10.01.2018

200 Jahre Klosterkammer Hannover

Die Hüterin der Schätze

200 Jahre Klosterkammer: Gegründet wurde sie 1818 vom welfischen Prinzregenten Georg von Hannover, dem späteren britischen König Georg IV. Formal ist sie eine Behörde – aber was für eine ... Ihr gehören auch katholische Kirchen.

Auch die Basilika St. Godehard
in Hildesheim ist Eigentum der
Klosterkammer. | Foto: Wala

Schaut man von außen auf die Klosterkammer Hannover, wirkt sie wie eine staatliche Behörde. Und genau das ist sie – eine Einrichtung der öffentlichen Hand, eine Sonderbehörde im Geschäftsbereich des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.
Schaut man aber in die Klosterkammer, ist sie Kirche – und nicht nur weil sie ehemals kirchliches Gut verwaltet. Gegründet wurde sie vor 200 Jahren als „Allgemeiner Hannoverscher Klosterfonds“. Mittlerweile sind drei weitere Stiftungsvermögen dazugekommen. Die Zahlen der Klosterkammer sind beeindruckend: Sie kümmert sich unter anderem um die Unterhaltung von 20 Klöstern (evangelische Frauenklöster und Stifte), rund 800 vielfach denkmalgeschützte Gebäude und rund 12 000 Kunstgegenstände.

Eigentümerin von 43 Kirchen

Dazu 43 Kirchen – neun davon sind katholische Kirchen im Bistum Hildesheim. In der Bischofsstadt selbst die Basilika St. Godehard, Heilig Kreuz und St. Magdalenen, St. Gregor in Goslar-Grauhof, St. Joseph in Gronau, St. Hadrian und Dionysius in Lamspringe, St. Peter und Paul in Heiningen, St. Andreas in Holle-Sottrum und Mariä Geburt in  Renshausen. Zudem kümmert sich die Klosterkammer um den Bauunterhalt von St. Mauritus in Hildesheim. Ihr gehört auch das Grundstück in Marienrode, auf dem seit 1988 die Benediktinerinnen ansässig sind.

Bei allen Kirchen handelt es sich um ehemalige Klosterkirchen (oder ihre Nachfolgebauten) – und alles sind Klöster, die im Zuge der Säkularisierung 1810 durch das Bistum Hildesheim aufgegeben werden mussten. Ordensmänner und -frauen wurden vertrieben oder allenfalls geduldet. Grundstücke und Vermögen aber flossen acht Jahre später in die neu gegründete Klos­terkammer.

Der Grund dafür wurde knapp drei Jahrzehnte vorher gelegt: 1542 verfügte Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen (1510–1558) im Rahmen der protestantischen Kirchenordnung, dass klösterlicher Besitz für kirchliche, schulische und mildtätige Zwecke gesondert verwaltet werden müsse. Diese Tradition setzte der Prinzregent Georg von Hannover mit der Gründung des Klosterfonds fort. Die überwiegende Zahl anderer Fürsten verleibte sich klösterlichen Besitz einfach ein.

Zu Kirchen und Kunstwerken besitzt die Klosterkammer Grundstücke und Land, darunter viel Wald: Die Klosterkammer ist nach dem Land die größte Flächeneigentümerin und Waldbesitzerin in Niedersachsen mit einem Grundbesitz von 40 000 Hektar – das entspricht der Fläche der Stadt Köln, oder Bremen und Bremerhaven zusammengenommen. Der Wald wird bewirtschaftet: 170 000 Kubikmeter Holz sind der jährliche Ertrag.Noch ein Superlativ: Zu drei Vierteln finanziert sich die Klosterkammer aus annähernd 16 000 Erbbaurechts-Grundstücken. Sie ist damit die größte Ausgeberin von Erbbaurechten in Deutschland.

Aber über Forst- und Grundstückswirtschaft ist die Klosterkammer noch weiter unternehmerisch tätig: Informationstechnologie, Hotellerie, Biogas, landwirtschaftliche Dienstleistungen – und im ehemaligen Kloster Wöltingerode wird Schnaps gebrannt und Bier gebraut. An insgesamt neun privatrechtlichen Gesellschaften ist die Klosterkammer als Allein- oder Mehrheitsgesellschafter beteiligt.

3,2 Millionen Euro für soziale Zwecke

Was aber macht die Klosterkammer mit den Einnahmen? Zum einen finanziert sie sich selbst, da sie keinen Zuschuss aus der Landeskasse bekommt.  Zur Wahrung der Aufgaben sind in der Behörde gut 160 Mitarbeiter tätig – für Buchhaltung und Forstwirtschaft, für Gebäudeunterhaltung und Kunstgeschichte.

Aus dem Vermögen unterstützt die Klosterkammer heute jährlich rund 200 Projekte aus Kirche, Bildung und sozialer Arbeit mit rund 3,2 Millionen Euro. So wurden 2017 beispielsweise unter anderem die Dombibliothek Hildesheim, die katholische Familienbildungsstätte Hannover, St. Petrus in Wolfenbüttel, die Caritas Südniedersachsen, die Marienschule in Hildesheim, St. Godehard in Hannover, St. Cyria­kus in Duderstadt oder die Malteser unterstützt – mit Summen von 500 bis 25 000 Euro, für Kulturprojekte, Pilgerreisen oder als Baukostenzuschuss.

Anlässlich des Jubiläums zeigt eine Ausstellung im Landesmuseum Hannover vom 20. April bis zum 12. August Spuren klös­terlichen Lebens und kostbare Kunstwerke. Am 25. August öffnet eine Festmeile im Kloster Wöltingerode bei Goslar. Für den 1. Ok­tober ist ein „Tag der offenen Tür“ in Hannover geplant.

Infos: www.klosterkammer.de

Rüdiger Wala