoflor zu einem Spaziergang eingeladen: „Da hat er mich gefragt, ob ich mir eine Partnerschaft mit der Kirche meines Landes vorstellen könne – und später im Gottesdienst hat er diese Absicht verkündet.“ Ein Jahr später folgte die offizielle Besiegelung. So schnell kam das Bistum zu einer Partnerschaft, die  jetzt drei Jahrzehnte wirkt.

Begegnungsreisen, Freiwilligendienst und Kampagnen

Und wie: Gemeinden und Verbänden suchen und finden Kontakte, Begegnungsreisen bringen Menschen dies- und jenseits des großen Teiches zueinander. Seit 1990 gehen regelmäßig junge Deutsche für ein soziales Jahr nach Bolivien (bisher 143), seit 2003 kommen auch Bolivianer ins Bistum (bisher 28).  

Aus den ersten Kontakten und Hilfsprojekten werden schnell gemeinsame Kampagnen: für die Rechte von Indigenen, für die Entschuldung von Bolivien, schließlich gegen die fortschreitende Umweltzerstörung, die auch ihre Ursache im Lebensstil von Industrieländern wie Deutschland hat – die Allianz der Schöpfung wird gegründet.

 „Die Bolivienpartnerschaft hat etwas in diesem Bistum grundlegend bewegt und verändert“, sagt auch der Anfang des Monats emeritierte Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Er hat es sich, trotz Ruhestand, nicht nehmen lassen, den Geburtstagsgottesdienst im Dom zu feiern – nicht nur mit Erzbischof Abastoflor, sondern mit 13 weiteren Bischöfen des Partnerlandes. Ein Grund für diese hohe Zahl besonderer Geburtstagsgäste: Die bolivianische Bischofskonferenz hat kurz zuvor ihren Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus im Vatikan absolviert.

Das Gesicht der Partnerschaft wird sich in den kommenden Jahren verändern. Da ist sich Bettina Stümpel sicher. Sie ist die Vorsitzende der Bolivienkommission des Bistums: „Die Engagierten gerade in den Gemeindegruppen werden älter.“ Die Zusammenarbeit über Projekte und alle Partner – dazu zählt auch das Bistum Trier –  betreffende Fragen, werden bedeutsamer. Stümpel zählt dazu den Klimaschutz, gerechte Wirtschaftsstrukturen und politische Teilhabe: „Das sind die Aspekte, die mit der Globalisierung verbunden sind.“ Auch der Freiwilligendienst werde noch wichtiger: „Ich wünsche mir, dass wir künftig noch mehr junge Menschen aus Bolivien in unserem Bistum begrüßen können – so viele, wie wir auch nach Bolivien schicken.“

Zurück zum Fest: Geburtstagskinder dürfen sich auch selbst was schenken. Zum  einen: neue Mitwirkende bei der Allianz für die Schöpfung. Das St.-Jakobushaus aus Goslar ist jetzt ebenso mit dabei wie die Pfarrei St. Raphael aus Garbsen und die Karmelitinnen aus Hannover.

Zum anderen: einen Höhepunkt wie das „Teatro Trono“ aus El Alto. Vor über 20 Jahren wurde es vom Sozialarbeiter und Theaterpädagogen Ivan Nogles gegründet – mit Straßenkindern. Jetzt ist es die dritte Generation von Kindern und Jugendlichen, die die soziale Situation ihrer Stadt aufgreift – und mit Clownerie, Pantomime, Musik und viel Satire auf die Bühne bringt. Noch bis zum 11. November ist das Teatro Trono in Deutschland unterwegs.

Rüdiger Wala