16.05.2013

Mit einer Stiftung reagiert die katholische Kirche in Hameln auf die demografische Herausforderung

Eine helfende Hand im Alter

Davon sind Magdalena und Alfred Leicht fest überzeugt: „Zu Hause ist es am schönsten“, sagen die beiden. Dass sie noch mit weit über 80 und trotz mancher Beeinträchtigungen in ihrer Wohnung am Jagauweg leben können, verdanken sie dem Projekt „Mehr vom Leben im Alter“ der Stiftung Katholische Altenhilfe.

Einmal in der Woche besucht Tanja Adams Albert und Magdalena Leicht. Dann wird nicht nur besprochen, wie das alte Ehepaar den Alltag in der eigenen Wohnung meis­tern kann. Es bleibt auch immer Zeit für ein persönliches Gespräch – zum Beispiel, wenn Fotos aus vergangenen Zeiten herumge­reicht werden. Fotos: Stefan Branahl

Zur Begrüßung gibt es ein Küsschen. Es ist Donnerstagvormittag und Tanja Adams schaut wie jede Woche vorbei. Was gibt es Neues? Gibt es Kummer oder gute Nachrichten? Vor sechs Jahren hat sie das erste Mal das Ehepaar besucht, zum 80. Geburtstag von Magdalena Leicht. Ein fröhlicher Tag war das, und trotzdem fiel Tanja Adams damals auf: Den beiden müsste eigentlich unter die Arme gegriffen werden, auf Dauer kommen sie nicht mehr allein zurecht.

„Wer hätte auch schon gedacht, dass wir mal so alt werden?“,  sagt Alfred Leicht. Vor ein paar Jahren hat es ihn erwischt – beim Spaziergang mit dem Hund. Plötzlich verlor er die Orientierung, fand nicht mehr nach Hause. Für den Friseurmeister, der noch im hohen Alter seinen Beruf ausgeübt hat, eine bittere Erfahrung. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Das gewohnte Leben weiter führen

Gut, dass es damals den Kontakt mit Tanja Adams schon gab. „Was muss getan werden, dass alte Menschen wie die Leichts ihr gewohntes Leben weiterführen können?“ Mit dieser Frage stieß sie in der Pfarrgemeinde St. Augustinus auf offene Ohren. Reaktion: Nach Gesprächen mit anderen Institutionen wurde das von einer Stiftung getragene Projekt „Mehr vom Leben im Alter“ gegründet.

„Vielen Menschen kann ein Umzug ins Heim erspart bleiben, wenn sie im Alltag unterstützt werden“, sagt Michael Jungnitz, Leiter des Pflegeheims St. Monika.Die Leichts sind für ihn ein typisches Beispiel, das ihm von Haus­ärzten immer wieder bestätigt wird: „Die sozialen Kontakte werden weniger, tägliche Arbeiten fallen schwerer, Gebrechen nehmen zu, das Geld reicht plötzlich nicht mehr.“

Vor dieser Frage standen auch Magdalena und Alfred Leicht. „Wir stammen aus Bayern und sind von Natur aus gesellige Menschen. Aber in unserem Alter fühlen wir uns oft allein, viele Probleme scheinen nicht lösbar“, räumt das Ehepaar ein. Da ist es gut, jemanden wie Tanja Adams zur Seite zu haben. „Wir überlegen gemeinsam, wie wir auf He­rausforderungen reagieren“, sagt die inzwischen für das Projekt angestellte Mitarbeiterin. Für beide Seiten sieht sie als ganz wichtig: „Niemand darf sich überfordert fühlen. Wer unsere Hilfe braucht, muss entscheiden, wie viel er letztlich annimmt. Und auch ich darf nicht vereinnahmt werden.“

Das hindert weder Tanja Adams noch das Ehepaar Leicht an engen, fast freundschaftlichen Kontakten. „Wir selbst haben keine Kinder, aber Tanja ist für uns eine Enkelin“, sagt Magdalena Leicht. Das führt manchmal schon zu absurden Situationen: Als Alfred Leicht vor einiger Zeit wegen eines Anfalls ins Krankenhaus gebracht wurde, gab sich die Projektmitarbeiterin als eben diese Enkelin aus. „Was denn – Sie siezen Ihren Opa?“, fragte die verwunderte Krankenschwester …

Die nächste Hürde überspringen

Bei allen Einschränkungen: Alfred und Magdalena Leicht sind froh, durch die Unterstützung von Tanja Adams in den eigenen vier Wänden leben zu können. „Wir können essen, was und wann wir wollen, wir haben unsere gewohnte Umgebung und die Kontakte zu den Nachbarn“, sagen sie. „Es ist immer jemand da, der uns hilft, die nächste Hürde zu überspringen“. Und allmählich hat sich Alfred Lerch auch daran gewöhnt, dass er mehr und mehr den Haushalt führen muss, seit seine Frau an Osteoporose erkrankt ist.

Stefan Branahl

 

Infos: www.ska-hameln.de